Fasching3

VIDEO: CDU-Heringsessen an Aschermittwoch mit Ministerpräsident Volker BouffierEin Stuhlkreis mit Gauland, Wagenknecht und Lindner

LINGELBACH (ls). Lange Koalitionsverhandlungen, der schmerzhafte Verlust einiger wichtiger Ministerien und die Achterbahnfahrt der SPD: Beim CDU-Heringsessen an diesem Aschermittwoch in Lingelbach sparte Special-Guest Ministerpräsident Volker Bouffier nicht mit Häme für die SPD und die langen Gespräche mit den Sozialdemokraten. An Lob für die CDU sparte er allerdings auch nicht.


Es herrscht reges Treiben im Gasthaus Gischler in Lingelbach. Langsam füllen sich die Plätze des großen Raumes. Von den dunklen Holzdecken schallen das laute Gelächter und die freudigen Gespräche der Menschen, die sich nach und nach dort einfinden. Man prostet sich zu, Bier- und Weingläser klirren. Nebenbei wird das Essen ausgeteilt: Sahnehering, dampfende Kartoffeln und ein kleiner Salat. Denn es braucht freilich eine ordentliche Grundlage, wer am Aschermittwoch über seine politischen Gegner beziehungsweise möglichen Koalitionspartner ein wenig lästern will – so, wie es überall in der Republik an diesem Tag Brauch ist. Schon seit 35 Jahren greift man bei der Vogelsberger CDU zu diesem Anlass übrigens schon zum Hering.

Doch nicht immer saß in den vergangenen Jahren ein solch prominenter Gast bei den Christdemokraten mit am Tisch. Volker Bouffier, Hessischer Ministerpräsident, Vizechef der Bundes-CDU, freute sich nach eigener Aussage, in seiner „zweiten Heimat“ zu sein. Ein Satz, den man bestimmt nicht oft sagt, wenn man als Ministerpräsident Land auf Land ab durch die Provinz unterwegs ist.

Mit Bouffiers Ankunft verändert sich zwischen Bier und Heringen die Stimmung im Saal: Handys werden gezückt, die heiteren Gesprächsrunden verebben und neugierige Hälse recken sich in die Luft. Es wird ruhig. „Etwas besseres, als den Valentinstag mit dem Bouffier zu verbringen gibt es nicht“, eröffnet der Ministerpräsident seine Ansprache vor den gut Einhundert Besuchern und sorgte damit für den ersten Lacher des Abends – der letzte sollte es nicht sein.

Bouffier: „Die Union ist die einzige stabile Kraft“

Die Stimmung ist heiter und entspannt – nicht zuletzt, weil der prominente Gast direkt mit einem Seitenhieb auf die SPD in seine Ansprache einsteigt: „Die SPD war in den letzten Wochen nacktes Chaos. An keinem Tag galt, was am Vortag noch galt. Man muss die CDU dazu bringen, das wir das nicht machen“. Er wisse wie die Stimmung nach den Koalitionsverhandlungen sei, blicke aber positiv in die Zukunft: „Die Union ist die einzige stabile Kraft. Das macht uns aus.“ Man sei bereit, Verantwortung zu übernehmen. Applaus.

Ministerpräsident Volker Bouffier bei seiner Ansprache.

Die letzten Wochen – insbesondere die Koalitionsverhandlungen mit der SPD – seien ein aufreibender Verhandlungsmarathon gewesen. „Wir hatten vier Wochen lang eine spannende Jamaika-Reise, die gescheitert ist, weil die FDP geflüchtet ist“, sagt Bouffier. Die Linke sei zu schwach und so bleibe lediglich noch die SPD, die in den letzten Wochen eine „sagenhafte Achterbahnfahrt“ gemacht habe. Aber: Sie seien die einzigen gewesen, die noch da waren.

Der Ministerpräsident verrät kein Geheimnis, wenn er sagt, dass die Verhandlungen nicht einfach waren. „Aber so viel sei gesagt: Es ist ein guter Vertrag, da steht viel drin. Lesen Sie einmal alle 177 Seiten, es lohnt sich“, empfiehlt er schmunzelnd. Seine persönlichen Favoriten: Strengere Regelungen im Bereich der Migration, keine Bürgerversicherung, keine Steuererhöhungen, eine Grundrente, eine Stärkung der Kommunen, der Anschluss an das Glasfasernetz, Kindergelderhöhung, neue Stellen im Pflege- und bei der Polizei und die Beschränkung von sachgrundlosen Befristungen auf fünf Jahre.

Doch es gibt aus Sicht der Christdemokraten auch Grund zu klagen. Während die CDU zuletzt noch acht Ressorts zugesprochen bekam, bleiben jetzt nur noch fünf – Wirtschaft, Verteidigung, Gesundheit, Bildung und Landwirtschaft. Die SPD hingegen bekommt die Ministerien für Justiz, Soziales und Arbeit, Außen, Familie, Umwelt und Finanzen. Besonders der Verlust des Finanzministeriums schmerzt die Konservativen.

