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DGB-Kreisvorsitzender äußert sich zur aktuellen Situation in RomrodIngo Schwalm: Hat SozioVita überhaupt ausreichend Pflegepersonal?

ROMROD (ol). Erst am heutigen Samstagvormittag meldeten sich die Romröder Christdemokraten zum LuWiA-Projekt zu Wort und nur wenige Stunden später folgte die nächste Stellungnahme: Ingo Schwalm, DGB-Kreisvorsitzender und SPD-Kreistagsmitglied, vermutet einen weiteren Grund, der für die Vertragskündigung eine Rolle spielen könnte: Wer soll sich um die zukünftigen Bewohner kümmern? Schließlich sei der Pflegepersonal-Markt wie leer gefegt.

In der Pressemitteilung des DGB-Kreisvorsitzenden heißt es, nachdem SozioVita als Betreiber den Vertrag für das neue Projekt „Leben und Wohnen im Alter“ mit Romrod gekündigt hat, werde überall kontrovers diskutiert, Vermutungen kursierten. So würden sich viele Bürger die Frage stellen, warum nicht endlich offen und transparent über die Baumaßnahme informiert werde. Schwalm stellt die Vermutung auf, dass es bislang der Öffentlichkeit noch unbekannte Gründe für die Kündigung geben könnte.

Viele Menschen seien hinter vorgehaltener Hand der Meinung, dass das Baugrundstück von den Planern schöngeredet worden sei. Ein angeblicher Pluspunkt: Die Bewohner hätten von dort nur einen kurzen Weg zum Einkaufen und ins Zentrum der Stadt. In der Realität sehe es aber so aus, dass es in Alten-und Pflegeheimen mindestens 70 Prozent demenzkranke Menschen gebe, die nicht allein diesen Weg hin und zurück finden könnten. Hinzu komme die Gefährdung durch die sehr nahe gelegene und viel befahrene Straße. „Diese Tatsache wird zwangsläufig zu einem Sicherheitszaun führen müssen“, meint Schwalm weiter.

Der Baugrund sei ebenfalls wegen der bekannten Feuchtigkeit im Grundstück in der Bevölkerung umstritten gewesen, eine Verteuerung der Baukosten sei diesbezüglich auch von Laien befürchtet worden. Rückblickend müsse man sich Schwalm zufolge auch die Frage stellen, warum es bei diesem Projekt nicht mehr Widerstände gab.

Zur Kündigung des Vertrages vom Betreiber vermutet Schwalm mindestens einen weiteren Grund, der bisher überhaupt nicht diskutiert oder hinterfragt worden sei: Hat der Betreiber überhaupt ausreichend qualifiziertes Pflegepersonal für eine sichere Versorgung der künftigen Bewohner einstellen können? „Schwer vorstellbar“, meint Schwalm, suche doch jedes der 20 Alten-und Pflegeheime im Kreis dringend Fachpersonal und findet sehr selten jemanden, denn der Markt sei leer gefegt.


Schwalm vermutet, dass der Betreiber auch diesbezüglich vorsorglich den Vertrag gekündigt habe. SozioVita hätte seiner Aussage nach auch wegen der Aufstockung von 49 auf 54 Plätze noch mehr Pflegekräfte einstellen müssen. So müssen nämlich ab 50 Bewohnern zwei Pflegekräfte in der Nacht vorgehalten werden, also hätten noch mindestens zwei Pflegekräfte zusätzlich gefunden werden müssen, hebt Schwalm hervor.

Die Bevölkerung sollte bei der Findung eines neuen oder alten Betreibers umfänglich informiert werden, fordert Schwalm. Dazu würden beispielsweise die Fragen zählen: Wie viele Pflegekräfte eingestellt sind, welche Qualifikation diese haben, welche Bezahlung und welchen Tarif die Pflegekräfte erhalten und ob sie eventuell auch schon die deutsche Sprache beherrschen. Wie dem DGB-Kreisvorsitzenden zufolge ja gerne alle Vertragsparteien immer wieder betonen – „alles im Interesse der Bewohner!“

Hier geht es zum Statement der CDU.

Und hier zu einer Stellungnahme von Jörg Gaudl, Fraktionschef der SPD.


