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Klassenverband der Albert-Schweitzer-Schule Alsfeld feiert 50 Jahre AbiballDie Letzten, die Aufnahmeprüfungen machen mussten

ALSFELD (bk). „Mensch Liane, du bist ja auch da“ – solche und ähnliche Rufe hörte man am Samstag vermehrt in der Schillerstraße in Alsfeld, denn der Klassenverband des Abijahrgangs 1968 feierte sein 50-jähriges Jubiläum. Dazu kamen die Schülerinnen und Schüler von damals in ihre alte Wirkungsstätte zurück – die für viele nicht mehr wieder zu erkennen war.

Ausgelassenes Lachen und freudige Gespräche erfüllten die Luft vor der Albert-Schweitzer-Schule in Alsfeld, als die Ehemaligen aufeinandertrafen. Schon vor dem Besuch der ASS hatte man in Ramspecks Weinkeller gesellig zusammen gesessen. Doch vor der Schule kamen noch weitere Abiturienten des vier Klassen starken Klassenverbandes von 1968 dazu. Herzlichen Begrüßungen folgten Anekdoten von damals oder Geschichten von gerade erlebtem. Wer seine Schule zu einer Zeit abgeschlossen hat, in der es noch kein Facebook gab, hat einander nach so viel Zeit eben einiges zu erzählen.

Absolvent Christoph Harlfinger und seine Frau Stephanie: „Es war eine wichtige Weichenstellung für das spätere Leben.“ Alle Fotos: bk

„Es ist immer wieder schön, im großen Kreis nach Alsfeld zu kommen. Alsfeld hat so viel zu bieten“, freute sich Ruth Hott, die als Ehefrau von Absolvent Norbert Hott mit angereist war. Burkhard Dietz-Magel, ehemaliger Landarzt in Grebenau, sieht es ähnlich: „So ein Treffen belebt und man freut sich. Wer weiß, was in fünf Jahren ist“, sagt er, denn dann wäre das nächste Treffen des Klassenverbands.

Sein Jahrgang ist etwas besonderes. „Wir waren die Letzten, die noch Aufnahmeprüfungen machen mussten. Danach wurde das abgeschafft“, erzählt Dietz-Magel. Während der eine Woche andauernden Aufnahmeprüfung hätte man jeden Tag Unterricht und abends Prüfungen gehabt. Von den 93 Jugendlichen, die aufgenommen werden wollten, haben es, laut dem Organisationsteam des Klassenverbandes 85 Schüler geschafft.


Die aktuell bei den Schülern beliebte Kunstrichtung „Tape-Art“ fand bei den Jubilaren wenig Anklang und sorgte eher für Naserümpfen.

Wenn die Vergangenheit mit der Gegenwart aufeinander trifft

Erst als es in die Schule hinein ging und die aktuelle Schulleiterin Annette Knieling die ehemaligen Schüler begrüßte, wurde es ruhig. Man lauschte den Ausführungen über die aktuelle Lage der Schule mit Interesse und applaudierte geschlossen, als Knieling verkündete, dass man kürzlich eine Auszeichnung für die „beste Schülerbigband des Jahres“ erhalten hatte.

Die Fragen, die die Besucher jedoch am Meisten interessierten, durften im Anschluss noch gestellt werden: „Gibt es noch eine Schülerverwaltung und welche Funktion hat sie?“ – „Ja, die gibt es. Sie hat die selbe Funktion wie früher, ist aber weniger politisch. Im Grunde ist sie sehr lieb und zahm“, erklärte Knieling und stellte sich gleich der nächsten Frage, die sich um die Inklusion drehte. „Unsere Situation ist zu gut“, sagte sie und erklärte, dass es zu wenige Kinder aus den sozial schwächeren Schichten an der ASS gebe und man deshalb keine Zuweisung für Förderungen erhielt. Lediglich das Beratungsförderzentrum, kurz BFZ, leiste den festgelegten Stundensatz und stehe mit Rat und Tat zur Seite.

„Manfred, das bist ja du!“ – Die Bilder von Klassenfotos ließen die Erinnerungen sprudeln.

Danach ging es zur Besichtigung der Schule und ihren verschiedenen Räumlichkeiten. Den Anfang sollte die Verwaltung machen, doch bis dahin kam man erst gar nicht. Denn in dem Gang hingen Schüler- und Klassenfotos von früheren Treffen, die die Aufmerksamkeit der Anwesenden rasch auf sich zogen. „Manfred, das bist ja du“, hallte es durch den Gang und man versammelte sich rasch, um die Bilder eingängiger zu betrachten und noch mehr bekannte Gesichter zu entdecken.


Ebenfalls fesselnd wirkte die Übersicht der ehemaligen Schulleiter und die Geschichte der Albert-Schweitzer-Schule auf die Abiturienten – die, wieder ganz Kind, wild verstreut hin und her liefen. Vor der Tür der Verwaltung dann der Schreck: „Als Kind durfte man da nie rein, das war heiliger Boden“. Heute ist das anders. Also hieß es schnell ein Blick hinein werfen, bevor es weiterging.