Landwirtschaftsministerium als Grund zur Freude

Auch er wisse wie, schmerzhaft die Ressortverteilung sei sagte Bouffier. Er blicke aber positiv in die Zukunft – besonders in die des ländlichen Raums: „Wir haben das Landwirtschaftsministerium – das ist ein Grund zur Freude“. Wieder schallt Applaus durch den großen Raum. Doch wer sich an dem Tischen an dem Abend umhört, der merkt schnell: Auch die Basis in Alsfeld hat sich ein anderes Ergebnis gewünscht. Selbst wenn man dem Prominenten da vorne kräftig applaudiert, die Eroberung des Landwirtschaftsministeriums wird die Wunden der bei Landwirten traditionell stark vertretenen CDU nur teilweise heilen können.

Gut 100 Besucher zog es in das Gasthaus Gischler nach Lingelbach zum traditionellen Heringsessen. Fotos: Oberhessen-live

Letztendlich habe es einzig die Möglichkeit geben, die Verhandlungen scheitern zu lassen oder auf die beharrlichen Forderungen der SPD einzugehen, sagt Bouffier. „Was wäre passiert, wenn wir die Verhandlungen hätten platzen lassen“, gibt er in die Frage in die Runde, auf die ein Raunen durch die Anwesenden zieht. Die Welt draußen warte nicht auf Deutschland, also habe man eine Entscheidung treffen müssen. Andernfalls habe man es mit einem „Stuhlkreis zwischen Gauland, Wagenknecht und Lindner“ zu tun, in der jeder ein Thema hineinschmeiße, während draußen die Welt brenne. 

 

Alsfeld Bürgermeister Stephan Paule sprach über die positive Entwicklung der Stadt.

Überraschend zurückhaltend tritt Alsfelds Bürgermeister und Fraktionschef der Vogelsberger CDU Stephan Paule auf, der keine Seitenhiebe auf politische Gegner übrig hatte, dafür aber viel Lob für die angeblich positive Entwicklung der Stadt. „In Alsfeld hat sich einiges getan und es wird sich noch mehr tun“, sagt er. Auch der frischgekürte Direktmandat für den Landtag der Vogelsberger CDU ist an diesem Abend recht wortkarg. Michael Ruhl stellt sich kurz vor, bedankt sich für das ihm entgegen gebrachte Vertrauen – und setzt sich wieder.

„Mein Herz schlägt für dich“: Den Präsentkorb bekommt seine Frau.

So gehört der Abend ganz dem Ministerpräsidenten. Und so plötzlich wie Bouffier gekommen ist, so plötzlich ist er auch wieder verschwunden. Den Präsentkorb mit typischen Alsfelder Leckereien, den er vom Alsfelder Fraktionschef Alexander Heinz überreicht bekommt, wolle er passend zum Valentinstag seiner Frau schenken. Es hat doch auch Vorteile, wenn man als Spitzenpolitiker über die Dörfer reisen muss.

Weitere Eindrücke des Abends:

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3 Gedanken zu “Ein Stuhlkreis mit Gauland, Wagenknecht und Lindner

  1. Holpert vielleicht ein wenig, mein Gedicht. Hier ist ein (hoffentlich) besseres:
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    Tiefe Erkenntnisse bei Hering mit Stip
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    Um über den politischen Gegner zu lästern
    greift man in Lingelbach nicht erst seit gestern
    am Aschermittwoch zu Hering in Sahne
    auf dass dies die große Beschimpfung anbahne.
    Ganz hoher Besuch ist dies Jahr erschienen.
    Da lauschen selbst Gäste mit andächt’gen Minen,
    die nicht zwischen Büfet und Bouffier unterscheiden
    und politische Themen ansonsten vermeiden.
    Nur Frankophile wissen es besser:
    Bouffier heißt in Deutsch übersetzt „der Fresser“.
    Und das passt gut zu den sahnigen Fischen,
    die die Lingelbacher mit Kartoffeln auftischen.
    Man ist was man isst, selber essen macht fett,
    erst lobt man sich selbst und ist noch recht nett,
    bis zum Schluss dann, so erfordert’s der Brauch,
    ihr Fett endlich abkriegen die andren auch.
    Um den Abend stimmungsvoll abzurunden
    legt man die Finger in sämtliche Wunden.
    Doch bedenkt solcher Anlässe Quintessenz:
    Ein Hering zeigt nur im Schwarm Intelligenz.
    Und wer selber in der Grube steht,
    soll nicht graben, ob’s noch tiefer geht.

