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„Atelier der Braukünste“- eine der kleinsten aber weltbesten Brauereien beim European Beer Star 2017Schloss Romrod macht aus neubieriger Leidenschaft eine Erfolgsgeschichte

ROMROD (ol). Aus einer neubierigen Leidenschaft machte das Hotel Schloss Romrod eine Erfolgsgeschichte: Beim European Beer Star wurde die „Schwarzbrot Sause“ von Biersommelier und Braukünstler Nico Döring von über 2000 Craftbieren weltweit mit „Silber“ ausgezeichnet.

Sie sind bei den Brauereien in aller Welt so begehrt wie die Michelin-Sterne bei den Gastronomen: die Auszeichnungen des European Beer Star. Mit 2.151 Bieren aus 46 Ländern erfährt der renommierte Wettbewerb im 14. Jahr in Folge eine neue Rekordbeteiligung und ist damit der weltweit bedeutendste Bier-Wettbewerb des Jahres. Am 13. September wurde die „Schwarzbrot Sause“, ein englisches Porter aus dem „ Atelier der Braukünste“ von hôtel schloss romrod, auf der feierlichen Preisverleihung im Rahmen der drinktec in München mit der Silbermedaille ausgezeichnet. Unerwartet und beeindruckend, denn in jeder der 60 Kategorien wurde nur einmal Gold, Silber und Bronze verliehen.

Als kleinste Brauerei im Wettbewerb mit großen Mitbewerbern wie Heinecken, Carlsberg, Flensburger und vielen anderen privaten Brauereien weltweit, setzte sich der Bierliebhaber Nico Döring schon zum zweiten Mal in diesem Jahr in einem großen internationalen Wettbewerb mit seiner Kreativität und Qualität durch. Das teilte das Hotel Schloss Romrod in einer Pressemitteilung mit. Mitte August haben 133 internationale Bier-Experten – Braumeister, Bier-Sommeliers und Fachjournalisten – in einer zweitägigen Blindverkostung in der Brau-Akademie Doemens über die Vergabe von Gold, Silber und Bronze in den insgesamt 60 Kategorien entschieden. „Wir haben so viel Spaß am kreativen Bierbrauen, und dass wir uns mit den besten Brauern der Welt messen können ist einfach überwältigend“, kommentierte Nico Döring seine Brauerfolgsgeschichte, die noch ganz am Anfang steht.

Malzsorten, Bio-Schwarzbrot und englische und irische Hefe für das gewisse Extra

Die „Schwarzbrot Sause“ ist ein englisches Porter. Im jährlichen Azubier-Projekt zum Schlossfest wurde es von Nico Döring gemeinsam mit Auszubildenden erstmals gebraut. „Das Feedback auf das Bier war grandios, aber als Perfektionist habe ich es noch zweimal nachgebraut und verfeinert, bis es für mich wettbewerbstauglich war“, erzählte Braukünstler Nico Döring über die Entstehung des Craftbieres. Die Geheimnisse des weichen, malzig-röstigen Porters seien seine besonderen Malzsorten in Kombination mit einer Portion Bio-Schwarzbrot vom örtlichen Romröder Bäcker.

Sieben Malzsorten wurden für die „Schwarzbrot Sause“ fein und harmonisch aufeinander abgestimmt, wobei ein hoher Anteil an Roggenröstmalz und ein besonderes Honig-Karamellmalz aus Finnland dominieren. Den speziellen Kick aber liefere das Bio-Schwarzbrot, das während des Maischens zugegeben wird. “Final verleiht der Einsatz einer englischen und einer irischen Hefe der ‚Schwarzbrot Sause‘ dann noch das gewisse Extra“, resümierte Döring mit genüsslichem Blick den Brauprozess. Das dunkle Bier besitze trotz seiner 5,9 Prozent Alkohol einen „schlanken Körper und hohe Trinkbarkeit“, sei aber dennoch komplex und setze sich geschmacklich deutlich von typischen Industriebieren ab. „Die ‚Schwarzbrot Sause‘ ist ein Genuss zu Wildgerichten, mildem Blauschimmelkäse oder dunkler Schokolade“, so heißt es in der Pressemitteilung. Küchenchef Heiko Mirschel seinerseits habe aus „der Sause“ für die Weihnachtszeit bereits einen ganz Bierjus entwickelt.

