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Hessischer Polizeiskandal um Drohschreiben mit rechtem Hintergrund„NSU 2.0“: Spur mit Bezug nach Kirtorf gerät offenbar stärker in den Fokus

KIRTORF/FRANKFURT (ol). In dem Skandal um Drohschreiben mit rechtsradikalem Inhalt an bekannte Personen, für die Daten von hessischen Polizeicomputern abgegriffen worden sein sollen, gerät offenbar ein Frankfurter Polizist, der ein Haus in Kirtorf hat, stärker in den Fokus der Ermittler.

Das berichten die taz in Berlin und die Frankfurter Allgemeine (FAZ) übereinstimmend und berufen sich dabei unter anderem auf Ermittlerkreise. Der FAZ zufolge handelt es sich bei dem Mann um einen Polizisten des 1. Polizeireviers in Frankfurt, der mutmaßlich Mitglied einer Chat-Gruppe mit rechtsextremem Inhalt gewesen sein soll. Ermittler überwachten angeblich seine Kommunikation und durchsuchten bereits seit dem Bekanntwerden des Skandals vor rund zwei Jahren mindesten zwei Mal sein Haus in Kirtorf, welches er der taz zufolge geerbt haben soll. Dem Bericht der FAZ nach hat der Polizist mittlerweile den rechtlichen Status eines Beschuldigten. Der taz nach konzentriert sich der Verdacht bei ihm darauf, dass er Daten für die ersten mit „NSU 2.0“ unterschriebenen Drohfaxe abgefragt haben und die Faxe auch verschickt haben soll. Später wurden ähnliche Schreiben jedoch auch per Mail verschickt. „Der Tatverdacht, dass er auch hinter den Drohmails steckt, hat sich laut der Staatsanwaltschaft Frankfurt jedoch nicht erhärtet“, schreibt die Zeitung. „Vielleicht hat er sie nicht ­verschickt. Vielleicht haben die Ermittler aber auch nur nicht genügend Beweise“, heißt es weiter.

Der Mann geriet offenbar stärker in den Fokus der Ermittler, nachdem bei der taz Drohschreiben gegen das Redaktionsmitglied Hengameh Yaghoobifarah eingegangen waren. Yaghoobifarah schreibt Kolumnen, die oftmals sehr stark polarisieren. Ein angeblich satirisch gemeinter Text über rassistische Vorwürfe gegenüber der Polizei hatte dieses Jahr heftige Kritik ausgelöst, Innenminister Horst Seehofer kündigte eine Strafanzeige an, zu der es dann jedoch nicht kam.

Der FAZ zufolge gehen die Ermittler in dem Fall des beschuldigten Polizisten mit Bezug zu Kirtorf inzwischen „möglichen punktuellen Vernetzungen“ zwischen einzelnen Personen nach, die in Frankfurt und Berlin wohnen. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft halte sich auf Anfrage mit Details zu den Ermittlungen zurück. Ein Sprecher habe jedoch gesagt, das Verfahren werde „sehr intensiv geführt“, schreibt die FAZ. „Er darf derzeit seine Dienstgeschäfte nicht ausüben, heißt es, ist aber nicht suspendiert, bekommt weiter sein volles Gehalt“, berichtet die taz über den Mann.

Beschuldigter Polizist schweigt offenbar zu den Vorwürfen

Die taz hat sich dem Artikel nach im Umfeld des beschuldigten Polizisten umgehört. „Rechtes Gedankengut? Davon ist im Gespräch mit Leuten, die ihn von damals kennen, nichts zu hören.“ 18 von 40 Inhalten des Chats mit mutmaßlich rechtsradikalem Inhalt, weswegen der Beamte ins Visier seiner ermittelnden Kollegen geriet, sollen jedoch von ihm stammen, heißt es in dem Text unter Berufung auf einen Spiegel-Artikel.

Die Reporter der taz haben eigenen Angaben nach den beschuldigten Polizisten auf mehreren Wegen kontaktiert, jedoch habe er inhaltlich nicht Stellung nehmen wollen. „Kein Interesse“, habe er auf eine entsprechende Frage durch eine Türsprechanlage geantwortet. „Gegenüber den Ermittlern schweigt er zu den Vorwürfen. Und auch von den Kolleg*innen sagt offenbar niemand gegen ihn aus“, heißt es in dem Bericht über den 31-Jährigen weiter.

Im Zuge der Drohmail-Affäre wurden mehrere, voneinander unabhängige Fälle bekannt, in denen Beamte der hessischen Polizei im Verdacht stehen, rechtem Gedankengut anzuhängen. Mindestens fünf dieser Fälle haben auf verschiedene Weise Bezug zum Vogelsberg, ein betreffender Beamter ist inzwischen verstorben. Der in der Drohmail-Affäre konkret beschuldigte Polizist gehört nicht zu den beiden Kirtorfer Polizisten, gegen die unter anderem wegen einem Vorfall mit mutmaßlich rechtem Hintergrund auf einer Kirmes ermittelt wird. Bei einer OL-Anfrage Anfang Juli an die zuständige Staatsanwaltschaft in Frankfurt hieß es, dass alle angefragten für die Region relevanten, dort laufenden Verfahren noch offen seien.

4 Gedanken zu “„NSU 2.0“: Spur mit Bezug nach Kirtorf gerät offenbar stärker in den Fokus

  1. Ein taz-Reporter war in Kirtorf und hat an der Tür geklingelt? Doch hoffentlich per Bahn und Fahrrad angereist! So links-grün, wie das Käseblättchen ist.

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    1. Mike Tyson gleicht kommt Evander holifield und holt dich. Wenn Kirtorf so braun wäre wie ihr es da stellt dann währen die Ökos schon lang aus dem Wald

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