„Ich war immer so stolz, wenn in den Glasvitrinen in den Gängen ein gemaltes, beziehungsweise gezeichnetes Bild von mir ausgestellt wurde“, erzählt Margot Berger lächelnd.

Erinnerungen und Schummeleien, die für immer im Gedächtnis bleiben

Während manche der Besucher, die sich alle fünf Jahre im Klassenverband treffen, die Schule schon hin und wieder besucht hatten, war es für andere ein überwältigendes Erlebnis: „Ich war seit 50 Jahren nicht mehr hier“, sagte Margot Berger, geborene Mest, die nun in Bonn ihre Heimat gefunden hat, sichtlich ergriffen. „Es ist alles ganz fremd. Ich versuche irgendwelche Verbindungen zu früher herzustellen, doch es hat sich alles so verändert. 50 Jahre sind eine sehr lange Zeit“, stellte sie doch etwas überwältigt fest.

Berger erzählte aber gleich noch eine Anekdote zum Schmunzeln: „Unser Lateinlehrer stand vor der Klasse und legte einen Stapel Papiere auf seinen Schreibtisch. ‚Das ist die Arbeit, die wir morgen schreiben‘, hatte er verkündet und wurde dann von dem Rektor aus der Klasse zum Gespräch gerufen. Wir warteten, doch es dauerte und so entschieden ein paar von den Jungs ‚wir gucken jetzt mal nach der Arbeit‘. Die Ergebnisse haben sie dann an alle in der Klasse weiter gegeben. Als wir die Arbeit später zurückbekommen haben, war unser Klassenlehrer so stolz, da wir alle nur Einsen und Zweien geschrieben hatten. ‚Mensch. Kinder, ihr habt den AcI, wirklich verstanden‘ sagte er voller stolz'“. Dabei zählt der Accusativus cum Infinitivo, kurz AcI, zu den schwierigsten Satzkonstruktionen der lateinischen Sprache – und kaum einer hatte ihn damals wirklich verstanden.

Wenn ehemalige „Rabauken“ aufeinander Treffen ist die Freude groß (weshalb das Bild auch so verwackelt ist – die Herren konnten nicht still halten): Dr. Markus Achenbach und Christoph Harlfinger


Ein Ruf, den man nie wieder los wird

Im Obergeschoss durften die Jubilare dann noch einen Blick in verschiedene Klassenräume werfen. Zum einen in den Chemiesaal, in dem es zu einem überschwänglichen Wiedersehen zwischen zwei „Rabauken“ kam. Zum anderen durfte man einen Blick in das ehemalige Klassenzimmer, welches aktuell renoviert wird, werfen. Als Liane Jöckel schwungvoll eine weitere Tür öffnen wollte, diese ihr aber verschlossen blieb, hielt sie plötzlich den Türgriff in den Händen. „Ach Liane, immer noch wie früher“, lachte ein Kollege, während Jöckel kleinlaut zu Knieling ging und ihr den abgerissenen Türknauf übergab. „Tja, manche Dinge ändern sich wohl nie“, lachte ein weiterer Jubilar.

Besonders überrascht war man über die neuen Sanitäranlagen direkt neben den Klassenräumen. „Früher hatten wir keine Toiletten im Gebäude. Da gab es einen Zwischengang nach Draußen. Furchtbare Anlage war das“, erschaudern die Abiturienten bei den Erinnerungen.

Kleinlaut übergibt Liane Jöckel die abgerissene Türklinke an Annette Knieling, die sie lachend entgegen nahm.

Abschlussfahrten sorgten für Uneinigkeit

Auch wenn man sich bei vielen Dingen einig war, so war man es am Samstag nicht über die Abschlussfahrt. Denn hier teilte man unterschiedliche Erinnerungen: „Wir waren für drei Tage im Schwarzwald“, sagte Margot Berger, dem widersprach jedoch eine kleine Gruppe: „Nein, wir waren nirgends. Eigentlich sollte es nach Berlin gehen, aber da wurde bei den Jahrgängen vorher „muschel-muschel“ in den Schlafsälen getrieben und Mädchen bei den Jungs erwischt. Deshalb durften wir nirgends hin.“

Andere waren sich sicher, irgendwo gewesen zu sein, aber wo, darüber konnte am Samstag keine Einigung erzielt werden. Über eines war man sich aber einig: „Auch wir haben gefeiert, aber friedlich. Dieses ganze Randale-Zeug von heute ist unmöglich. Und die Fahrten nach Barcelona, London oder sonst wohin. Wenn wir weggefahren sind, dann waren das Städtereisen innerhalb Deutschlands.“


Zum Abschluss gab es noch ein Glas Sekt und die Schule spendierte eine Ausgabe des Jahrbuches aus dem Jahr 1967/1968 für alle, die ihre nicht mehr hatten. Im Anschluss wollte ein Teil der Abiturienten den Germanisten und ehemaligen Deutsch- und Klassenlehrer Hans-Günter Marcienec in Romrod besuchen, bevor es dann weiter ins Marktcafé ging. Den „süffigen Abschluss“ beging man schließlich im Hotel Klingelhöffer.

Weitere Bilder des Jubiläumstreffens: