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Volles Haus im „Faschings-Stadl“ – Gelungene Mischung aus Bütt, Klamauk und TanzVon Rotlichtbezirken, Schrägen Vögeln und Hormon-Yoga

ALTENBURG (ol). „Servus, Gruezi und Hallo“ hieß es pünktlich um 19.11 Uhr am Samstagabend, als Anneliese und Wolfgang alias Stephanie Ebert und Manuel Spahn den Faschings-Stadl im vollbesetzten Dorfgemeinschaftshaus auf der Altenburg eröffneten – sie sind zwei musikalische Größen in dem Dorf, das auch an diesem Abend wieder mit vielen weiteren Talenten aufwartete und das Publikum vom ersten Moment an begeisterte.

Dafür mitverantwortliche zeichnete auch Bernd Scheuer. Als treuer Gast am Multifunktionsorchester neben der Bühne hatte er schon vor dem eigentlichen Beginn mächtig einheizt und Bewegung in die Menge gebracht. So aus der Pressemitteilung. Während Anneliese mit ihrem unermüdlichen Strahlen und ihrem „Ich frrrrreu‘ mich“ über alle Unbilden mit ihrem nicht immer charmanten Gegenüber hinwegsah, entwickelte sich ein Programm, das nur aus Höhepunkten bestand – für jeden Gast im Publikum war hier etwas dabei, beispielsweise die beiden Garden des ACC, die jeweils zum Beginn der ersten beiden Blöcke für ganz viel Rhythmus und natürlich auch für große Augen sorgten.

Anneliese und Wolfgang alias Stephanie Ebert und Manuel Spahn führten durch den Abend. Alle Fotos: Traudi Schlitt

Denn natürlich waren die Damen der Grünen und der Roten Garde wie immer eine Augenweide, dazu bestachen sie mit ihren kraftvollen Tänzen, schwangen die Beine zu anspruchsvollen Choreographien und forderten beide das Publikum zu einer Rakete – dem höchsten Gefühl des Applaudierens – heraus. Das Schönste allerdings – und das freute nicht nur Moderator Wolfgang: In jeder der Gruppen tanzt ein Altenburger Mädchen – wenn also eingangs von vielen Talenten die Rede war, ist dies ein erster Beweis dafür.

Spooky, Gespenster, Skelette und die Rocky Horror Show

Nach dem ersten rasanten Ballettauftritt eilte im Rahmen seiner Möglichkeiten mit David Tauscher ein Altenburger Faschings-Urgestein in die Bütt. Sein überbordendes Temperament konnte der selbsternannten Verkäufer von Erdmöbeln gerade noch im Zaum halten und berichtete dem Publikum von seinen Erlebnissen in Lauterbach. Dort, wo schräge Vogel das Sagen haben und es in etwa so heimelig ist wie in Sibirien – zumindest dem Vernehmen nach. Mit vielen weiteren Einblicken beschenkte der das Publikum, das er auch an seinem Besuch beim „Püschater“ teilhaben ließ, bevor er sich, so schwungvoll wie er gekommen war, wieder verabschiedete.

Die rote Garde vom ACC bei ihrem Gastauftritt in Altenburg.

Spooky wurde es danach beim Schwarzlicht-Tanz der Castle Hill Girls, die als Gespenster und Skelette in einer wilden Darbietung sogar über die eigens angereisten Ghostbusters triumphierten und auf der Bühne tanzten, dass man im Publikum förmlich die Knochen klappern hörte. Dabei bestachen sie auch durch ihre Liedauswahl, so durfte natürlich der Time Warp aus der Rocky Horror Show hier nicht fehlen. Diese und auch alle anderen Nummern unterstrichen nicht nur das kreative Potenzial auf der Altenburg, sondern sie zeigten auch, wieviel Spaß es den Akteurinnen und Akteuren macht, sich gemeinsam etwas auszudenken, vorzubereiten und darzubieten – sei es Tanz, Büttenrede oder der größte Quatsch, von dem es später noch einiges zu sehen geben sollte.

Ebenfalls in jedem Jahr auf der Altenburger Bühne ist Adele Placht, die mit ihrem launigen Lied auf das Rentenalter einstimmte. Davon noch weit entfernt sind die Damen der Roten Garde, gefolgt von einer vermeintlich neuen Nummer im Altenburger Programm. Hinter den Künstlern „Emil und Berti“ verbargen sich dann aber doch die Fantastischen Vier, die überraschenderweise noch am vergangenen Montag wieder zusammengefunden hatten.

Heinz and Friends liefen Udo Jürgens wieder auferstehen.

Zum Glück für die Feiergemeinde in Altenburg, ließen sie ihre Gäste doch an ihrer Hormon-Yoga-Stunde teilhaben: Verdauungsfördernd und dünndarmmassierend seien die zugegebenermaßen komplexen Übungen, versprach die Stimme aus dem Off, und die Darbietung der begnadeten Körper in hochmodischem Yoga-Outfit verhieß zudem noch Energie vom Kronen- bis zum Wurzelchakra. Wie gut, dass die Hormon-Yoga-Gruppe für neue Mitglieder offen ist: Jeden Mittwoch um 21 Uhr werfen die Herren im Rosigen Garten auf der Altenburg ihre Matten aus – neue Yogis sind willkommen.

