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Mitglieder des TV Brauerschwend laufen ihren eigenen Ultra unter Begleitung von Sascha GrammEin 103-Kilometer-Ultralauf zum Edersee

LAUTERBACH/SCHWALMTAL (ol). Anfang Juli ist eine Gruppe aus fünf Läufern zu einem Ultralauf über 103 Kilometer von Schwalmtal zum Edersee gelaufen – mit Bodo Geßwein, Boris Weppler, Peter Quanz und Michael Wagner sind vier Läufer aus dem Vogelsberg und mit dabei war auch Deutschlands erfolgreichster Wüsten-Etappenläufer Sascha Gramm aus Hosenfeld-Hainzell. Wie es dazu kam und was sie an diesem Tag auf den 103 Kilometern alles erlebt haben, erzählen die Läufer hier.

Nach dem erfolgreichen Ultralauf im vergangenen Sommer hat die „größte Ultralaufvereinigung des Vogelsbergkreises“ erneut einen eigenen Lauf veranstaltet – in diesem Jahr unter dem Dach des Turnvereins Brauerschwend. Doch der Reihe nach.

Die Idee

Wie schon im vergangenen Jahr entsprang auch in diesem Jahr aufgrund der noch immer andauernden Coronapandemie die Absage fast aller Ultraläufe erneut die Idee, einen eigenen Lauf anzubieten. Zu den beiden Ultras Bodo Geßwein aus Schwalmtal-Brauerschwend und Boris Weppler aus Lauterbach-Reuters konnten sich in diesem Jahr zwei weitere Ultraläufer finden: Peter Quanz aus Homberg-Maulbach sowie Michael Wagner aus Schwalmtal-Unter-Sorg. Alle vier kennen sich über den TVB (Turnverein Brauerschwend). Dort nehmen sie jedes Wochenende an einer Laufchallenge teil und sammeln Kilometer für den virtuellen Lauf.

Alle Bilder: Weppler

Seit Jahresende 2020 haben sie bereits einige Ultraläufe bis 50 Kilometer gemeinsam absolviert, die Novizen Peter und Michael lernten hierdurch von den beiden alten Hasen. So entsprang im Februar die Idee eines gemeinsamen Laufs an den nordhessischen Edersee.

Die Vorbereitung

Seit Februar trainierten die vier Läufer hart für diesen einen Tag, es wurden zahlreiche Läufe absolviert. Kurze Läufe meist allein, lange Läufe zwischen Marathondistanz und 60 Kilometern oft sonntags gemeinsam. „Lange Läufen laufen wir gerne auch gemeinsam, um Monotonie entgegenzuwirken“, sagte Boris Weppler.

Weppler war es auch, der in diesem Jahr die Organisation übernahm, plante eine Route an den Edersee und fuhr die Strecke vorab mit seinem Rennrad ab, um zu prüfen, ob die Strecke für dieses Vorhaben geeignet ist. Natürlich sollte – wie im vergangenen Jahr auch – Deutschlands bekanntester Wüsten-Etappenläufer und inzwischen Freund Sascha Gramm aus Hosenfeld/Hainzell nicht fehlen. Ohne Zögern sagte er zu. Ein weiterer Lauffreund aus Breitenbach am Herzberg, Mario Stiebing, erklärte sich aus seinem sportlichen Teamgeist heraus bereit das Verpflegungsfahrzeug zu übernehmen.

Er wäre ebenfalls viel lieber selbst gelaufen, doch eine Knieverletzung machte dies unmöglich. „Wir sind Mario sehr dankbar für die Betreuung, ohne ihn wäre der Lauf so nicht möglich gewesen“, erklärte Bodo Geßwein. Zwei Wochen vor dem Lauf traf man sich in Michael Wagners Garten, um letzte Details abzustimmen: Startort, Startzeit, Verpflegung während des Laufs, Übernachtung nach dem Lauf usw.

Der Lauftag

Am Samstag, den 3. Juli trafen sich alle Läufer um 5 Uhr in Brauerschwend. Bodo, Boris, Peter und Sascha liefen von Beginn an mit, Michael stieg etwas später ein. Die Gesamtdistanz wollten die beiden Ultra-Neulinge Peter und Michael nicht laufen. Die Strecke führte von Brauerschwend über Alsfeld, Schrecksbach, Schwalmstadt, Frielendorf, Borken, Fritzlar ins Edertal. Es waren überwiegend asphaltierte und teils geschotterte Radwege, häufig durch idyllische Landschaften.

Da Mario mit dem Verpflegungsfahrzeug für die Laufgruppe alle 9 bis 13 Kilometer eine Versorgungsstation mit Sitzgelegenheiten, eisgekühlten Getränken und Nahrungsmitteln aufbaute, wurde es für Peter und Michael ermöglicht sich während des Laufs bis zum nachfolgenden Verpflegungspunkt zu erholen, indem sie sich ins Verpflegungsfahrzeug begaben. Mario orderte mehrfach als wichtigstes Getränk alkoholfreies Bier nach, um die Läufer bestmöglich zu versorgen.

Außerdem gab es neben Bananen, Äpfeln, Energieriegel und Knabbergebäck, leckeren selbstgemachten Kartoffelbrei, um eine abwechslungsreiche energiehaltige Versorgung zu gewährleisten, die gleichzeitig nicht allzu schwer im Magen liegen durfte. Das Wetter spielte der Laufgruppe positiv in die Karten: Es herrschte eine Temperatur von etwa 24 Grad bei lauem Wind.

In Schrecksbach-Röllshausen bei Kilometer 23 bot der Turnsportverein „Tuspo Röllshausen“ am Sportplatz eine zusätzliche Verpflegung mit Getränken, Läufer-Nahrungsmitteln und die Nutzung ihrer sanitären Anlagen an. Hierfür möchte sich die Gruppe nochmals herzlich bei deren Organisator Reinhold Diehl bedanken.

Gegen 17.30 Uhr trafen die Läufer nach 86 Kilometern an der Edertalsperre ein. „Das war schon ein besonders schönes Gefühl. Erst hier wurde uns bewusst, wie weit wir gelaufen sind. Normalerweise machen Vogelsberger dorthin einen Tagesausflug mit Pkw oder Motorrad, um einen Tag am größten hessischen See im Norden des Bundeslandes zu verbringen. Wir sind einfach dorthin gelaufen. An der Sperrmauer hätten wir wenigstens gerne ein Eis gegessen, mussten aufgrund unserer Erfahrung jedoch damit rechnen, dass wir das während langer Läufe nicht vertragen. Also verzichteten wir schweren Herzens darauf, da bis zum eigentlichen Ziel, eine Unterkunft in Asel-Süd, noch 17 Kilometer zu laufen sind“, erklärt Weppler.

Ziemlich exakt um 20 Uhr trafen alle fünf Läufer gemeinsam im Ferienzentrum Albert-Schweitzer ein. Bodo, Boris und Sascha legten an diesem Tag 103 Kilometer zurück, Michael 72 Kilometer und Peter 75 Kilometer.

Der Tagesabschluss

Nach Ankunft sind alle sofort in den Edersee gesprungen, um sich nach diesem überaus anstrengenden Lauftag abzukühlen. Damit hatten sich die Läufer den gesamten Tag über motiviert, wenn es mal nicht so gut „lief“. Als Tagesabschluss hat Mario für die Laufgruppe gegrillt. Es gab ein gemütliches Beisammen bei Essen, Trinken und netten „Laufgesprächen“.

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