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Ein Beitrag von Jörn Sündermann, Presse-AG der Albert-Schweitzer-Schule AlsfeldWarum sind die Menschen in Finnland so glücklich?

ALSFELD (ol). In dem World Happiness Report liegt Finnland wieder auf Platz eins. Doch warum sind die Menschen dort so glücklich? Damit hat sich Jörn Sündermann von der Presse-AG der Albert-Schweitzer-Schule in Alsfeld beschäftigt. Sein Text im Wortlaut.

Jedes Jahr findet der World Happiness Report statt. Diesen Report gibt das Substainable Development Solution Network heraus. Er listet alle Länder nach ihrer Glücklichkeit auf. Seit 2012 gibt es die Rangliste der Glücklichkeit der Länder, die sich zum Beispiel aus Umfragen und Statistiken zusammensetzt. Auch in diesem Jahr, das unter Einfluss der Corona-Pandemie stand, wurde weltweit das Glück gemessen.

Man könnte denken, dass wegen Corona die Menschen insgesamt weniger glücklich sind, da sie nicht viele Kontakte haben und neue Anforderung auf sie zukommen. Doch so ist es nicht. Und so gab es auch dieses Jahr wieder Länder, in denen Menschen besonders glücklich sind. Dieses Jahr hat die Bevölkerung von Finnland „gewonnen“. Doch was bedeutet eigentlich Glück oder was könnte ein Grund dafür in diesem Land sein?

Sehr gute Lebensumstände

Hierzu schreibt Anette Dähne, die mit 19 Jahren von Finnland nach Deutschland gekommen ist, in einer Mail: Sie kann verstehen, dass Finnland zum glücklichsten Land gewählt wurde. „Es liegt an dem Land und natürlich an den Menschen“, ist sie sicher. Verantwortlich dafür sind sicherlich die Lebensumstände, in denen die Menschen in Finnland leben. Familien haben es in Finnland in verschiedenen Bereichen einfacher, berichtet die Finnin.

Zum Beispiel besuchen Kinder im Alter von acht Wochen schon häufig den Kindergarten, in dem es keine altersgemischten Gruppen gibt. Oftmals hat jede größere Firma einen eigenen Kindergarten für die Beschäftigten der Firma, wo man kostenlos die Betreuung in Anspruch nehmen kann. Auch sie selbst kam mit acht Wochen in den Kindergarten, da ihre Eltern arbeiteten mussten.

Sie berichtet, dass auch das Schulsystem gut ist. Jede Schülerin und jeder Schüler bekommt das Mittagessen in der Schule bezahlt sowie die Bücher, Hefte oder ähnliches. Wie in Deutschland sind die Sommerferien sechs Wochen lang, wobei die Eltern meistens genauso lange Urlaub haben, damit man etwas mit der Familie unternehmen kann. Wenn man studieren möchte, ist das in Finnland ebenfalls kostenlos oder es ist nicht so teuer, so hat jeder die Möglichkeit, zur Universität zu gehen.

Wenn man in Finnland Vater wird, bekommt man außerdem 54 Tage frei und immer noch 80 Prozent von seinem Gehalt. Mütter können mehrere Jahre zu Hause bleiben und bekommen trotzdem ausreichend Geld. Sie schreibt auch, dass Finnland ein sehr gutes Sozial- und Gesundheitssystem hat. Menschen, die keine Wohnung haben oder sich keine leisten können und dadurch obdachlos sind, bekommen von dem Staat kostenlos eine Wohnung zur Verfügung gestellt.

Die Mentalität der Menschen

Dass die finnische Bevölkerung so glücklich ist, liegt aber auch nach ihrer Aussage an der Mentalität der Menschen. Sie sind entspannter und nehmen Sachen nicht so ernst. Wenn man etwas heute nicht schafft, sagen sie sich, dass sie es morgen auch erledigen können. Man sieht in allem Negativen auch etwas Positives. Anette Dähne hat auch ein Beispiel genannt: Als sie in einem Möbelladen einkaufen war, hat vor ihr ein Mann eine Küche gekauft. Plötzlich fiel der Kassiererin auf, dass bei der Küchenausstattung noch etwas fehlte. Da stand sie auf und holte es selbst aus dem Lager. Dies dauerte sehr lange, und die Schlange wurde immer länger. Man hörte aber während dieser Zeit von den Wartenden, kein einziges Mal, dass eine neue Kasse aufgemacht werden muss, und es regte sich niemand auf. Im Gegenteil.

