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Polizeipräsident Günther Voß glücklich über die Zahlen der Verkehrsunfallstatistik 2018„Gesamtunfallzahlen seit 2014 erstmals wieder rückläufig“

VOGELSBERG (ol). Alle 47 Minuten wurde in Osthessen ein Verkehrsunfall polizeilich registriert. Alle dreieinhalb Stunden wurde ein Mensch leicht oder schwer verletzt und alle 24 Tage starb eine Person in einem Auto. Dennoch: Die Gesamtunfallzahlen sind seit 2014 erstmals wieder rückläufig. Das und vieles mehr erklärte Polizeipräsident Günther Voß auf der Pressekonferenz zur Verkehrsunfallstatistik 2018.


Mit einer Zahl von 11.213 Gesamtverkehrsunfällen sind die Fallzahlen in Osthessen erstmals seit dem Jahr 2014 wieder rückläufig. Damit konnte der Negativtrend der letzten Jahre, der im Vorjahr mit 11.899 seinen bisherigen Höchststand erreicht hatte, beendet und die Zahl der Gesamtunfälle um 686 verringert werden. Die von der Polizei Osthessen aufgenommenen Verkehrsunfälle stellen einen Anteil von 7,6 Prozent der Landeszahlen (146.941) dar.

Auch die Anzahl der Unfälle bei denen mindestens eine Person getötet wurde, sank im Jahr 2018 erfreulicherweise von 26 auf 23. Leider stieg die Zahl der Getöteten von 2017 um eine Person auf 27 im Jahr 2018 an. Im Vogelsbergkreis sank diese allerdings von 10 auf 4 Personen. Die Zahl der Schwerverletzten wuchs um 66 zum Vorjahr auf 678 Personen an, verbleibt damit aber noch unter dem Niveau von 2016 (599) Personen. Auf den Kreis bezogen allerdings stieg die Zahl der Schwerverletzten von 123 auf 126 Personen. Außerdem wurde nun bereits das fünfte Jahr in Folge kein Kind bei einem Unfall getötet.

„Verkehrsunfälle, bei denen Menschen verletzt oder gar zu Tode kommen, führen neben der akuten oft schrecklichen Situation nicht selten zur Spätfolgen oder bleibenden traumatischen Störungen“, gab Polizeipräsident Günther Voß zu bedenken. Mit Verkehrskontrollen und Unfallbekämpfungskonzepten arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Polizeipräsidiums Osthessen tagtäglich daran Unfallursachen zu bekämpfen und Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer im Hinblick auf Gefahren im Straßenverkehr aufzuklären. „Dabei sind die Analyse der Ursachen von Verkehrsunfällen, Verkehrskontrollen aber auch vor allem zielgruppenorientierte Präventionsmaßnahmen gleichermaßen von Bedeutung“, so der Polizeipräsident.

„Senioren auf Zack“ zeigt Wirkung

Die demographische Entwicklung zeigt, dass gerade der Anteil von Menschen an der Gesamtbevölkerung in Osthessen im Alter von 65 Jahren und darüber ständig steigt. Inzwischen gehört annähernd jeder vierte Mensch dieser Altersgruppe an. Ältere Menschen bleiben länger fit und mobil, viele nehmen selbst im hohen Alter noch aktiv am Straßenverkehr teil. Entsprechend ist die Zahl der Unfälle unter Beteiligung der Generation 65+ in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. Wurden im Jahr 2014 noch 1.705 regestriert, waren es im Jahr 2017 bereits 1.950. Dies entspricht einem Anstieg um 12,6 Prozent. Der Bevölkerungsanteil dieser Altersgruppe ist hingegen im gleichen Zeitraum nur um 0,7 Prozent angestiegen.

Mit der Kampagne „Senioren auf Zack“ hat sich das Polizeipräsidium Osthessen im vergangenen Jahr auch auf dem Themenschwerpunkt Verkehrsprävention für die „Generation 65+“ gewidmet.

Beginnend im Mai 2018 wurde zielgruppengerecht bei sechs Großveranstaltungen zu Themen der Kriminal- und Verkehrsprävention informiert und sensibilisiert. „Ziel unserer Kampagne ist es, Straftaten und Verkehrsunfälle zu reduzieren“, sagte Voß und ergänzt: „Wir wollen insbesondere ältere Menschen Tipps und Ratschläge geben, wie sie auch noch im hohen Alter bei größtmöglicher Verkehrssicherheit verantwortungsvoll mobil und unabhängig sein können“. Mit Erfolg: Die Zahl der Verkehrsunfälle ist im Jahr 2018 mit 1.940 erstmals seit Jahren wieder rückläufig.

Weniger getötete und verletzte Personen wegen nicht angepasster Geschwindigkeit seit 2014

Im Vergleich zum Jahr 2017 haben sich deutlich weniger Unfälle aufgrund von nicht angepasster Geschwindigkeit ereignet. Die Gesamtzahl von 853 Unfällen im Jahr 2018 bedeutet nicht nur einen Rückgang um 239 Fälle, sondern auch den tiefsten Stand an Fallzahlen seit 2014 in Osthessen. Dennoch bleibe überhöhte Geschwindigkeit auch im Jahr 2018 die Hauptursache bei Verkehrsunfällen mit getöteten oder schwerverletzten Personen. Fast jeder 13. Unfall (7,6 Prozent) ist auf zu schnelles Fahren zurückzuführen.

Sogar jeder vierte Verkehrsunfall mit Toten, Leicht- oder Schwerverletzten wurde auf Grund nicht angepasster Geschwindigkeit oder in Kombination mit anderen Ursachen verursacht. Sechs Menschen verloren im Jahr 2018 durch zu schnelles Fahren ihr Leben. Dies sind zwei Tote weniger als noch im Vorjahr. Auch der Anteil der Verunglückten war rückläufig. So ging die Zahl der Schwerverletzten von 166 auf 143 zurück. Bei den Leichtverletzten konnte sogar ein Rückgang von 367 auf 320 Menschen verzeichnet werden.