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  2. Es geht nur um Machterhalt, egal zu welchem Preis.
    Das Wort GroKo ist eine Worthülse, steht eigentlich für GROsse Koalition. Die Wahrheit ist, zusammen kommen die bestenfalls noch auf 46%+/- Prozent und keine will diese wirklich haben!
    Juncker in Brüssel war entzückt über den GroKo-Vertrag, er hat 312 mal das Wort Europa im Koalitionsvertrag gelesen, das gab es noch nie in einem nationalen Vertrag gemäß seinen Worten, das EUR-Zeichen in seinen Pupillen wie im Donald Duck Zeichentrickfilm war deutlich zu sehen! Freiwillig mehr Geld für Brüssel wurde zugesagt, mehr Geld für südeuropäische Staaten und deren Banken, lockerung der Fiskalpolitik usw.
    Leute, war das eine Bundestagswahl oder war das eine Europawahl ?
    Gauland und Co. wirken, ein fetter Stachel im Fleisch. Ein weiter so nicht mehr oder kaum noch möglich. Ohne diesem Stachel würde im Koalitionsvertrag nichts von einer angeblichen „Begrenzung“ stehen.
    Ich sage extra „angeblichen Begrenzung“, die Entscheidung fällt in Brüssel, da ist das völlig egal was „National“ drin steht.
    Die SPD macht einen Neuanfang und legte den Schulz zu den Akten. Gabriel folgt und nun evt. auch Nahles, es wäre zu schön.
    Wann erneuert sich die CDU ? Die laufen lieber dem Frauchen hinterher wie brave Hündchen, die Merkeldämmerung steht aber unmittelbar vor der Tür.
    Fakt ist, die CDU hat trotz Mehrheit nicht nur keinen Landrat sondern kaum noch Ministerposten, bestenfalls völlig Bedeutungslose.
    Fakt ist, der GroKo Vertrag ist ein 75% SPD Vertrag zum Machterhalt einer einzigen Person geschuldet, die angeblichen Erfolge nicht Spürbar. Oder will jemand behaupten das 0,6 Pflegekraft pro Heim irgendwas rausreißt ?
    Davon mal abgesehen, die 8 Tsd. neuen Pflegekräfte gibt es überhaupt nicht auf dem Arbeitsmarkt.
    Ich empfehle auch mal Zeitungsberichte über uns aus dem Ausland zu lesen, gibt evt. neue Sichtweisen. Man nennt uns schon „Durcheinanderland“, und das ist noch die netteste Beschreibung.
    Neuanfang muss her, alte Garde raus, die CDU muss wieder nach „Mitte-Rechts“, die SPD nach „Mitte-Links“, Grün ist völlig überflüssig da wir mittlerweile alle irgendwie Grün geworden sind, Links u. Rechts bleiben Links und Rechts und stehen auf der Bremse, jeder steht für seine Meinung und seiner Seite. Neuwahl, dann passt wieder alles! Evt. braucht wenn alle wieder normal geworden sind, auch keiner mehr eine AfD. Bis das wieder gilt kenne ich keine GroKo und kein Jameika, um bei Nahles zu bleiben, bis dahin gibt es nur auf die Fr….!
    Denen den dieser Text nicht gefällt können ja weiter rätseln und diskutieren welchem neuen Geschlecht sie angehören wollen, war ein tolles Wahlkampfthema, weiter so !
    Nadine Julitz von der SPD erläutert das in diesem Video vom 15.11.2017
    https://www.youtube.com/watch?v=GM0fwqFuzpY

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  3. Sehr dünnes Eis, verehrte CDU im Vogelsbergkreis! Die „Selbstaufgabe der CDU“, über die jetzt unter Parteimitgliedern nach den Berliner GroKo-Verhandlungen untergründig so viel gemurrt wird, hat doch ihr direktes Vorbild in unserer Vogelsberg-GroKo! CDU 35,5 Prozent. SPD 31,8 Prozent. Und dann kein eigener CDU-Kandidat bei den Landratswahlen 2017!?
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    Das verdient ein kleines Spottgedicht:
    Titel: Stuhlkreis mit Sahneheringen
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    Während da draußen die Welt brennt
    ein Stuhlkreis mit Gästen,
    selbst der Ministerpräsident
    will sich mit Heringen mästen.
    Um über den politischen Gegner zu lästern
    greift man in Lingelbach nicht erst seit gestern
    am Aschermittwoch zu den sahnigen Fischen,
    die sich die Gäste aber selber auftischen
    statt mit den stark riechenden Tieren zu werfen
    und hierdurch die andren Parteien zu nerven.
    Man isst wie es ist, selber essen macht fett,
    erst lobt man sich selbst und der Abend wird nett,
    bis dann zum Schluss, so erfordert’s der Brauch,
    ihr Fett reichlich abkriegen die anderen auch.
    So folgt Treffer auf Treffer beim „Schiffe versenken“,
    doch bei jeder der Pointen sollt‘ man bedenken:
    Bei jedem Schiffsuntergang gibt’s meist auch Tote
    und nur selten reicht die Anzahl der Rettungsboote.

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