
Erklärstück: Was es mit Legionellen auf sich hatLegionellen-Fund im Kühlturm der Alsfelder Kamax
ALSFELD (akr/ls). In der Firma Kamax am Standort Alsfeld kam es vor etwa einer Woche zu einer biologischen Gefährdung durch Legionellen in einem Kühlturm. Während einer Routineuntersuchung stellte man eine „Überschreitung des Maßnahmenwertes“ fest, heißt es in auf einem Info-Blatt für die Mitarbeiter. Darauf stand auch geschrieben, dass die Mitarbeiter den Bereich um die Kühltürme der Firma vorsorglich meiden sollen. Legionellen können Menschen nämlich krank machen. Doch was sind Legionellen überhaupt? Wie werden sie übertragen und wie kann man sich schützen? Und was sagt eigentlich das Unternehmen dazu? Oberhessen-live beantwortet die wichtigsten Fragen.
Mitarbeiterinformation: „Biologische Gefährdung durch Kühltürme“ stand auf dem Zettel, der am 22. August beim Unternehmen Kamax am Standort in Alsfeld aufgehängt wurde. Während einer Routineuntersuchung Mitte August stellte man nämlich bei dem Schraubenhersteller einen erhöhten Wert an Legionellen fest. „Kamax hat diese Werte unverzüglich den Behörden mitgeteilt und als Sofortmaßnahme das Wasser der Anlagen ausgetauscht. Zusätzlich haben wir das neue Wasser in der Anlage mit Desinfektionsmittel versehen. Es erfolgt zur Sicherheit täglich eine Nachbehandlung des Nutzwassers mit Desinfektionsmittel, um das Problem nachhaltig zu lösen“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens.
Die Werksleitung habe unmittelbar nach dem Erhalt der Ergebnisse die Mitarbeiter informiert und dazu aufgefordert, den abgesperrten Bereich der Kühltürme nicht zu betreten. „Erkrankungen von Mitarbeitern oder Personen im Umfeld des Werkes durch Legionellen sind uns nicht bekannt“, schreibt das Unternehmen. Kamax lege großen Wert auf die Gesundheit seiner Mitarbeiter und werde auch weiterhin alles dafür tun, um ein sicheres Arbeitsumfeld zu gewährleisten.
Doch was sind Legionellen überhaupt? Wie gefährlich sind sie? Wie werden sie verbreitet und wie kann man sich davor schützen? Oberhessen-live hat beim Regierungspräsidium in Gießen nachgefragt und beantwortet die wichtigsten Fragen.
Was sind Legionellen?
Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise im Süßwasser vorkommen und in der Regel ungefährlich sind. Bedenklich werden sie nur, wenn sie sich unter bestimmten Bedingungen dort stark vermehren können. Ihr Name geht auf Erkrankungsfälle ehemaliger Legionäre bei einem Veteranentreffen in einem Hotel in Philadelphia 1976 zurück. Legionellen haben bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad bei stehendem Wasser ideale Bedingungen zur Vermehrung. Bei höheren Temperaturen vermehren sie sich nicht mehr und bei Wassertemperaturen ab 60 Grad sterben sie ab.

So sehen die Bakterien unter dem Mikroskop aus. Foto: Public Health Image Library/gemeinfrei
Wie werden Legionellen übertragen?
Über das Einatmen sehr stark legionellenbelasteter Aerosole (feinstverteilte oder zerstäubte Wassertröpfchen in der Luft, die sich beispielsweise beim Duschen in Form von Wassernebel bilden) gelangen die Bakterien in die Lunge und können dort zu lebensgefährlichen Entzündungen führen. Eine Infektion durch Trinken legionellenhaltigen Wassers kann weitgehend ausgeschlossen werden. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bisher nicht beobachtet.
Neben Kühltürmen können auch belastete Klimaanlagen oder Duschen mit genügend Bakterien darin Krankheiten auslösen.
Wie weit verbreiten sich solche Bakterien – sprich in welchem Umkreis?
Da Legionellen durch das Einatmen belasteter Aerosole (zum Beispiel Rauch/Nebel) in die Lunge gelangen, besteht in den Bereichen eine Gefährdung, in denen mit einer Aerosolbildung zu rechnen ist. Heißt im Klartext: Die Bakterien sind nur in der Region gefährlich, in der das zerstäubte Wasser eingeatmet werden kann.
Was ist zu tun, sollte bei einem Unternehmen in einem Kühlturm beispielsweise Legionellen ausbrechen?
Wird bei einer der regelmäßigen Laboruntersuchungen festgestellt, dass die Prüfwerte überschritten sind, ist umgehend eine Nachuntersuchung zu veranlassen. Außerdem müssen zunächst Sofortmaßnahmen zur Verminderung der mikrobiellen Belastung ergriffen werden. Das geschieht in der Regel durch die Zugabe eines geeigneten Biozids, wodurch die im Nutzwasserkreislauf vorhandenen Organismen abgetötet werden sollen.
Wird die Überschreitung des Wertes durch das Ergebnis der Nachuntersuchung bestätigt, sind zusätzliche Schritte nötig. So können belastete Anlagen zum Beispiel stillgelegt werden.
Was gilt es in Sachen Arbeitsschutz zu beachten?
Verantwortlich für die Gesundheit der auf dem Betriebsgelände beschäftigten Arbeitnehmer oder den mit der Wartung und Instandhaltung von Kühlanlagen betrauten Arbeitnehmern ist immer der Arbeitgeber. Er hat dafür zu sorgen, das den Arbeitnehmern hygienisch einwandfreie Atemluft zur Verfügung steht.
Hierzu hat der Arbeitgeber Gefährdungsbeurteilungen anzufertigen und die für die legionellenfreie Atemluft der Beschäftigten notwendigen Maßnahmen zu beschreiben, durchzuführen und zu überwachen.
Im Bereich Arbeitsschutz geht eine Meldung ein, wenn Überschreitungen festgestellt wurden. Daraufhin werden die Maßnahmen des Betriebes überprüft. Sämtliche getroffene Maßnahmen müssen zudem in einem Betriebstagebuch dokumentiert werden.
Welche Maßnahmen gibt es, um einen bedenklichen Ausbruch von Legionellen zu verhindern?
Regelmäßige Kontrollen durch Proben – so wie sie auch bei der Kamax gesetzlich vorgeschrieben und erfolgt sind, regelmäßige Instandhaltung und Reinigung sowie den „Stillstand“ von Wasser vermeiden sind unter anderem Mittel, die für Sicherheit sorgen können.
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