4 Gedanken zu “Ingo Schwalm: Hat SozioVita überhaupt ausreichend Pflegepersonal?

  1. Es ist genügend Pflegepersonal auf dem Markt vorhanden. Leider wird dieser Berufsstand dermaßen ausgebeutet, dass man keine Ambitionen hat diesen Beruf weiter auszuüben. Würden Betreiber einer Alteneinrichtung angemessene Löhne zahlen, bessere Arbeitsbedingungen schaffen hätten sie auch keine Probleme Personal zu bekommen. Vielleicht sollte man sich darüber Gedanken machen! Ob SozioVita ein besserer Arbeitgeber sein wird, mag ich sehr bezweifeln. Würde mich aber sehr freuen, wenn ich eines besseren belehrt werde.

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    1. „Würden Betreiber einer Alteneinrichtung angemessene Löhne zahlen, bessere Arbeitsbedingungen schaffen hätten sie auch keine Probleme Personal zu bekommen.“
      Wenn Katzen Pferde wären, könnte man die Bäume hinauf reiten. Tatsache ist aber doch, dass in der hier als unattraktiv beschriebenen Berufssparte eben niemand arbeiten will. Da nützt es überhaupt nichts, wenn „genügend Pflegepersonal auf dem Markt vorhanden“ ist, dieses dem Arbeitsmarkt aber eben nicht zur Verfügung steht. Von daher ist es auch richtig, dass Ingo Schwalm im Zusammenhang mit der Vertragskündigung von SozioVita das Problem einer ausreichenden Personalausstattung in die Debatte wirft. Dies gerade vor dem Hintergrund, dass mit der Erhöhung der Zahl der Betreuungsplätze eine nochmalige Erhöhung der Anforderungen an den Personalbestand einher ging. Letztlich nutzt nur das qualifiziertes Pflegepersonal, das für eine angemessene Versorgung im stationären Bereich und im Bereich der Tagespflege/des betreuten Wohnens auch tatsächlich zur Verfügung steht.

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      1. Hier zeigt sich doch im Kleinen bereits das Versagen der Politik gegenüber den Interessen zukünftiger Generationen. Man hat im Zuge der feindlichen Übernahme der ehemaligen DDR ja nicht nur den Sozialstaat ruiniert, sondern gleich den gesamten Staat, so weit es um das Vermögen des deutschen Volkes, d.h. die aus Steuern bezahlten öffentlichen Institutionen geht: Straßen, Schulen, die Bahn usw. – alles wurde dem Verfall preisgegeben, kaputt gespart, um kurzfristig und kurzsichtig Gewinne zu realisieren oder sogar für dubiose PPP-Projekte, Verkauf und Rückmietung öffentlicher Gebäude oder dubiose Finanztransaktionen verpfändet. Der Bürgermeister von Wesel (bekanntlich ein Herr Esel) und seine Ratsherren und Partei-Gänger als supercoole Finanzjongleure. Das Spielgeld lieferte wie immer die Schafherde der tumben Steuerzahler ab.
        In Romrod wird eine Kreispolitik sichtbar, mit ein paar Leuchtturmprojekten eine Daseinsvorsorge vorzutäuschen, die es überhaupt nicht gibt. Wie man die Grundsicherung und die stationären Pflegekosten der im heutigen Billiglohnsektor geschaffenen Altersarmen aus den öffentlichen Haushalten bezahlen will, weiß man nicht. Mittlerweile verwandeln sich offensichtlich die Leuchttürme schon in der Bauphase direkt in Investitionsruinen. Prost Mahlzeit!
        Die politisch Verantwortlichen sind natürlich, wenn der ganze Laden auseinander fliegt, längst pensioniert und verzehren ihre üppigen Altersbezüge. Aber vielleicht verrät uns ja Johannes Datenklau aus Homberg die Adressen ihrer luxuriösen Altersruhesitze. Dann können wir da mal mit der Mistgabel unsere Aufwartung machen und… ein wenig bei der Gartenarbeit helfen.

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      2. Sollen doch die AFD Internet Maulhelden/Hetzer von ihrem gemütlichen Sesseln aufstehen und arbeiten wie die Deutsche Vorgänger Generation dann gäbe es keine Fachkräfte Mangel überall.
        Die aktulle Generation ist voll mit taugenichsten und Internetsüchtigen gammlern, maulen auch noch rum stinken vor sich hin in ihrer Faulheit, wenn die Regierung in Not vom Ausland Fachkräfte holt, jammern sie von einer angeblichen „Überfremdung und Übernahme des Abendlandes durch Muslime etc.“ :))))

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