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Neues Selbstvertrauen tanken, Alltag bewältigenTagesstätten der Vogelsberger Lebensräume als Anker für Betroffene

LAUTERBACH/ALSFELD (ol). Immer mehr Menschen erkranken an der Seele. Depressionen, Angststörungen, Zwangserkrankungen oder Schizophrenie seien dabei die wohl bekanntesten Krankheitsbilder. Damit ihr Leben nicht völlig aus den Fugen gerät, können Betroffene Hilfe suchen in Einrichtungen wie den Gemeindepsychiatrischen Zentren (GPZ) der Vogelsberger Lebensräume in Lauterbach und Alsfeld.

In der Pressemitteilung der Eichhof Stiftung heißt es, ob Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle, Betreutes Wohnen oder die Tagesstätte mit Angeboten für Beschäftigung, Arbeit oder Freizeitgestaltung, an beiden Standorten gibt es erfahrene Pädagogen und Therapeuten, die Hilfesuchende dabei unterstützen, neues Selbstvertrauen zu tanken und die Bewältigung ihres Alltags anzunehmen.

„Wir stellen immer mehr fest, dass viele Menschen in ihrer Wohnsituation vereinsamen und nicht nur durch Corona zusätzlich erkranken“, erklärt Klaus Schmidtkunz, Leiter des GPZ Alsfeld. Genau wie sein Pendant Roland Bamberger in Lauterbach möchte er Menschen mit psychischen Erkrankungen früher aus ihrer selbstgewählten Isolation abholen, mit Ansprache und Kommunikation den Weg in eine geordnete Tagesstruktur ebnen und ihnen eine Begegnungsstätte bieten.

Die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle sei dabei eine erste Anlaufstelle für Menschen in einer akuten Krise und bei Bedarf ein Eingangstor für weitere Unterstützungsangebote. Die Tagesstätte sei ein Ort, an welchem Menschen die Möglichkeit eröffnet wird, auf eine für sie passende Weise sinnvoll den Tag zu verbringen.

„Wir haben einen Wochenplan mit vielfältigen Angeboten, der es uns ermöglicht, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen“, sagt Roland Bamberger. Ob an einem oder auf Wunsch auch an mehreren Tagen in der Woche, die Teams der Tagesstätten in Lauterbach und Alsfeld geben Betroffenen Halt und Orientierung und, wenn gewünscht, einen roten Faden für ihren Tagesablauf.

Kreative Beschäftigungen

Neben der Gesellschaft mit anderen Besuchern gebe es an beiden Standorten die Möglichkeit kreativer Beschäftigung, wie Malen oder Kunsthandwerk, Bewegungs-/Mobilisationsangebote sowie Arbeitsangebote im Garten oder in der Küche, oder auch beispielsweise die Herstellung von Holzanzündern. Ausgebildete Fachkräfte in multiprofessionellen Teams unterstützen individuell und bieten bei Bedarf auch an, Interessierte zuhause aufzusuchen oder beliebte „Walk and Talk“ – Einzelspaziergänge mit Klienten – durchzuführen, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

„Wir haben dazu gelernt und sind gut aufgestellt in der Pandemie“, beruhigt Roland Bamberger besorgte Anrufer, die sich nicht trauen, in die Tagesstätten zu kommen. Er und sein Kollege Klaus Schmidtkunz haben Verständnis, wenn jemand kein eigenes Auto besitzt und derzeit nur ungern öffentliche Verkehrsmittel nutzen möchte. Dennoch sei es gerade in diesen Zeiten wichtig, dass Betroffene sich nicht zurückziehen und aktiv Hilfe suchen, dafür stehe ein eigener Fahrdienst zur Verfügung, der Besucher abhole und auch wieder nach Hause bringe.

„Viele unserer Mitarbeiter und Besucher sind inzwischen geimpft. Dank der guten Kooperation mit dem Impfzentrum Hessenhalle und der City Ambulanz Alsfeld sind mobile Impfteams direkt in unsere Einrichtungen gekommen“, beschreibt Klaus Schmidtkunz die Aktivitäten der vergangenen Wochen gegen COVID-19. Es würden weiterhin die AHA-Regeln eingehalten, wöchentlich Belegschaft und Besucher getestet und zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen geschaffen, damit auch beispielsweise das gemeinsame Mittagessen als wichtiger Tagesordnungspunkt stattfinden könne.

Wichtige Stütze für den Alltag

Weiter heißt es in der Pressemitteilung, für Nadine, 38 Jahre, sei der Besuch der Tagesstätte in Lauterbach eine notwendige Stütze: „Für mich bedeutet es Struktur in meinem Alltag und, dass ich soziale Kontakte trotz Corona habe.“ Die Mitarbeiter seien noch genauso fürsorglich und herzlich wie früher, macht sie dem Team ein großes Kompliment. Das unterstreiche auch die 42-jährige Katrin, die sogar während des Lockdowns zu Hause mit Arbeitsaufträgen versorgt wurde.

Heike, 57 Jahre alt, fühle sich mit all den Vorsichtsmaßnahmen sicher: „Zuhause ist es mir zu langweilig. Ich bin froh, hierher kommen zu können.“ Vermissen würden sie natürlich trotzdem gemeinsame Ausflüge, mal Schwimmen zu gehen oder ein Fest zu feiern, füge die 53-jährige Christiane an und spreche damit allen Teilnehmern aus der Seele. Sie empfiehlt Menschen, die sich aufgrund ihrer psychischen Erkrankung nicht mehr aus dem Haus trauen, eine Vertrauensperson, zum Beispiel bei den Vogelsberger Lebensräumen oder über das Notfalltelefon, zu kontaktieren.

Ähnlich sei die Situation in Alsfeld. Auch hier seien die Besucher froh, an den Angeboten teilhaben zu können. „Es ist die einzige Abwechslung“, sagt Christiane und Brigitte fügt hinzu: „Der Besuch ist immer wichtig, aber jetzt noch mehr als sonst. Schön ist auch, dass man mehr Rücksicht aufeinander nimmt.“ Und Helmut hofft darauf, dass sich die Lage bessert und man wieder mal einen Kaffee in der Stadt trinken kann. Man dürfe den Kontakt zu anderen Menschen nicht verlieren, sind sich alle Beteiligten einig und sehnen sich danach, mal wieder jemanden in den Arm nehmen zu können.

Ein Gedanke zu “Tagesstätten der Vogelsberger Lebensräume als Anker für Betroffene

  1. das alles ist die sicht derer, die am system verdienen, ob die betroffenen das auch so sehen? hier geht es um werbung und enorme gewinnspannen. oft würde nur ein zuhören mal helfen anstatt psycho-pillen und kleine hilfestellungen, daran ist aber niemand interessiert, weil es dabei nicht in der kasse klingelt. auch die ursachen, warum immer mehr aus dem kapitalistischen system rausgeschossen werden, sollte in erhebliche ursache für diese erkrankungen im blickwinkel sein. kärtchen durchziehen, eine überweisung ausdrucken udn ein paar pillen verordnen, reicht für die, die jemand mal zum zuhören brauchen, nicht aus.

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