Bürgermeister Paule lief in Bütt zur Hochform auf

Kaum hatte sich das Publikum von diesem spirituellen Input erholt, wartete ein weiterer Höhepunkt auf die Gäste: Heinz and Friends ließen in diesem Jahr Udo Jürgens – dargestellt mit leicht veränderter Figur und Frisur von Stephan Paule – wiederauferstehen und labten sich zu seinen Klängen an Schwarzwälder Torte und Sahnebaiser, kredenzt von einer beflissenen Kaffeehausdame, die natürlich einen Riesenschüssel Schlagsahne am Start hatte. Griechischen Wein gab es gewissermaßen zum Nachtisch, bis die Blumen flogen und die Udo-Jürgens-Gedächtnis-Truppe sich in weißen Bademänteln dafür bedankte.

Einen weiteren Auftritt auf der Altenburg absolvierte Bürgermeister Stephan Paule natürlich in der Bütt. Hier läuft er alljährlich zur Hochform auf, und auch in diesem Jahr ließ er das Publikum wieder an Geheimem und Offensichtlichem aus der Verwaltung teilhaben – aus gegebenem Anlass in Gestalt des Craislfelder Bürgermeisters Louis Ziffer und zum Thema Hackerangriff, der sich dem Vernehmen nach auf dem langen Weg durch die Verwaltung, den der Antrag auf Lösegeld in fünffacher Ausfertigung vom Erpresser über das Landratsamt bis hin zur persönlichen Abgabe im selten geöffneten Weinhaus gehen muss, verloren hat.

Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule lief bei seiner Büttenrede zur Hochform auf.

In Sachen Klimaschutz setzte sich der Rathauschef vehement für die zu Unrecht als „Umwelt-Sau“ verschrienen Omas ein und rückte – zumindest verbal – dem Lkw-Verkehr in der Stadt zu Leibe. Er berichtete den teils doch überraschten Zuhörern von einem horizontalen Etablissement in Liederbach, wo sich schließlich doch eine Verkehrsberuhigung durchgesetzt hat, nicht ohne die dortige Örtlichkeit als Location für die Erwachsenenversion der „Wolf-Gäng“, nämlich „Wolf-Gangbang“ vorzuschlagen. Er hatte damit natürlich die Lacher auf seiner Seite und erntete stehenden Applaus für diese und andere guten Anregungen.

Neuer Act mit außerordentlicher Playback-Show

Als neuer Act im Altenburger Showprogramm präsentierten sich mit Two and half Men drei überaus ansehnliche, sportliche und dazu noch sehr gut aufgelegte junge Männer, die eine ganz außerordentlichen Playback-Show zeigten, eine Choreographie der besonderen Art, ein veritabler Quatsch, der für wahnsinnig viel gute Laune sorgte. Nicht alles war jugendfrei, doch als die Eiskönigin samt Schneemann auf der Faschingsbühne ihre Kreise zog und dabei ganz einfach mal die Schwerkraft außen vor ließ, da bebte der Saal und forderte die Jungs zu mehreren Zugaben auf.

Der Auftritt des Lappearsch läutete dann wie gewohnt schon fast das Ende der Veranstaltung ein.

Der Auftritt des Lappearsch läutete dann wie gewohnt schon fast das Ende der Veranstaltung ein. Doch noch einmal spitzten an dieser Stelle die Gäste die Ohren für den Altenburger Chronisten der Peinlichkeiten, der von Menschen wie du und ich berichtete, die aus widrigen Umständen heraus mittel- und handylos in osteuropäischen Gefängnissen landen, in Negligés von Dächern gerettet werden müssen oder ihren Kindern die Bobbycars unter den Allerwertesten entwenden. Fahruntüchtige Bestatter, promintente Brauererei-Einbrecher, schiffbrüchige Urlauber oder fehlgeleitete Trauercafé-Besucher – sie alle konnten sich in den Aufzählungen des Lappearsch wiederfinden und hoffen, dass sie im kommenden Jahr verschont bleiben.

Mit geballter Manneskraft ging auch in diesem Jahr wieder die fünfstündige Veranstaltung auf der Altenburg zu Ende: Das Männerballett bereitete sich mit SVA-Präsi auf das bevorstehende 100-jährige Jubiläum vor und freute sich auf keine Geringer als Helene Fischer, die ihr Kommen zugesagt hatte, dann aber ohne Fahrer am Rosengarten stand, wo sie doch auf den Schlossberg musste. Dort wienerten und putzten die tapferen Tänzer im Takt und wäre nicht Lotze Volker mit seinem Traktor erschienen, um Resi, äh Helene, damit abzuholen, so wäre den Männern vom Ballett und dem Publikum in Altenburg der spektakuläre Auftritt der gutgebauten Blondine entgangen.

Zum Glück kam es anders und das Programm fand „Atemlos“ sein Ende. Der Partyabend auf der Altenburg aber ging atemlos weiter: Hier wurde getanzt bis in die Morgenstunden – fast, bis die ersten Helfer schon wieder zum Aufräumen kamen, denn am Sonntagnachmittag musste die Narhalla wieder schön sein: Die Kinder und ihr Gefolge wurden erwartet. Fasching ist schließlich nur einmal im Jahr.

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