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„Ein Hallelujah auf die 80er“ – musikalische Zeitreise des Evangelischen Posaunenchors GrebenauMix aus Pop, Film und Bach

GREBENAU (ol). Eine Zeitreise in die 80er-Jahre – darauf hatten am vergangenen Samstagabend viele Menschen Lust: Mehr als 500 Gäste waren der Einladung des Evangelischen Posaunenchors Grebenau unter der Leitung von Klaus Kalbfleisch in die Evangelische Kirche nach Grebenau gefolgt, um ein zweistündiges hochwertiges wie abwechslungsreiches musikalisches Programm zu erleben. „Ein Hallelujah auf die 80er“ hatte die Bläserinnen und Bläser ihr Angebot genannt – ein erster Hinweis darauf, dass neben den bekanntesten Pop- und Filmmusiken dieser Zeit auch Raum für geistliche Stücke war.

Man durfte also gespannt sein und wurde gleich beim ersten Stück mitgerissen vom Powersound der Serie „The A-Team“, um die von 1983 bis 1987 kaum ein Fernsehzuschauer herumkam. Verstärkung hatte sich der Posaunenchor sowohl von einigen Gastmusikern aus den umliegenden Orten geholt als auch von einem starken Percussion- und Rhythmus-Team, und gemeinsam erfüllten sie das Kirchenschiff mit energiegeladenem Pop. Weiter heißt es in der Pressemitteilung des Dekanats, Fotos unterstützten die Reise in die Vergangenheit, die von den Mitwirkenden gemeinsam moderiert wurde.

Sie hatten viel Wissenswertes und zahlreiche Anekdoten rund um die ausgewählten Stücke gesammelt – so auch zum zweiten Stück des Abends, „Karma Chameleon“ von Culture Club, mit dem die bunte Truppe rund um Boy Goerge bereits vor 35 Jahren um Akzeptanz, Respekt und Nächstenliebe warb.

Gewaltig, spielfreudig, gut drauf: Der Evangelische Posaunenchor Grebenau und seine Gäste unter der Leitung von Klaus Kalbfleisch. Alle Fotos: Traudi Schlitt

Wie sich als nächstes Stück „Over the Rainbow“ aus dem Jahr 1938 in das Programm geschlichen hatte, weiß man nicht. Genossen hat das Publikum dieses Stück aus dem „Zauberer von Oz“ dennoch, zeigte es doch eine weitere Facette der musikalischen Bandbreite des Posaunenchors, der viele Monate für dieses Konzert geprobt hatte.


Für das gute Zusammenspiel der Musikerinnen und Musiker zeichnete übrigens nicht allein Chorleiter Klaus Kalbfleisch verantwortlich, sondern auch der Trompeter Peter Kostenis, der in akribischer Fleißarbeit die Arrangements für den Posaunenchor geschrieben hatte und an diesem Abend sicher noch ein bisschen mehr mitfieberte als seine Bläserkollegen.

Stolz auf die gemeinsame Leistung zeigte sich Posaunenchorleiter Klaus Kalbfleisch.

Popgeschäft, in dem es kirchlich zugeht

In die 80er-Jahre eines ganz anderen Jahrhunderts entführten Jenny Kalbfleisch und Lukas Ruckelshausen das Auditorium. Bereits zum wiederholten Male traten die studierte Sängerin und der ebenfalls mit Master-Abschluss ausgezeichnete A-Kirchenmusiker gemeinsam in Grebenau auf. Kalbfleisch, gebürtige Grebenauerin, und Ruckelshausen, der aus Kirtorf stammt, hoben diesen Konzertabend mit ihren Darbietungen in erstklassige Höhen, atemlos begleitet von einem begeisterten Publikum.

Ihr erster Beitrag war ein zweigeteiltes Stück von J.S. Bach. „Jauchzet dem Herren“ bot Raum für ein ausgefeiltes Rezitativ und eine bewegte Arie, gefolgt von einem fulminanten Orgelsolo Ruckelshausens, der auf der „Königin der Instrumente“ Bachs „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ zu Gehör brachte. Schnell waren sich alle Gäste einig, welch ein Glück es für die Region ist, zwei solch begnadete Künstler unter sich zu wissen, auch wenn diese längst in Hamburg bzw. Heidelberg zuhause sind.

