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Termin ist diesen DonnerstagWegen Corona: Alsfeld untersagt Götel-Infoveranstaltung

ALSFELD (ol). Die Stadt Alsfeld untersagt eine für diesen Donnerstag geplante Informationsveranstaltung des Internetproviders Götel. Der Grund sind Bürgermeister Paule zufolge Bedenken im Hinblick auf die Corona-Regeln. Die Stadt kritisiert einen Mitarbeiter der Firma mit deutlichen Worten. Die Firma Götel weist die Anschuldigungen zurück.

„Wegen unverantwortlichen Verhaltens eines Vertriebsmitarbeiters der Firma Götel musste die Stadt Alsfeld eine für den 27.08.2020 geplante Informationsveranstaltung zum Thema Breitbandversorgung für die Ortsbeiräte Berfa, Fischbach, Heidelbach und Lingelbach untersagen. Durch die unabgesprochene breite Verteilung der Einladung über das Internet sei die Einhaltung geltender Hygiene- und Abstandsregeln nicht gewährleistet. So heißt es in der Pressemitteilung, die Bürgermeister Stephan Paule als örtliche Ordnungsbehörde herausgab. Die Veranstaltung sollte um 19 Uhr in der „Alten Schule“ in Berfa stattfinden.

Lorenz Keil vom Vertreib der Firma Götel habe dem Berfaer Ortsvorsteher Heinz Stumpf mitgeteilt, in Berfa eine Informationsveranstaltung mit wenigen Teilnehmern aus den Ortsbeiräten der genannten Stadtteile durchführen zu wollen. Dementsprechend sei eine Ortsbeiratssitzung des OBR Berfa eingeladen worden, zu der auch Personen aus den Ortsbeiräten der anderen Stadtteile eingeladen worden sein sollen.

„Parallel dazu und unter Nichteinhaltung der Ihnen seinerseits gemachten Zusagen hat Herr Keil von der Firma Götel per WhatsApp weitere Personen zu der genannten Veranstaltung eingeladen“, heißt es in der Mitteilung. Im Internet sei die Einladung dann noch an einen unüberschaubaren Adressatenkreis weiterverbreitet worden. „Durch dieses Vorgehen hat Herr Keil das Risiko eines erheblichen Verstoßes gegen die geltenden Coronaregeln hervorgerufen. […] Die Anzahl der am Abend des heutigen 27.08.2020 erscheinenden Teilnehmer ist daher nicht abzuschätzen. Aufgrund der geltenden Abstands- und Hygieneregeln muss ich die Veranstaltung daher untersagen,“ schreibt die Ordnungsbehörde in der Begründung ihrer Untersagungsverfügung.

Bürgermeister Stephan Paule bedaure dieses unabgesprochene Vorgehen eines Vertreters der Firma Götel außerordentlich, heißt es weiter. Nach sehr vielen Enttäuschungen über nicht eingehaltene Zusagen der Firma sei durch Vermittlung von Kreis und Land eigentlich in den letzten Wochen Bewegung in die Breitbanderschließung der vier Stadtteile gekommen. Am 17. August habe die Firma beim Bauamt auch erstmals prüffähige Unterlagen für die Breitbanderschließung vorgelegt. Dass nun ein Vertriebsmitarbeiter durch solch unbedachtes Vorgehen jegliches Vertrauen in seine Firma in Zweifel ziehe, sei „sehr schade“, waren sich Ortsvorsteher Stumpf und Bürgermeister Paule einig.

„Die Bürgerinnen und Bürger von Berfa, Fischbach, Heidelbach und Lingelbach, wollen wissen, wann sie endlich Breitband-Internet bekommen. Ein solches Vorgehen wie jetzt, zerstöre mühsam wiederaufgebautes Vertrauen.“

In seiner Untersagungsverfügung schlägt der Bürgermeister vor, dass der Ortsvorsteher für ein neues Datum, einen entsprechenden Termin unter Einbeziehung von Stadtverwaltung und des Breitbandkoordinators des Vogelsbergkreises einladen solle. Hierzu sei die Teilnehmerzahl in der Einladung auf eine den Räumlichkeiten angepasste Personenzahl zu beschränken und der Teilnehmerkreis, zum Beispiel durch Voranmeldungen, klar zu benennen.

Die Firma Götel widersprach inzwischen den Darstellungen des Bürgermeisters und wies zentrale Anschuldigungen zurück. Wir dokumentieren das Statement der Firma im Wortlaut:

  1. „Die GöTel GmbH nimmt die Situation rund um die aktuelle COVID-19-Pandemie sehr ernst. Seit Ausbruch der Pandemie haben wir unseren Arbeitsalltag komplett auf ein Hygienekonzept ausgerichtet, dass dabei helfen soll, sowohl unsere Mitarbeiter/innen, unsere Kund/innen sowie unsere Geschäftspartner maximal zu schützen. Ein Baustein dieses Hygienekonzeptes ist der weitgehende Verzicht auf jegliche öffentliche Vertriebsveranstaltungen. Nur, wenn Veranstaltungen seitens der Kommunen durchgeführt werden, nehmen unsere Mitarbeiter/innen als Referenten teil. Sollten Veranstaltungen stattfinden sind Vorkehrungen wie Masken, Desinfektionsmittel und Abstand für uns eine Selbstverständlichkeit.
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  2.  Die Infoveranstaltung, die am heutigen 27.8. in Berfa geplant war, war keine öffentliche Veranstaltung sondern eine Sitzung eines politischen Gremiums, nämlich des Ortsbeirates. Zu dieser Veranstaltung waren verschiedene Lokalpolitiker/innen in Absprache mit der Kommune eingeladen.
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  3. In einer Mail seitens eines Bürgers fragte dieser Bürger nach Infos zum geplanten Ausbau in der Kommune Alsbach. Herr Keil habe den Eindruck, dass diese Person auch zum Kreis der Entscheidungsträger gehörte und wies ihn auf die Veranstaltung in Berfa hin. Dies war ein Fehler und Herr Keil hätte sich natürlich mit der Kommune in diesem Punkt abstimmen müssen.
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  4. Nicht richtig ist aber, dass Herr Keil mehrere Personen zu dieser Infoveranstaltung eingeladen hat, sondern es handelt sich tatsächlich nur um eine Person. Es ist auch nicht möglich, diese Einladung als offene Einladung „für die Allgemeinheit“ falsch zu verstehen, da sie sich explizit an eine Person unter Nennung des Namens richtete.
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  5. Ebenfalls nicht richtig ist, dass diese Einladung per Whatsapp verschickt wurde sondern Herr Keil hat diese per Mail an die Person geschickt. Eine persönliche Einladung per Mail als „halböffentliche allgemeine Einladung, die zu unabsehbaren Besucherströmen führt“ zu verstehen, ist aus unserer Sicht nicht richtig und überspitzt die Situation.
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  6. Einig sind wir uns mit der Stadt Alsfeld in der Einschätzung, dass die Einladung einer weiteren Person der Absprache bedurft hätte. Gegen die Überspitzung und die scharfe Titulierung unseres Mitarbeiters als „unverantwortlich“ verwahren wir uns allerdings. Wir bezweifeln auch, dass die Nennung des Namens von Herrn Keil dem Informationsauftrages des Berichtes dient.“

6 Gedanken zu “Wegen Corona: Alsfeld untersagt Götel-Infoveranstaltung

  1. Mit Götel wird in den Ortschaften ein Monopol geschaffen, die Leute sind quasi gezwungen ihren bisherigen Telefon Anschluss zu kündigen und zur Götel zu wechseln, das haben viele noch gar nicht realisiert !

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    1. GöTel arbeitet nach eigenen Angaben unter dem Open Access Prinzip. Nach Ablauf der Vertragslaufzeit hat man die Möglichkeit zu einem anderen Anbieter zu wechseln!

  2. Finde es immer wieder lustig, wenn man von Seiten der Kommunen glaubt, irgendein „Nobody“ im Telekommunikationssektor könnte es besser als die bisherigen Player. Kabelverlegung ist eine teure Sache. Irgendwelche Mittelständler können doch gar nicht mithalten. Bis sich die Investitionen amortisieren, vergehen viele Jahre. So einen langen Atem haben die doch gar nicht.

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    1. Als ob die Kommunen im Fall „Götel“ eine Wahl haben, um sich selbst zu entscheiden. Ich würde sogar soweit gehen, dass viele Kommunen im Vogelsberg froh wären, wenn die Firma Götel nie den Vogelsbergkreis für ihre Ausbauplanungen entdeckt hätten.

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      1. Der Vogelsberg hat die Firma Götel nicht entdeckt sondern Götel hat sich die Rechte am Netzverzweiger in einigen Ortschaften ersteigert. Weder der Vogelsberg noch die Bürger hatten hier ein Mitspracherecht. Hier hätte die Politik (Bundesnetzagentur, Gigo usw.) vor Jahren einen anderen Kurs einschlagen müssen.
        Nun sei es drumm…
        Jetzt sitzen wir ohne gescheites Internet zu Hause, warten auf den zweiten LockDown und sind nicht in der Lage HomeOffe, HomeSchooling oder sonst etwas ansprechendes im Internet zu machen. Von Netflix und Co. kaum zu sprechen.
        Es ist auch noch nicht eine Schippe Dreck bewegt worden seitens Götel aber gezofft wird sich mit Alsfeld auf feinstem Niveu!
        Darf ich alle beteiligten mal Bitten sich am Riemen zu reißen und endlich dieses Projekt zum Abschluss zu bringen. Es geht hier nicht nur um Facebook und Instagram sonder um viel mehr. Es geht um Arbeitsplatzmodelle, Lehrpläne usw. Gerade in Zeiten Wie Corona.

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  3. Corona, Corona, Corona!!
    Alles dreht sich nur noch um dieses Virus!!!
    Ja, es sterben Menschen in Verbindung mit Corona, aber die überwältigende Mehrheit hat keine Symptome.
    Warum kann man denn nicht mal langsam zur Normalität übergehen??
    Soll das Maultäschle zur Pflicht werden, die Menschen aber wieder ins normale Leben übergehen können.

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