Moderne Technik zur Geschwindigkeitsüberwachung

Trotz der rückläufigen Fallzahlen sei keineswegs Entwarnung zu geben. Je höher die Geschwindigkeit, desto wahrscheinlicher ist der Eintritt einer schweren Unfallfolge. Deshalb sei der Bereich der Geschwindigkeitsüberwachung auch weiterhin ein Schwerpunkt der polizeilichen Maßnahmen zur Senkung der Unfallzahlen in Osthessen.

Dabei setzt die Hessische Landesregierung bei der Ausstattung der hessischen Polizei verstärkt auf moderne und intelligente Technik. Mit dem Geschwindigkeitsmessanhänger verfügt das Polizeipräsidium Osthessen bereits seit März 2017 über eine mobile Geschwindigkeitsmessanlage, die auf einem Pkw-Anhänger installiert und wie eine stationäre Messeinrichtung betrieben wird.

Geschwindigkeitsmessanhänger, sogenannt „Enforcement Trailer“ Foto: lme

Darüber hinaus steht dem Polizeipräsidium Osthessen zur Geschwindigkeitsüberwachung in der Hauptsache von motorisierten Zweirädern seit Juli 2018 eine Motorrad-Videostreife, die sogenannten „Videostreife-Krad“, zur Verfügung. Die Motorräder sind mit moderner Mess- und Aufnahmetechnik ausgestattet. Der Einsatz dieser Mottoräder dient der Überwachung und Dokumentation gefährlicher Fahrmanöver sowie der Geschwindigkeitsüberwachungen.

„Videostreifen-Krad“ Foto: lme

Zudem sind seit Januar 2019 im Bereich des Polizeipräsidiums Osthessen sechs sogenannte Videostreifen – mit spezieller Videotechnik ausgestattete Streifenwagen – auf den Autobahnen unterwegs, die hauptsächlich dazu dienen sollen Rettungsgassenverstöße zu erkennen und sonstiges gefährliches Fahrverhalten von Verkehrsteilnehmern zu überwachen.

Einfluss von berauschenden Mitteln im Straßenverkehr nimmt zu

„Wer sich berauscht ans Steuer setzt, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern vor allem seine Mitmenschen“, erklärte Polizeipräsident Günther Voß.

Die Zahl der Verkehrsunfälle unter dem Einfluss von Alkohol und/oder anderen berauschenden Mitteln betrug im Jahr 2018 insgesamt 254. Das sind neun Verkehrsunfälle mehr als im Jahr 2017. 94 dieser Unfälle hatten einen Personenschaden zur Folge. Drei Menschen kamen dabei sogar ums Leben. Auch die Anzahl der Schwerverletzten stieg um sieben auf 45 Personen zum Vorjahr an. Bei den Leichtverletzten konnte hingegen ein Rückgang um zwei auf 78 Personen verzeichnet werden.

Immer wieder fallen den Polizistinnen und Polizisten Fahrerinnen und Fahrer auf, die unter Alkohol und/oder Drogeneinfluss mit Kraftfahrzeugen unterwegs sind. Im Jahr 2018 wurden allein 795 Fälle sogenannter folgenlosen Trunkenheitsfahrten registriert. Im Vogelsberg stiegen die Zahlen ebenfalls, 48 Unfälle mit Einfluss und/ oder anderen berauschenden Mitteln wurden registriert. Im Vorjahr waren es 45 Unfälle. Folgenlose Fahrten wurden im Jahr 2018 insgesamt 138 registriert, somit stieg die Zahl um 7 zum Vorjahr.

Rückgang bei Verkehrsunfallfluchten

Gute Nachrichten hatte Nadja Döring, da die Anzahl der Verkehrsunfallfälle, bei denen sich mindestens ein Unfallbeteiligter unerlaubt vom Unfallort entfernte, sank im Jahr 2018 von 2.465 im Jahr 2017 auf 2.295 Fälle. Auch im Vogelsberg sind die Zahlen erfreulich, die Fälle sanken um 38 auf 474. In 108 Fällen wurde in Osthessen mindestens eine Person verletzt, davon 22 im Vogelsberg. Das sind elf Menschen weniger als noch im Vorjahr. Voß erklärte, die Aufklärungsquote liegt bei 40 Prozent.

Neben der guten Ermittlungsarbeit der Polizei, leisten hier vor allem aufmerksame Zeuginnen und Zeugen einen wichtigen Beitrag zur Ermittlung von Unfallflüchtlingen, erklärte Voß. Statistisch gesehen müsse fast jeder zweite unfallflüchtige Fahrer damit rechnen, dass er zur Verantwortung gezogen wird. Neben der Schadensregulierung erwartet die Täter ein Strafverfahren und damit zum Teil empfindliche Geld- oder Freiheitsstrafen sowie Führerscheinentzug.

Wildunfälle rückläufig

Die Anzahl der Wildunfälle in Osthessen sank im Jahr 2018 nach dem Hochstand in Osthessen um 218 auf 2.887. Glücklicherweise kommen bei derartigen Unfällen nur sehr selten Menschen zu Schaden, insgesamt waren es zwei Schwerverletzte und 26 Leichtverletzte. in 97 Prozent der Fälle blieb es bei Sachschäden. Auch im Vogelsberg sank die Zahl der Wildunfälle, von 1.109 im Jahr 2017 auf 1.075 im Jahr 2018. Jedoch waren es im Jahr 2014, 777 Wildunfälle im Vogelsberg.