Jenny Kalbfleisch und Lukas Ruckelshausen begeisterten das Publikum mit Gesang und Orgelspiel.


Dass es auch im Popgeschäft mitunter recht biblisch oder zumindest recht kirchlich zugeht, stellten die nächsten Stücke unter Beweis: Oft gecovert und weltbekannt ist der Leonard-Cohen-Song „Hallelujah“. Die Interpretation durch den Posaunenchor bot eine weitere, wunderschöne Facette dieses Stücks, bei dem zunächst die Trompeten dominierten, bevor die Begleitung und die Percussion einfielen und ihm zu einer unglaublichen Präsenz verhalfen.

An dieser Stelle hätte man sicher von einem Highlight sprechen können, doch dies würde den anderen Stücken nicht gerecht: Die Vielfalt des Konzerts und das abwechslungsreiche Spiel sorgten für Begeisterungsstürme, so auch bei dem unvergänglichen Whoopi-Goldberg-Klassiker „I will follow him“ aus dem Film „Sister Act“. Dieses Stück war sicherlich eine Herausforderung an das Tempo der Musikerinnen und Musiker, die die Kirche im wahrsten Sinne des Wortes rockten und zum Mitklatschen brachten.

Eine filmische Zeitreise

In einem weiteren Block boten die Sopranistin Jenny Kalbfleisch und der Organist Lukas Ruckelshausen eine weitere großartige Probe ihres Könnens und verschafften dem Publikum gleichzeitig auch Einblick in die moderne Kirchenmusik. Nach einem „Kleinen Orgelsolo“ von J. Haydn stand die Meditation „Christ my beloved“ aus der St. Johns Passion des zeitgenössischen britischen Komponisten Bob Chilcott auf dem Programm.

Peter Kostenis hatte alle Stücke für den Posaunenchor arrangiert.

Mit einem Soundtrack-Mix aus den Indiana-Jones-Filmen ging die filmische Zeitreise weiter. Gewaltig und voller Spielfreude ließen die Bläserinnen und Bläser die abenteuerlichsten Szenen des Archäologen vor dem inneren Auge der Zuhörer erstehen, die sich auch über ein Wiedersehen mit Marty McFly und Doc Brown freuen konnten. Mit dem Soundtrack „What a Feeling“ aus dem Film Flashdance hatten sich Klaus Kalbfleisch und seine Musikerinnen und Musiker einen weiteren Blockbuster der 80er-Jahre vorgenommen; mit „Gonny Fly now“ kamen auch Sylvester Stallone und Rocky zu Ehren – brachial und gnadenlos amerikanisch.


Den Posaunenchor auf ein weiteres Standbein stellen

Und auch dies meistere der Posaunenchor mit Bravour. Zuvor hatten noch einmal Jenny Kalbfleisch und Lukas Ruckelshausen mit ihrer Darbietung von Andrew Lloyd Webbers „Don’t cry for me Argentina“ für andächtiges Lauschen in der Kirche gesorgt. Zum Ende des Konzerts riss der Posaunenchor seine Gäste noch einmal mit einem Best-of-Queen-Medley zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Mit minutenlangem stehenden Applaus bedankte sich das Auditorium bei den Musikerinnen und Musikern, die um zwei großartige Zugaben – nämlich den Soundtrack des Films „Ghostbusters“ und ein Abba-Medley – nicht drumherum kamen.

Über viel Applaus konnten sich die Musikerinnen und Musiker am Ende des Konzerts in der Grebenauer Kirche freuen.

Eine Motivation für dieses Projekt sei es gewesen, den Posaunenchor auf ein weiteres musikalisches Standbein zu stellen, so Pfarrer Toralf Kretschmer, selbst Tubist im Posaunenchor seiner Stadt. Man wolle die Menschen uns insbesondere die Jugendlichen damit für die Arbeit des Posaunenchors begeistern. Besser als mit einem solch großartigen, viel beachteten Konzertabend dürfte das wohl kaum gehen.