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Lions-Quest: Albert-Schweitzer-Schule und Lions ziehen Bilanz und blicken nach vornPersönlichkeitsbildung, Stärke und emotionale Kraft für die Schule und den Alltag

ALSFELD (ol). Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene fit machen für ein erfülltes Leben, in dem Toleranz und Respekt, Selbstachtung und Selbstschutz sowie Verantwortung für die Gesellschaft und die Zukunft ihren Platz haben – das sind erklärte Ziele sowohl der Schulen als auch der Lions Clubs. So wundert es nicht, dass die deutschen Lions Clubs unter Federführung des Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswissenschaftlers Prof. Dr. Klaus Hurrelmann ein Lebenskompetenz- und Präventivprogramm ins Leben gerufen haben, das sie vor Ort, also direkt an den Schulen, an ihre Zielgruppe bringen.

Das geht, weil die Ergebnisse dieses Programms dort zuerst Wirkung zeigen. Die Albert-Schweitzer-Schule ist seit einem Jahr Partner dieses Programms, dessen Einführung die Lions Clubs Lauterbach und Alsfeld finanziell unterstützt haben. Nun trafen sich die Verantwortlichen zum Gespräch – was schon lange anberaumt war, wurde in Zeiten von Corona zur Videokonferenz, an der von Seiten der Schule Schulleiter Christian Bolduan und sein Stellvertreter Thomas Weidemann teilnahmen; Weidemann auch in seiner Eigenschaft als Klassenlehrer einer fünften Klasse, die Lions-Quest in diesem Jahr kennengelernt hat. In der Pressemitteilung der Schule heißt es, die Alsfelder Lions waren mit ihrem derzeitigen Präsidenten Sascha Klohk, ihrem zukünftigen Präsidenten Heiko Stock und ihrem Zonenchairman im Bereich Alsfeld/Lauterbach/Hünfeld und Fulda, Gerhold Balzer, vertreten.

Mit Beginn des letzten Schuljahres hatte Lions-Quest in den 5. Klassen des Alsfelder Gymnasiums gestartet. Zuvor war aus allen Klassenleitungsteams eine Lehrkraft geschult worden: Zweieinhalb Tage dauerte die Einführung in das Programm, das den Lehrerinnen und Lehrern Methoden an die Hand gibt, um beispielsweise Klassen zusammenzubringen, die in der Fünf neu zusammengesetzt werden, oder um schwierigen Situationen, beispielsweise Aggression oder Ausgrenzung, zu begegnen. Doch auch ohne konkreten Anlass bieten die Maßnahmen, die vor allem in der Klassenlehrerstunde zur Anwendung kommen, viele Möglichkeiten, um Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung ihrer Identität zu unterstützen, das Bewusstsein für fremde und eigene Gefühle zu stärken und Konfliktlösungs- und Kommunikationsfähigkeit zu fördern.

„Im ersten Jahr hat die Albert-Schweitzer-Schule damit sehr gute Erfahrungen gemacht“, sind sich Bolduan und Weidemann einig: „Probleme im Klassenverband können besser gelöst werden, das Klima in der Klasse verbessert sich, die Kinder kommunizieren leichter“, bestätigt Weidemann aus seiner Fünf. „Ich könnte mir daher gut vorstellen, dass wir in jedem Schuljahr eine gewisse Anzahl an Lehrkräften qualifizieren und Lions-Quest sich für alle Altersklassen einsetzen lässt.“ Neben dem Programm für die 10- bis 14-Jährigen, das unter dem Motto „Erwachsen werden“ läuft, gibt es auch das Angebot für die 15- bis 21-Jährigen. „Erwachsen handeln“ heißt es und setzt Schwerpunkte in Identität und emotionaler Bildung. Es fördert Sozialkompetenzen und kritisches Denken, vermittelt das Verständnis von und für Demokratie und Menschenrechte und setzt Lernprozesse durch soziales Engagement in Gang.

„Wir leben heute in einer Welt, in der Klassen aus verschiedenen Gründen viel heterogener sind, als wir das früher kannten. Das ist die eine Herausforderung für Schule und Schüler. Darüber hinaus leiden Kinder und Jugendliche an einem Überangebot, besonders natürlich in den Medien. Sie unterliegen vielen Versuchungen und für sie ist Orientierung durch diese Fülle wirklich schwieriger als für die Generationen vor ihnen“, erläutert Weidemann, der aus diesem Grund die Bedeutung von Lions Quest unterstreicht: Integration, Vertrauen, Zusammenhalt, Selbstbewusstsein – all das mache sich im Schulalltag positiv bemerkbar, bestätigt Weidemann auf Anfrage von Sascha Klohk.

Dieser fügt hinzu, dass die Wirkung von Lions-Quest weit über den schulischen Alltag hinausgeht: „Man merkt, dass Kinder, die mit Lions-Quest-Methoden arbeiten, auch in anderen Umfeldern soziale und kommunikative Kompetenzen zeigen, beispielswese in ihren Vereinen oder Peergruppen.“ Dass das auch schon in früheren Jahren geht, unterstreicht Gerhold Balzer. Seine Enkelkinder konnten bereits die Angebote für jüngere Kinder kennenlernen: „Kindergarten Plus“ und „Klasse 2000“ für Kitas und Grundschulen werden derzeit schon in Homberg/Ohm eingesetzt. Von dieser Warte schätzt Balzer den Erfolg der Programme als sehr gut sichtbar ein.

Für Heiko Stock, den kommenden Präsidenten der Alsfelder Lions, passen Lions-Quest und die Angebote für jüngere Kinder perfekt in das Portfolio des Clubs. „Wir haben durchaus einen Bildungsauftrag und haben es uns mit diesem und vielen weiteren Programmen zum Ziel gesetzt, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem Weg zu unterstützen“, so Stock. „Der Erfolg einer solchen Maßnahme steht und fällt natürlich mit den beteiligten Personen. Dass die Albert-Schweitzer-Schule heute so zufrieden mit den Ergebnissen von Lions-Quest ist, hängt demnach auch mit der hohen Kompetenz und dem Engagement der Lehrkräfte zusammen.“

Aus diesem Grund wäre dem Alsfelder Gymnasium durchaus daran gelegen, das Programm über dieses Schuljahr hinaus fortzusetzen, unterstreicht Schulleiter Bolduan. „Wir würden uns sehr freuen, wenn die Lions dieses Programm auch in diesem Jahr wieder finanziell unterstützen würden“. „Wir könnten im Juni sogar Veranstaltungsort für die geplante Fortbildung sein“, so Weidemann, der die Fortführung ebenso befürwortet. Wie Bolduan hofft auch er, dass diese in Zeiten wie diesen stattfinden kann – und das hängt ja bekanntlich nicht nur mit der Finanzierung zusammen.