Der Lohn für den Aufstieg: ein fantastischer Blick. Alle Fotos: Michaela Marin / Alexander Möller

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Alpines Wandern an der Albert-Schweitzer-Schule führt 15 Schülerinnen und Schüler durch das KleinwalsertalHorizonte und Perspektiven

ALSFELD (ol). Kann das Kleinwalsertal ein außerschulischer Lernort sein? Unbedingt sogar, ist sich Michaela Marin, Lehrerin für Erdkunde und Sport an der Albert-Schweitzer-Schule, sicher. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Alexander Möller führte sie kurz vor den Sommerferien eine Gruppe von 15 Schülerinnen und Schülern von der Ochsenhofer Scharte bis zum Walmendinger Horn. Natur erfahren, Gemeinschaft leben, offline sein – die Jugendlichen und jungen Erwachsenen lernten viel in dieser Woche in den Bergen.


In der Pressemitteilung der Schule heißt es, 14 bis 17 Jahre alt waren die Schülerinnen und Schüler, die sich für eine etwas andere Schulwoche entschieden hatten. Die acht Jungs und sieben Mädchen wohnten im Mahdtalhaus – ein „hüttentypisches Lager“ fanden sie dort vor, fernab also des inzwischen üblichen Komforts, den das Reisen heute bietet. Die erste Erfahrung war demnach auch: „Es geht auch einfach. Durch die Unterbringung in diesem Haus, mit Halbpension zwar, aber mit Mitmachcharakter beim Tischdecken und Aufräumen, können wir den Preis für diese Woche niedrig halten. Und die Schülerinnen und Schüler merken, dass man nach einem Tag im Berg auch mit wenig zufrieden sein kann.“

Und Tage im Berg gab es genau vier auf dieser Tour; der erste begann in Baad. Über die Ochsenhofer Scharte führte er über die Schwarzwasserhütte zur Auenhütte und zurück zur Station Mahdtalhaus. 700 Höhenmeter – jeweils hin und zurück und insgesamt 12 Kilometer – waren die erste Herausforderung für die Gruppe, die zwar sportlich interessiert, aber im alpinen Wandern nicht unbedingt erfahren war.

Die erste Tour führte die Gruppe von Baad zur Ochsenhofer Scharte. Alle Fotos: Michaela Marin / Alexander Möller

Tag 2: Rund um den Widderstein

Rund um den Widderstein ging es am Tag zwei. Der Blick von der Widdersteinhütte auf das Skigebiet Warth bot einigen der älteren Schülerinnen und Schüler einen fast vertrauten Anblick: Dorthin führt die alljährliche Ski-Freizeit der Albert-Schweitzer-Schule, und einige der diesjährigen Wanderer hatten daran schon teilgenommen.

Jeweils 1.100 Höhenmeter konnte sich die Gruppe an diesem Tag auf die Liste schreiben – eine ziemliche Steigerung bereits, die dafür sorgte, dass der Abend ruhig ausfiel. Spiele, Gespräche, Beisammensein standen hier auf dem Programm – gechilltes Ausklingen eines anstrengenden und doch erfüllenden Tages.

Tag 3: Eine „3-Gipfel-Tour“

Hochalpin wurde die Tour schließlich am dritten Tag mit eine „3-Gipfel-Tour“: Von der Bergstation an der Kanzelwandbahn ging es nach einem kurzen ersten Gipfelanstieg zur Kanzelwand rauf auf die Walser Hammerspitze auf eine Höhe von 2.170 Metern. Auf dem Rückweg bot sich noch ein dritter Gipfel, die Kuhgehrenspitze, an. Als Dank für diese Anstiege auf teilweise schwierigem Terrain winkte ein fantastischer Blick über in das Walsertal – und natürlich der Stolz der Wanderer und Kraxler, die sich von Tag zu Tag gesteigert hatten. Gipfelglück pur.

Kraxeln hieß es auf dem Weg zur Walser Hammerspitze und zurück.

