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Wie geht es weiter mit heimischen Hotels und Co. nach dem Lockdown?Corona und Tourismus: Das waren die wichtigsten Punkte des OL-Talks

REGION (jal). In der ersten Phase der Pandemie blieben nicht nur viele Geschäfte leer, sondern auch die Hotels. Das Reisen wird langsam wieder erlaubt, doch die Branche ist schwer getroffen. Lesen Sie hier die wichtigsten Punkte zum OL-Talk mit dem Thema „Wie kann es für den Tourismus in Oberhessen weitergehen?“

Drei Gäste, ein Thema: Im TV-Studio von Oberhessen-live diskutierten kürzlich drei Experten aus Politik und Wirtschaft darüber, wie ein Neustart für den Tourismus nicht nur im Vogelsberg, sondern in ganz Hessen möglich ist. Das Video der ausführlichen Gesprächsrunde ist hier zu finden. Für alle die, die es übersichtlicher mögen, kommen hier die Kernaussagen der Gäste kurz und klar zusammengefasst.

Wiebke Knell, FDP-Abgeordnete im hessischen Landtag und Sprecherin für Tourismuspolitik

Die FDP-Politikerin Wiebke Knell war der Meinung, Hessen habe schon vor der Pandemie zu wenig für seinen Tourismus getan. Vor allem im Internet werde zu wenig und mit den falschen Mitteln für die vielen tollen Orte, die das Bundesland habe, geworben. Eine Homepage und ein Hashtag zum Thema Urlaub in Hessen, so wie von der Landesregierung angestoßen, sind der FDP-Politikerin zu wenig. Vielmehr brauche es eine breiter angelegte und längerfristige Kampagne. Tourismus habe im Vergleich zu seiner Größe als Wirtschaftsbranche in der Politik eine zu kleine Lobby. Allein in Hessen würden 200.000 Menschen in dem Bereich arbeiten. Die aktuelle Krise werde sich noch lange auswirken.

Knell will in einer Sommertour zwei Wochen durch Hessen reisen, um auch unbekanntere Orte bekannt zu machen. Knell forderte eine Art Rettungsfonds für Branchen, die nachhaltig unter der Krise leiden würden. Davon sollte ihrer Meinung nach neben der Touristik auch die Veranstaltungsbranche profitieren: Weil beide eng zusammenhängen. Die Politik müsse regelmäßig in kurzen Abständen prüfen, ob gewisse Einschränkungen mit den aktuellen Infektionszahlen noch vertretbar sind.

Wiebke Knell, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP im Hessischen Landtag im Vordergrund und Roger Merk von der Vogelsberg Touristik im Hintergrund.

Roger Merk, der Region Vogelsberg Touristik GmbH

Wenig Arbeit in Sachen Internet? Roger Merk von der Region Vogelsberg Touristik GmbH sagte, seine Mitarbeiter hätten gerade in der Pandemie viel mit sozialen Medien gearbeitet und versucht, die Sehnsucht für Reisen zu wecken, damit die Menschen nach der Krise wissen, wo sie ihren Urlaub verbringen wollen. Es gebe zwar Reiselust, jedoch seien die potenziellen Kunden noch etwas gehemmt. Merk war es wichtig festzuhalten, dass man als Vogelsberg nicht in Konkurrenz zu anderen Regionen in Hessen stehe. Es sei sinnvoll, mit verschiedenen Regionen des Bundeslands gemeinsam auf dem großen Markt aufzutreten und dies werde bereits auch getan. Mit den Lockerungen im Mai hätten sich die Nachfragen nach Prospekten und dergleichen bereits deutlich erhöht.

Der Vogelsberg könne sich grade durch seine Weitläufigkeit, durch die man wenige Menschen trifft, wenn man in der Natur unterwegs ist, in der Pandemie gut verkaufen. Auch sei die Frage nach Ferienwohnungen gerade höher als bei Hotels, da man dort weniger auf Abstandsregeln achten muss. Für die Gastronomie ist geplant, die im Frühjahr ausgefallenen Lammwochen im Herbst nachzuholen und mit Wildwochen bald danach ein weiteren Anreiz für Gäste zu schaffen, auswärts Essen zu gehen.