Die Leute fingen an miteinander zu reden.
Samstags wird auch nicht geputzt oder Ähnliches, sondern man genießt das Wochenende meistens in der Natur. Anette Dähne ist der Meinung, dass Finnland mit seinen vielen Wäldern und Seen hierfür die besten Voraussetzungen bietet. Es wird gerudert, geschwommen, sauniert, geangelt und vieles mehr. Das alles konnte sie in Finnland erleben. Inzwischen lebt Anette Dähne seit 34 Jahren in Deutschland und vermisst dieses finnische Lebensgefühl ein wenig.

Aber was ist Glück?

Vermutlich für jeden etwas anderes. Für die meisten wahrscheinlich etwas wie Gesundheit. Für andere bedeutet Glück vielleicht, auch wenn es nicht das Wichtigste im Leben ist, Geld oder Reichtum. Für die finnischen Bewohner könnte Glück eventuell auch etwas anderes bedeuten. Wie zum Beispiel, dass man am Wochenende das machen kann, was einem gefällt, also Freiheit hat. Es kann aber auch etwas anderes sein. Für Glück gibt es einfach keine allgemeine Definition. Erstaunlich ist, dass sich in Bhutan, einem Land in Südasien, auf dem Stundenplan von Schülerinnen und Schülern ein Fach findet, in dem Glück als Unterrichtsthema behandelt wird.

Wenn man sich die Ergebnisse aus den letzten Jahren von dem World Happiness Report anschaut, kann man erkennen, dass Finnland zum vierten Mal in Folge den Report gewinnt. Auch andere Länder wie Norwegen, Dänemark und Island, die im Norden liegen, sind immer vorne mit dabei. Island belegt zum vierten Mal in Folge den vierten Platz. Die dänische Bevölkerung belegt dieses Jahr den zweiten Platz. Auch zum vierten Mal in Folge. Dänemark hat übrigens ein Museum, in dem sich alles um das Glück dreht.

In dem Happiness Museum in Kopenhagen beschäftigt man sich tatsächlich nur mit dem Thema Glück. Man kann in dem Museum zum Beispiel sehen, wie sich das Glücksverständnis über die Jahre verändert hat, wie Glück in der Zukunft aussieht, erfährt etwas über das Glück im Norden und über viele weitere spannende Themen.
Alle World Happiness Reporte kann man auf der Internetseite von dem World Happiness Report lesen.

An der Leichtigkeit orientieren

Doch woran kann es liegen, dass nordische Länder in der Liste meistens vorne liegen? Meine persönliche Meinung ist, dass es an der Leichtigkeit liegt, mit der man im Norden lebt. Wie Anette Dähne in ihrer Mail schreibt, denken sich die Menschen der finnischen Bevölkerung und eventuell auch von der dänischen oder isländischen Bevölkerung, dass, wenn man etwas heute nicht schafft, man es auch morgen machen kann. Hier in Deutschland orientieren die meisten Menschen ihr Leben an einer Art To-do-Liste. Meistens ist diese überfrachtet, weshalb sie immer unzufriedener werden, weil das Abarbeiten nicht funktioniert. Viele Menschen rasen deshalb wie in einem Hamsterrad durch ihr Leben. Automatisch verlieren sie den Sinn für das Positive im Leben und sehen lediglich Dinge vor Augen, die sie nicht erledigt haben.

Gerade in Bezug auf Corona ist es spannend, dass man in Finnland eine ganz andere Strategie für die Geschäfte und Läden hat. Während bei uns teilweise die Geschäfte, die nicht lebensnotwendige Artikel verkaufen, schließen mussten und dadurch keine Einnahmen mehr hatten, hatten in Finnland die Geschäfte sogar 24 Stunden geöffnet. Diese Information erhielt Anette Dähne von ihrer Mutter, die noch in Finnland lebt. Dadurch, dass die Menschen eine größere Zeitspanne hatten, in der sie einkaufen konnten, verteilte es sich gut über den Tag. Ihre Mutter erzählte auch, dass sich die Verkäuferinnen oder die Verkäufer nicht beschweren, da sie dementsprechend auch bezahlt werden und frei bekommen.

Vielleicht sollte man in Deutschland einige Denkansätze, Verhaltensweisen oder Organisationsformen aus Finnland übernehmen. Vielleicht würden die Menschen, die in Deutschland leben, dann auch glücklicher sein, denn Deutschland belegt in der Ergebnisliste des World Happiness Reports nur den dreizehnten Platz.