Tag 4: Bahnfahrt zum Walmendinger Horn

Zur Belohnung gab es am vierten Tag eine entspannte Bahnfahrt hoch auf das Walmendinger Horn. Zuvor jedoch ging es von der Osterbergalpe durch die Breitachklamm – ein weiteres beeindruckendes Naturerlebnis durch die tiefste und imposanteste Felsenschlucht Mitteleuropas, deren Wasser den Wanderern um die Ohren rauschte. Vom Walmendinger Horn aus konnte die Gruppe noch einmal alle Gipfel und Aufstiege sehen, die sie in den letzten drei Tagen geschafft hatte – erst da realisierten sie wirklich, welch ein sportliches Erlebnis diese Tour war, und wieviel Natur sie erlebt und genossen haben – auch wenn sie dies sicher schon in den Knochen gespürt haben.

Als jüngster Schüler mit dabei war Paul Jonas Reckling. Auch acht Wochen nach der Tour strahlen seine Augen vor Begeisterung, wenn der Vierzehnjährige von diesem Erlebnis erzählt. Neben der sportlichen Betätigung, die er sehr mag, hat er natürlich die fantastische Natur genossen und die Gemeinschaft der Schülerinnen und Schüler untereinander. Die altersmäßige Mischung habe eine gute Wirkung auf die jungen Leute, findet Michaela Marin: Die Jüngeren können sich an den Größeren orientieren und sich ein Beispiel geben lassen, die Größeren können Verantwortung mit übernehmen und sich um die Jüngeren kümmern, wenn es nötig ist.

Auch der motivierteste Bergwanderer muss manchmal rasten und die Aussicht genießen.

Besonders angetan zeigt sich Paul vom Aufstieg auf die Hammerspitze – der Weg war schwierig zu nehmen, das Gefühl am Gipfel aber lässt ihn heute noch strahlen. Er will im nächsten Jahr wieder dabei sein, sagt er, und würde die Tour jedem empfehlen, der Spaß an der Natur hat und natürlich auch an Aktivität und Bewegung an der frischen Luft. Sein Fazit: „Es ist ein Super-Angebot, das uns die Schule hier macht.“

Neue Perspektiven ermöglichen und Horizonte erweitern

Warum sie das tut, erläutert Michaela Marin: „Natur so hautnah zu erleben, bewirkt etwas mit den Jugendlichen, die es oft gar nicht mehr gewöhnt sind, einen ganzen Tag lang draußen zu sein und sich jenseits der Medien zu beschäftigen. Sich darauf einzulassen, schenkt ihnen ein großartiges Erleben von Gemeinschaft, gleichzeitig haben sie das Gefühl, eine tolle Leistung gebracht zu haben.“ Die Sport- und Erdkundelehrerin hat eine Lizenz für das Führen einer maximal 15-köpfigen Gruppe in den Bergen. Sie würde sich freuen, wenn noch einige ihrer Kollegen es ihr gleichtun würden, denn sie sieht eine lohnende Verbindung zwischen dem Erleben des Naturraums und dem Erkunden des geographischen Raums.

Die Wandergruppe aus Alsfeld mit ihren Lehrern Alexander Möller (links) und Michaele Marin (rechts).

„Mein Ziel ist es, das Erkunden von Gebirgsstrukturen vom Vogelsberg bis zu den Alpen als Wahlunterricht anzubieten und die Exkursion als Abschluss dieser Unterrichtseinheit zu gestalten.“ Mit den Erfahrungen aus dieser und der vorangegangenen Fahrt in das Kleinwalstertal leitet Marin auch einen hohen Nachhaltigkeitsfaktor ab: „Wir ermöglichen damit eine neue Perspektive, weiten Horizonte und wecken Interesse.“ So anhaltend, dass einige Abiturienten, die im letzten Jahr bei der Tour dabei waren, auch in diesem Jahr zu ihnen stießen – eine Aktion, die allem, was Michaela Marin als Gewinn der alpinen Wanderung benannt hat, rechtgibt.