Bastian Heiser, Geschäftsführer der Villa Raab in Alsfeld

Bastian Heiser sieht was Vermarktung von Tourismus angeht im Vogelsberg noch eine Menge Luft nach oben. Das sagte er auch mit Verweis auf andere Landkreise, die praktisch nur vom Tourismus lebten. Die Soforthilfen von Bund und Land würden lediglich helfen, ein paar Kosten zu decken. Hotels seien untereinander gut vernetzt, er wünsche sich zusätzlich aber stärkere Impulse und Kampagnen aus der Politik, um die Tourismusbranche wieder anzuwerfen. Ganz konkret geht es ihm zum Beispiel um mehr und bessere Möglichkeiten, gemeinsam mit anderen Tourismusanbietern in der Region für sich zu werben. Als Positivbeispiel nannte er Zell am See in Österreich, die in einem Sommer alle Hotels belegen konnte, weil die Region gemeinsam in den Vereinigten Arabischen Emiraten Werbung gemacht habe. Nur mit Rabatten könnten Hotels in der Krise keine Kunden anlocken, zudem würde die Branche diesen Preiskampf nicht überlegen, sagte Heiser.

Bastian Heiser, Geschäftsführer von der Villa Raab im Gespräch bei OL Das Thema.

Die Vermarktung als eigener Betrieb allein sei sehr teuer. Möglichst gemeinsam mit Partnern will das Hotel Schloss Romrod, zu dem auch das Hotel Villa Raab zählt, jetzt auf so vielen Portalen wie möglich werben. Veranstaltungen seien wichtig, um den Tourismus zu beleben. Man müsse, so Heiser, den Leuten auch etwas bieten.

Dass gezielt Menschen in Alsfeld Urlaub machen, konnte Heiser selbst noch nicht Beobachtungen. Es seien eher Menschen die durch Alsfeld durchreisen oder einen Bezug zur Stadt haben und deswegen sich für Buchungen interessieren, mit denen er gerade als potentielle Kunden zu tun habe. Heiser wünschte sich außerdem, als Hotelchef besser über Kampagnen und Tools zur Unterstützung der hessischen Tourismusbranche von den Initiatoren informiert zu werden.

6 Gedanken zu “Corona und Tourismus: Das waren die wichtigsten Punkte des OL-Talks

  1. Hier noch kürzer und noch klarer zusammen gefasst:

    Drei Experten mit dem Kontrabass
    Saßen bei OL rum und erzählten sich was
    Kam die Polizei
    Fragte: Na, ihr drei?
    Doch dann war das Video auch schon vorbei.

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    1. Auch wenn jetzt viele wieder im geschäftigen Alltag Fuß zu fassen versuchen… Die Tourismus- und Reisebranche hat einen Schlag ab bekommen, der wohl einmalig ist in der Wirtschaftsgeschichte Deutschlands. Da breitet sich eine depressive Grundstimmung nach dem Motto: „Die Überlebenden werden die Toten beneiden“ aus. Gerade für ein Haus wie die Villa Raab, wo nach riesigen Investitionen alles auf einen erfolgreichen Start in die neue Saison ausgerichtet ist, und es kommt dann ein solcher Dämpfer… Das ist nicht leicht.
      Aber Not macht doch angeblich erfinderisch!? Und vor allem besinnt man sich auf die eigenen Kräfte! Zwar trägt der Staat eine große Mitverantwortung, denn seine Seuchenschutz-Maßnahmen haben die Branche ja lahm gelegt. Da ist es angemessen, staatliche Hilfen einzufordern in Bereichen, wo der Staat wirklich helfen kann (Steuersenkung, Steuerstundung, Kurzarbeitergeld usw.). Aber in Fragen des Marketings den Staat anzurufen, wäre tödlich. Staatliche Ministerien und kommunale Verwaltungen sind in aller Regel so kreativ wie Löschwasser-Hydranten! Vielleicht können Fördermittel den Unternehmen noch den Weg zu einer guten Selbstvermarktung ebnen, indem entsprechende Beratung bezuschusst wird. Aber um Himmels Willen sollen die Landes-Bürokraten nicht selbst anfangen, sich die Vorzüge ihrer Länder und Regionen zu überlegen. Dabei kommt nur verquastes Zeug heraus wie das „Land der offenen Fernen“, „Vulkan-Region Vogelsberg“ u.a.m.
      Da kann man froh sein, wenn der „Fremdenverkehr“ solche Kreativ-Attacken heil übersteht. Völlig falsch: Einem ganzen Bundesland irgend ein einheitliches Konzept überzustülpen. Bei Hessen denkt man an… Ja, an was denn bei der Unterschiedlichkeit der verschiedenen Regionen. In einem Teil Hessens dominiert das Bier, im anderen der Wein. Die Metropolregionen Frankfurt/Rhein-Main oder Kassel sind vollkommen anders aufgestellt als die Flusslandschaften um Weser, Lahn, Fulda, Main und Rhein oder die diversen Mittelgebirge. Das lässt sich nicht über einen Kamm scheren! Also wirbt man für begrenzte Regionen, die wirklich einen einheitlichen Charakter aufweisen, den der Gast auch wahrnehmen kann. Frankfurt/Rhein-Main, Rhein-Hessen, Wiesbaden, die Dokumenta-Stadt Kassel, der Nationalpark Edersee-Kellerwald, das Hessische Upland mit dem Wintersport-Hot-Spot Willingen usw. haben ihr unverwechselbares Profil längst gefunden, selbst die Rhön, die lange nur als Geheimtipp für Billig-Übernachtungen gehandelt wurde. Und wenn sich aus den regionalen Gegebenheiten partout kein „Alleinstellungsmerkmal“ konstruieren lässt, dann stellt man eben die einzelnen Städte, Berge oder Flüsse heraus und vermarktet das Umland mit. Und ganz besonders müssen sich natürlich die einzelnen Hotels, Restaurants, Ferienhaus-Vermieter usw. um eigenes Profil bemühen. Hierbei kann man sich zusammenschließen zu Stationen einer Tour o.ä., die zu Fuß, per Fahrrad, zu Pferd oder auf dem Wasser absolviert werden. Hier können auch Hotelerie und Reisebranche kooperieren , um abwechselungsreiche Rundreisen zu gestalten. Und es steht genügend Internet-Know-how zur Verfügung, um all diese Angebote wirkungsvoll zu vermarkten und sichtbar zu machen. Man muss nur eben auch da Geld in die Hand nehmen, um höchste Profi-Qualität und Reichweite zu realisieren.
      Wie einfach es ist, auch weniger profilierten Regionen durch entsprechende Kooperationen ein Gesicht zu geben, zeigt das Beispiel der „Drei-Seen-Tour“ in Freiensteinau (siehe https://www.hr-fernsehen.de/sendungen-a-z/herrliches-hessen/sendungen/herrliches-hessen–unterwegs-um-den-nieder-mooser-see-,sendung-36348.html).