Die Geschichte zum Erfolg: Leidenschaft, Kreativität und Geduld

Aus purer Begeisterung ließen sich Nico Döring und Küchenchef Heiko Mirschel schon vor acht Jahren von der Craftbeer- Bewegung mitreißen. Im Jahr 2013 wurde eine semiprofessionelle Micro-Brauanlage angeschafft und 2016 folgte die Ausbildung zum Biersommelier in der Weltbierhauptstadt Bamberg. Fortan verbrachte vor allem der brauverrückte Döring den größten Teil seiner Freizeit im neugeschaffenen „Atelier der Braukünste“ in der „alten hôfreite“ von Schloss Romrod. „Grundsätzlich ist Brauen dem Kochen sehr ähnlich – mit dem großen Unterschied, dass ich erst Wochen oder gar Monate später erfahre, ob es auch geschmacklich so geworden ist, wie ich mir das vorstelle“, erklärte Döring. „Auch wenn ich sehr viele Fachbücher gelesen habe – letztendlich hilft nur brauen, brauen, brauen – mit jedem Sud lernt man wieder ein bisschen dazu. Kreativität und Leidenschaft sind natürlich super wichtig, aber vor allem braucht man Geduld, denn Bier benötigt Zeit zum Reifen.“

Als eine der kleinsten Brauereien in Deutschland braut Sommelier Nico Döring stets mit viel Liebe und Kreativität – die sich neben dem Geschmack auch in der Umschreibung der außergewöhnlichen Biere wiederspiegelt. Ab Dezember gibt es die „Schwarzbier Sause“ im Hotel Schloss Romrod zu kaufen. Foto: Hotel Schloss Romrod

Erstmalig in 2017 schickte Nico Döring seine Bierkreationen in internationale Wettbewerbe – mit spektakulärem Erfolg. Bereits das AaK (Abends am Kamin), ein Imperial Brown Stout wurde im Sommer beim Meininger International Craft Beer Award unter 970 Bieren aus 28 Ländern mit Platin als ein der besten 30 Biere weltweit ausgezeichnet. „Die Silbermedaille im European Beer Star setzt meinem persönlichen Bierjahr nun das Krönchen auf“, sagte Döring. „Eigentlich wollte ich nur beweisen, dass man nicht viel Platz und teures Equipment für ein gutes Bier braucht. Dass es nun weltweit zu den besten Craftbieren gehört, ist für mich mit Worten nicht zu beschreiben.“

Zur Weihnachtszeit ausgezeichnete Craftbiere auf Schloss Romrod

Die Nachfrage sei groß nach Schlossbieren aus dem „Atelier der Braukünste“ und die Kapazitäten seien begrenzt. Aktuell können Bierliebhaber in individuellen und öffentlichen Braukursen eigene Kreationen auf dem Schloss brauen – ob als Hochzeitsbier, Teambier oder besonderes Geburtstagsbier. Auch Biertastings mit unterschiedlichen Schlossbierkreationen sind als Event buchbar. „Aber die Nachfrage steigt so rasant an, dass wir sie mit unserer kleinen Brauerei nicht mehr bewältigen können“, erklärte Döring die Situation, dass keins der Biere im Moment im Schloss verfügbar ist. Kurz entschlossen hat sich der Braukünstler jedoch mit einer befreundeten Craftbier-Brauerei zusammengetan und dort werde ab Oktober mit viel Liebe und natürlich viel Handarbeit unter Dörings Leitung gebraut. „Ab Dezember sind das ‚Aak‘ (Abends am Kamin) und die ‚Schwarzbrot Sause‘ im Schloss erhältlich. Als zusätzliches Schmankerl haben wir noch ein Weihnachtsbier im Programm, so dass es eine wirklich neubierige Weihnachtszeit wird.“

Im Hinblick auf die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte habe sich der Fokus nicht verändert: „Natürlich ist der Reiz einer größeren Brauerei da, davon träumt jeder Brauer. Aber aktuell möchte ich weiter in meinem kleinen Atelier brauen – meine Neugier auf Neues und die Biervielfalt sind einfach zu groß. Aktuell haben wir über 120 Sorten von Malz, Hefe und Hopfen aus der ganzen Welt auf Lager, dazu kommen noch zahlreiche Gewürze wie z.B. Rosmarin oder Koriander“, erzählte Nico Döring. „Da will ich mich ausprobieren und vor allem besonderer Biere und von maximaler Qualität brauen, die sich vom Einheitsgeschmack der Großbrauereien abheben. Ich möchte möglichst viele Menschen für die neue Bierkultur und das Zuhause brauen begeistern und wenn ich gefühlt alles ausprobiert und verbraut habe, denke ich mal über eine größere Brauerei nach“, schmunzelte er.

Final zu erwähnen ist noch ein neues Projekt, das in den Startlöchern steht: Colloberation-Brewing. Hier tun sich Craftbier-Brauer zusammen und kreieren mit gebündeltem Wissen und Kreativität neue Geschmackswelten. Wir dürfen gespannt sein und werden sicher noch einige bierige Überraschungen aus Romrod erleben.