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Alsfelder Konzertchor und Alsfelder Kammerorchester boten gemeinsam zwei stimmungsvolle SommerkonzerteAuf die „feine englische Art“

ALSFELD (ol). „Warum immer das Publikum nach Alsfeld kommen lassen?“, fragte man sich bei der Alsfelder Kulturgemeinde und kam diesmal mit Kammerorchester und Konzertchor den Konzertbesuchern quasi entgegen, was vom Publikum auch gerne angenommen wurde: die Konzerte in den evangelischen Gotteshäusern von Grebenau und Romrod lockten nämlich ungeachtet der sommerlichen Wetterlage viele Menschen in die Kirchen.



Jeder und jede Musikbegeisterte – Senioren wie jüngere Menschen, viele Familien auch mit Kindern – fanden einen Platz und wurden, so aus der Pressemitteilung, durch reichlich Wohlklänge belohnt. Denn das Sommerkonzertprogramm kam ebenso wie die Aufführungsortswahl absolut integrativ daher: Zum Motto „The Sound of Britain“ boten die Alsfelder Ensembles unter Leitung von Thomas Walter nämlich Musik aus England für Chor und Orchester, angefangen von Madrigalen über Traditionals bis hin zu den „Gassenhauern“ unter den patriotischen britischen Hymnen der „Night of the Proms“.

Der rote Faden, die Herkunft von Komponisten und Liedern aus Großbritanien, hatte dabei – durchaus gewollt – das kleine politische Moment des musischen Protestes gegen den drohenden Brexit, wie es die beiden Moderatorinnen aus dem Chorensemble immer wieder in ihren Zwischentexten anklingen ließen.

Vor allem aber war es einfach schöne Musik, die geboten wurde. Zum Auftakt nutzte das Kammerorchester eine frühe Migrationsgeschichte und machte Georg Friedrich Händel zum (Wahl-)Briten,  indem es die Ouvertüre der in London geschriebenen Oper „Rinaldo“ virtuos zur Aufführung brachte. Es folgten vier Madrigale – feine englische Renaissance-Lieder, von denen vor allem das sehr schnelle „Fyer, Fyer“ von Thomas Morley und das getragene „Weep o mine eyes“ von John Bennett – beides Songs über die Seelenqualen der Liebe – direkt hintereinander dargeboten beim Publikum zu Verzückung und zugleich atemloser Spannung führte.

Von den Traditionals klang den Zuhörern wahrscheinlich vor allem das durch Cat Stevens berühmt gewordene „Morning has broken“ nach, aber auch das „Should auld acquaintance“ – „Nehmt Abschied, Brüder…“ sorgte für andächtiges Zuhören und großen Applaus.

Ein bunter Mix des „Sound of Britain“

Das Kammerorchester sorgte mit Songs aus dem Musical „Cats“ für weitere mitreißende Melodien, ebenso nahm der Chor nochmals die Zuhörer mit den harmonischen Klängen vom zeitgenössischen Komponisten John Rutter mit auf eine Gedankenreise: Die zwei Dankes-Oden an die Schönheit der Schöpfung waren durchaus geeignet, für Entrückung und Kopfkino mit schönen, harmonischen Bildern von Natur und Sonnenaufgängen zu sorgen. Den Chor begleitete hierbei Walter Windisch-Laube einfühlsam am Klavier.

Zum Abschluss und Höhepunkt kamen dann Orchester – ergänzt durch eine Bläsergruppe und Pauken – sowie Chor gemeinsam auf die Bühne: „Land of Hope and Glory“ von Edward Elgar, „Rule Britannia“ von Thomas Augustine Arne sowie „Jerusalem“ von Hubert Parry sind die Schlussakkorde auch jeder „Night of the Proms“ – jener populärer Konzerte für „Klassik-Laien“, die sich bereits seit dem 19. Jahrhundert in England großer Beliebtheit erfreuen, und die immer in einem patriotischen Festgesang enden.

Zwar setzte der Alsfelder Konzertchor in Grebenau und Romrod nach diesem musikalischen Gaudi – der Sopran-Solopart beim „Rule Britannia“ glockenklar gesungen von drei Chormitgliedern – dann noch mit Rutters „The Lord bless you and keep you“ einen den Kirchenräumen angemessen  Schlusspunkt, doch insgesamt bleibt dem Publikum sicher der gesamte bunte Mix des „Sound of Britain“ in der Erinnerung, und so mancher hoffte bereits beim Herausströmen aus den Kirchenräumen in die Abendsonne, das dies keineswegs „The very last Night of the Proms“ gewesen sein mag.

Ein Gedanke zu “Auf die „feine englische Art“

  1. Schade, dass ich nicht alles genießen konnte, aber 2/3 des Programm war hervorragende Werbung für den Konzertchor und das Kammerorchster, sowie die Musik überhaupt.
    Danke an alle.

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