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      1. Das zuletzt genannte Beispiel zeigt übrigens, dass Herr Merk von der Vogelsberg Touristik sein Licht in dem Video-Talk zu Unrecht unter den Scheffel stellt bzw. für seine Arbeit „in aller Bescheidenheit“ nicht die richtigen Worte findet. Denn
        solche Angebote wie die Drei-Seen-Tour werden von der Vogelsberg-Touristik hervorragend unterstützt und auf einer ausgezeichneten Webseite präsentiert! Man sollte also ruhig mal erwähnen, dass die Jungs von der Vogelsberg-Touristik auch was können!

      2. In der Krise spezielle „passende“ Angebote zu entwickeln oder Eigenschaften der Region hervor zu heben, halte ich für schwierig. Natürlich kann man die Weite der Landschaft loben, wenn Social Distancing angesagt ist. Wenn gar keine Flugzeuge fliegen dürfen, wird der Urlaub in heimatlichen Gefilden automatisch attraktiver. Und selbstverständlich ist eine Familie in einer geräumigen Ferienwohnung in Corona-Zeiten allemal besser aufgehoben als im Hotel (gilt m.E. sogar völlig unabhängig von irgendwelchen pandemischen Verhaltensvorschriften!). Aber man will ja schnellstmöglich aus der Krise heraus kommen und sollte sich deshalb nicht auf vorüber gehende und möglicherweise nur erzwungene „Trends“ festlegen. Das gilt übrigens auch für Wandern und Radfahren. Das war mal völlig „out“, ist inzwischen nun mal gerade sehr gefragt, kann aber schnell auch wieder abflauen wie andere „Sport-Trends“ (siehe Tennis!).
        Ich war etwas erschüttert, wie wenig Herr Merk und Herr Heiser in einem Austausch zu stehen scheinen. Mir scheint das aber ein reines Kommunikationsproblem eines neuen Marktteilnehmers zu sein. Ich bin auch der Meinung, dass die Vogelsberg-Touristik bei der Vermarktung einzelner Touristik-Zentren oder Häuser gute Arbeit leistet. Und es zeigt sich ja auch ein messbarer Erfolg! Der Campingplatz am Niedermooser See, der im Zusammenhang mit der „Drei-Seen-Tour“ genannt wird, war letzten Meldungen zufolge in diesem Jahr bis weit in den Juli bereits voll ausgebucht (https://camp-erlebnis.de/). Mehr geht ja wohl nicht!
        Und es gibt so manchen ähnlichen „Geheimtipp“. Herbstein mit seinem Thermalbad und dem ausgedehnten Kurpark ernährt zwei komplette Feriendörfer. Hier hat sich auch ein „KleinHotel“ (https://www.klein-hotel.de/standorte/herbstein/) angesiedelt, dessen Gäste in modernen Einzel-Appartements untergebracht sind, die sich in einer Art Garten-Landschaft verteilen. Hier verbinden sich Hotel-Komfort und die Ungezwungenheit von Ferienwohnung oder Camping. Vom Start weg soll sich dieses neue Hotelformat sehr großer Beliebtheit erfreuen, was mich in der Auffassung bestärkt, dass der Vogelsberg gerade mit dem großen Angebot an kleinen, preiswerten und unkonventionellen Unterbringungsmöglichkeiten punktet, die die übliche Fremdenverkehrs-Statistik gar nicht erfasst, die aber zusammen genommen eine erhebliche Aufnahme-Kapazität haben. Rechnet man diese mit ein, ist die Tourismus-Bilanz des Vogelsbergs vielleicht in Wirklichkeit viel günstiger als die offiziellen Statistiken dies vermuten lassen.

