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Zusammenarbeit statt Dauerstreit: Klima- und Umweltaktivisten übergeben "Impulse für Alsfeld"Klimaforderungen an Alsfelder Bürgermeister übergeben

ALSFELD (tsz). „Rettet die Menschheit“, „autofreie Innenstadt“ und „weniger Plastik“: Beim Klimastreik am Alsfelder Marktplatz sammelten Umweltschützer Forderungen und Impulse für eine umwelt- und klimabewusstere Politik, auch hier vor Ort. Diese Forderungen wurden nun an Alsfelder Bürgermeister Stephan Paule übergeben.

Über 100 Teilnehmer demonstrierten in der vergangenen Woche auf dem Alsfelder Marktplatz für mehr Klima- und Umweltschutz. Im Zuge der Demonstration wurden außerdem Forderungen und Impulse gesammelt, wie man das Leben insgesamt und auch konkret in der Stadt Alsfeld, nachhaltiger gestalten könnte. Daraus haben die Klima- und Umweltschützer ein Plakat zusammengestellt.

Kein Plastik mehr bei Alsfelder Festen

„Das sind auch thematisch alle Forderungen, die genannt wurden. Wir wollten da nichts auslassen“, erklärte Yvonne Jordan, die beim letzten Streik auch als Rednerin auftrat. Zusammen mit Philipp Balles vom BUND Vogelsberg und den Schülerinnen Salome Kluth, Nabaa Al-Asadil und Cecile Bamberger übergab sie dem Stadtoberhaupt Stephan Paule die „Impulse für Alsfeld“. Und die sind vielfältig: Von abstrakten Forderungen wie „Rettet die Menschheit“ bis hin zu konkreteren Vorschlägen wie „Ausbau der Fahrradwege“. „Wir wissen natürlich, dass sowas wie ‚Rettet die Menschheit‘ sehr hoch gegriffen ist, wir wollen für einen ersten Schritt erstmal etwas konkreteres ansprechen“, erzählt Jordan.

Und der erste Impuls, den die Klimaschützer an Paule richten, ist die Abschaffung von Plastikgeschirr bei städtischen Festen, wie zum Beispiel dem Stadtfest oder dem Weihnachtsmarkt. Als funktionierendes Beispiel bringen sie die Stadt Fulda zur Sprache, die ein Plastikverbot für den Weihnachtsmarkt bereits eingeführt habe. „Wir haben seit Jahren eingeführt, dass es seitens der Stadt Glastassen für die Heißgetränke gibt, die auch zu nutzen sind, was auch Teil der Zulassungsbedingung der Standbetreiber ist“, beschreibt Paule den aktuelle Situation.

Geschrieben, gesammelt, geklebt: Die Forderungen vom Klimastreik in Alsfeld.


Dennoch wünscht sich Jordan, dass man diesen „kleinen, netten Anfang“ weiter und deutlich konsequenter verfolge. Für Paule müsse man an dieser Stelle jedoch aufpassen, dass die Auflagen für den Weihnachtsmarkt nicht zu strikt werden, um die Aussteller nicht abzuschrecken. „Was Fulda kann, dass kann Alsfeld schon lange“, kommentiert er aber am Ende die Forderung, die er in die städtischen Diskussionen mit einbringen möchte.

Mehr Radwege und angepassteren ÖPNV

Ein weiterer und auch der wohl größte Punkt bei den Forderungen: Der öffentliche Nahverkehr und der Radverkehr in der Stadt Alsfeld. Gerade beim Radverkehr wünscht man sich eine Attraktivierung durch ein Konzept, dass auch die Sicherheit der Radfahrer fördert. „Satzung Fulda und Radwegekonzept, das sind Dinge, die liegen hier in der Schublade“, sagte Philipp Balles und unterstreicht damit nochmal die Lenkungsmöglichkeiten der politischen Gremien vor Ort.

Doch auch im ÖPNV wünscht man sich Verbesserungen, um den Individualverkehr umweltbewusster zu gestalten. So ist eine der Forderungen auf dem Plakat ganz konkret der kostenlose ÖPNV, sowie die bessere Vernetzung der Stadtteile untereinander und mit der Kernstadt. „Wir denken beim ÖPNV viel zu oft nur an den Schulverkehr. Jetzt gibt es aber noch mehr, zum Beispiel Familienväter, Arbeitnehmer oder Rentner“, kritisiert Balles den öffentlichen Nahverkehr und hofft sich in Zukunft Besserung.

Die Klimaaktivsten zusammen mit dem Bürgermeister Stephan Paule.

Im Punkt des ÖPNV vertritt Paule jedoch eine etwas gegensätzlichere Meinung: „Selbst man alle Autos da verbieten würde und nur alles mit Bussen bedienen würde, dann hätte wir da nur leere Busse, weil es einfach so wenige Menschen sind“, erklärt er seine Sicht zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in den Ortsteilen.


Der Streitbegriff Klimanotstand

Was zuletzt noch für Kontroverse sorgte war eine Unterschriftensammlung der Schülerin Nabaa Al-Asadil. Die hatte an ihrer Schule Unterschriften für die Ausrufung des Klimanotstandes der Stadt Alsfeld gesammelt. „Ich war nicht lange unterwegs, vielleicht eine halbe Stunde bisher, und es haben schon über 50 Leute unterschrieben. Ich finde das zeigt: Es wollen Menschen was verändern“, erklärt sie dem Bürgermeister und möchte auch weiterhin Unterschriften sammeln. In den Augen des Bürgermeisters ist der Klimanotstand jedoch nicht der richtige Weg für den Umweltschutz. „Ich halte das nicht für den richtigen Weg, etwas zu tun. Konkrete Aktionen ja, plakatives Ausrufen nein“, argumentiert er. Für ihn gehe mit der Konsequenz, alles mit einem stärkeren Fokus auf das Klima abstimmen zu müssen, auch die Gefahr einher, das „große Ganze“ aus dem Auge zu verlieren.

„Das wollen wir aber gar nicht: Wir wollen die ökologische und die soziale Frage miteinander vereinen“, kommentiert Yvonne Jordan die Ausführungen Paules. Trotz einiger Meinungsverschiedenheiten hofft man allerdings, dass man in der Zukunft miteinander und nicht gegeneinander arbeiten kann. „Deswegen sind wir hier her gekommen, um die Hand zu reichen und gemeinsam an der Zukunft zu arbeiten“, erklärte Jordan.