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KOMMENTAR zum Jahreswechsel über die Debattenkultur in den RegionHört auf so viel zu meckern und haltet endlich zusammen!

MEINUNG. Der Jahreswechsel ist die perfekte Chance inne zu halten, die vergangenen 365 Tage Revue passieren zu lassen und vielleicht sogar zu reflektieren, was im kommenden Jahr besser laufen soll. Für OL-Redakteurin Luisa Stock ist der Fall klar: 2018 wurde zu viel diskutiert und viel zu viel gemeckert. Damit sollten wir aufhören und mehr zusammenhalten, denn das führt im besten Fall dazu, dass etwas getan wird.


Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, versuchen viele – mich eingeschlossen – sich Gedanken darüber zu machen, ob es ein gutes oder schlechtes Jahr war, was nun hinter einem liegt. War es eines der Emotionen, eines der guten Neuigkeiten oder eines der Überraschungen? Für mich ist die Sache eindeutig: 2018 war ein Jahr des Meckerns und Jammerns.

Im Volksmund sagt man, dass das wohl niemand besser kann als die Deutschen. Mehr noch, böse Zungen sagen sogar, es ist des Deutschen liebstes Hobby. Mit Blick auf das vergangene Jahr und den Vogelsberg kann man sagen: Ganz Unrecht hat der Volksmund damit nicht. Ein neues Geschäft eröffnet in Alsfeld und es wird sich beschwert, dass man ein ähnliches Geschäft in Alsfeld schon habe. Auf dem Marktplatz wird eine Eisbahn aufgebaut, und es wird darüber gemeckert, dass der Marktplatz zum Teil nicht mehr passierbar ist. Ein Film wird gedreht, und es heißt die Laufkundschaft zu den Läden dort werde gestört. Jemand gewinnt etwas und trotzdem hat man etwas auszusetzen. Und bestärkt wird der Hang der Beschwerde durch die Anonymität des Internets. Da wird aus einer Mücke schnell ein Elefant.

Ich meine: Hört auf damit! Hört auf über Kleinigkeiten zu meckern, wenn doch das Große – die gute Nachricht – überwiegt.

Ja, bei all diesem Gemecker geht ganz schnell der Blick auf das Wesentliche verloren: Die gute Nachricht. Denn die lautet: Es tut sich etwas – auf dem Marktplatz, bei den Geschäften – wieso also nicht freuen? Nicht falsch verstehen, jeder hat das Recht, seine Meinung zu sagen. Jeder hat auch das Recht zu meckern oder zu jammern – und manchmal, manchmal hat Meckern auch etwas Gutes. Im besten Fall führt es nämlich dazu, dass etwas getan wird. Bürgerbeteiligung beispielsweise, fängt meist beim Meckern an, wie bei der neuen Gestaltung des Alsfelder Marktplatzes.

Jammern kann gerne mal kontraproduktiv sein

Ein gutes Beispiel meiner Meinung nach. Der Marktplatz der Kleinstadt soll saniert werden – wie, das spaltet die Gemüter. Autofrei, oder doch mit Parkplätzen? Braucht es Fahrradständer und Sitzbänke und sollen vielleicht ein Wasserspiel und Bäume her? Alles wichtige Fragen, bei der die Meinung aller gefragt ist. Viel wichtiger noch: Erst durch die Beschwerden der Bürger bewegt sich etwas, die Stadt lenkt ein und plant die Alsfelder mehr und besser einzubinden.

Dennoch sollte man vorsichtig sein. Zu viel Jammern kann auch gerne mal kontraproduktiv sein. Denn es kann deprimierend für diejenigen sein, die machen und tun, um etwas in der Region auf die Beine zu stellen.

Wir alle sollten daher mehr Kompromisse eingehen, andere Meinungen respektieren – auch wenn man seine eigene dabei nicht ändern muss. Nur wenn man auch mal eine Pause vom Jammern macht, kann etwas passieren. Im konkreten Fall über den Alsfelder Marktplatz heißt das: Nicht jedem gefällt die Idee über eine autofreie Zone, nicht jedem gefällt die Idee mit den Parkplätzen. Ein bisschen mehr Empathie und man kann einen Kompromiss finden, gemeinsam. Einen Kompromiss, mit dem vielleicht nicht alle zu 100 Prozent zufrieden sind, aber mit dem alle leben können. Das Wesentliche sollte nicht vergessen werden: In Alsfeld tut sich etwas. Und das ist eine gute Nachricht, die es 2019 fortzuschreiben gilt.

2 Gedanken zu “Hört auf so viel zu meckern und haltet endlich zusammen!

  1. „2018 wurde zu viel diskutiert und viel zu viel gemeckert. Damit sollten wir aufhören und mehr zusammenhalten, denn das führt im besten Fall dazu, dass etwas getan wird.“
    Also ich stelle mir die Entstehung des obigen Beitrags so vor:
    Da sitzt die Redakteurin Luisa Stock an ihrem Schreibtisch und braucht noch dringend irgendeinen „Meinungsbeitrag“. Grübel, grübel… welcher Meinung könnte man denn mal sein. Ach ja, was die Leute doch immer so sagen: Es wird zu viel diskutiert, gemeckert und gejammert. Und nun die „konstruktive Lösung“, die bestimmt ebenso viel Zustimmung bei der unbedarften Leserschaft findet: „Damit sollten wir aufhören und mehr zusammenhalten, denn das führt im besten Fall dazu, dass etwas getan wird.“
    Ganz, ganz toll, Frau Stock. Vielleicht wird ja bald die Stelle als Pressesprecherin des Landkreises (Kreispressestelle) frei. Wenn alles gut geht, werden Sie mit ihrem Selbstverständnis als gedankenarme „Wir sollten aufhören zu diskutieren“-Journalistin dort als Eigenlob-Papagei angestellt. Das Meckern hat dann endlich ein Ende. Und endlich wird mal wieder so richtig zusammen gehalten. Und dann wird „etwas getan“. Allerdings ohne über dieses „Was“ vorher zu diskutieren. Hauptsache kein Gemecker und Gejammer. Das ist in etwa das Gesellschaftsverständnis dieser Herren hier: http://cdn2.spiegel.de/images/image-1379269-860_poster_16x9-wthd-1379269.jpg, sozusagen ein Kim Jong Un – Ding!

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