  2. Ne Priska steht im Walde
    Ganz still und stumm
    Die hat von grünem Loden
    Ein Mänt’lein um
    Sag was mag der Grund wohl sein
    Dass sie steht da so allein
    Im liberal-intel-leck-mich-doch Mäntelein

    Ja, im Vogelsberg-Tourismus ist noch eine Menge Luft nach oben. Im Hessen-Tourismus auch. Und je höher man nach oben kommt, desto dünner (oder dümmer) wird sie, die Luft.
    Ich mach mir die Welt / Wie sie mir gefällt. Und wenn ich persönlich Wandern und Radfahren ökologisch wünschenswert finde, wird eben die gesamte neue Landtourismus-Strategie auf Rad fahrende Wanderer zugeschnitten, die wie einst der blöde Hans im Glück den schweren Goldklumpen ihr schwer verdauliches Schnitzel mit Pommes gegen einen leichten Wildkräuter-Salat eintauschen wollen. Da werden die Salat-Animateure an den Radwegen aber noch ein paar Motivations-Seminare bei Jürgen Höller, dem besten Coach der Branche, absolvieren müssen. Mit anschließendem Gefängnis-Aufenthalt (https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/juergen-hoeller-ich-bin-froh-dass-ich-im-knast-war/24132816.html).
    Mehrere Jahre Einzel- bzw. Ekelhaft haben sich auch diejenigen verdient, die ihr bisher der touristischen Vermarktung des Vogelsbergs und dem Ausfindigmachen lohnender Zielgruppen geweiht haben. Da feiert der Oldschool-Schaufenster-Werbegestalter noch immer fröhliche Urständ und stellt Plakatwände an der Autobahn auf. Auf der Hinfahrt in die Vogelsberg-Destination empfiehlt sich für die Kinder auf dem Rücksitz das beliebte Spiel: „Ich sehe was, was du nicht siehst… Und das ist ein Vulkan!“ Hahaha – große Heiterkeit. Die laut Zielgruppenforschung typische Standard-Vogelsbergtouristen-Familie erreicht gut gelaunt ihren Urlaubsort. Wo sie aber angesichts der mit WKAs teilweise bis zur Unkenntlichkeit verspargelten Mittelgebirgskulisse schnell auf Spiele umschalten sollte, die die Sehnerven schonen. Zum Beispiel „Blinde Kuh“.
    Erstaunlich, was an Zielgruppen-Analysen und Marketing-Strategien, die vermeintliche Experten feinsinnig ersinnen, bis in die Alltagswahrnehmung derer durchdringt, die dann von den herbeiströmenden Gästen leben sollen: Nämlich so gut wie nichts. Gern verbucht man den allgemein wachsenden Trend zur Regionalisierung, der aber auf einer ZUSÄTZLICHEN Nachfrage nach Kurz- und Wochenendurlaub bzw. Rentnerselbstbespaßung beruht, als Erfolg der eigenen Strategien, muss dann aber einräumen, dass die Zunahme der Übernachtungen um jährlich zehn Prozent über mehrere Jahre unabhängig davon stattgefunden hat, was man den Leuten jeweils „strategisch“ erzählt wurde. Es muss einfach nur die Kohle für den zusätzlichen Kurzurlaub vorhanden sein. Kommt die aufgrund des Lockdown und seiner langfristigen Folgen nicht mehr rein, laufen sämtliche neuen Strategien ins Leere.

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  3. Ein Tourismus-Experte aus Lauterbach
    Dacht‘ über Tourismus im Vogelsberg nach
    Ihm fiel wenig ein
    Und darum will mir schein’n
    Er könnt‘ auch aus Schotten gewesen sein.

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