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Am Montagnachmittag fand im Rathaus eine Pressekonferenz zum bevorstehenden Luther-Marktspiel statt„Für Martin war Gott ein Backofen voller Liebe“

ALSFELD (bk). „Luther war ein toller Kerl“, stellte Johanna Mildner, Autorin und Intendantin des Luther Marktspiels „Mein lieber Schwan!“ ausdrücklich klar. Trotz aller Kontroversen gegen Martin Luther hätte er vieles auf die Beine gestellt. Allem voran sei er über Alsfeld gekommen und hätte die „neue Religion“ gebracht. Zum Thema fand am Montagnachmittag eine Pressekonferenz im Rathaus statt, welche die Ankündigung für die Lutherspiele als Inhalt hatte.

Vor fast zwei Jahren wurde Johanna Mildner zum ersten Mal gefragt, ob sie zum Lutherjahr ein Stück schreiben möchte. Dies war der Auftakt für Mildner sich in das Thema zu verbeißen. Schnell musste sie erkennen, das hinter der Figur des Martin Luther ein interessanter und kontroverser Mann steckte, der neben seinem Auftreten und seinen frauenfeindlichen Kommentaren weit mehr zu bieten hatte.

Ein kleiner Auszug aus dem bevorstehenden Theaterstück. Fotos: bk

„Es geht nicht um Luther, sondern um die Reformation“

Gleichzeitig merkte sie jedoch auch, dass es „viel zu viel Stoff und Material“ für eine Person war und holte sich mit Jenny Wagner eine kompetente Hilfe an Bord. „Theater ist dafür da, um Dinge zu behaupten und Spaß zu machen“, stellten sowohl Milder als auch Wagner heraus. Es sei keine Wiedergabe historischer Fakten sondern ein Mix aus Kontroversen und eigenen Eindrücken.

Deshalb nimmt in dem geplanten Schauspiel die Ehefrau Katharina eine wichtige Rolle ein, denn die Autoren sind sich sicher: „Ohne Katharina wäre Martin Luther sicherlich nichts gewesen“. Sie hätte ihm den Rücken gestärkt und seine Taten überhaupt erst ermöglicht. Johanna Mildner stellte heraus: „Es geht nicht um Luther, sondern um die Reformation“.

Die starke Rolle der Katharina wurde eindrucksvoll bewiesen, als eben diese, gespielt von Vicky Gabriel zusammen von Helmut Berger in der Rolle des Alsfelder Reformators Tilemann Schnabel den Sitzungssaal des Rathauses stürmten und eine kleine Kostprobe ihrer Rollen gaben. Die prächtigen Kostüme sind durch Ellen Streichfuß, Praktikantin im Bereich Maßschneiderei an der Max-Eyth-Schule unter der Aufsicht von Ruth Henkel entstanden. Insgesamt wurden von Henkel und ihren Klassen zirka 30 Kostüme für 22 Darsteller geschneidert und man hätte sogar sechs Kostüme zukaufen müssen.

Die Teilnehmer der Pressekonferenz zum Luther-Marktspiel Foto: bk

Nicht nur auf der Theaterbühne wartet ein großes Spektakel

Neben den Theateraufführungen am 26. und 27. August jeweils um 17 Uhr fände ein mittelalterlicher Markt in Anlehnung an den Historischen Markt aus früheren Zeiten statt. Die zahlreichen Stände und Aussteller würden bereits ab 11 Uhr ihre Pforten öffnen, wobei die Frage bleibt: Zahlreich? Laut Aussage von Marion Jäckel vom Tourist-Center Alsfeld seien aktuell von den 70 zu vergebenen Standplätzen erst zirka 20 Plätze vergeben. Auch das Pauschalangebot zum Festwochenende würde derzeit nur mäßig genutzt. Doch die Hoffnungen des TCA und von Bürgermeister Stephan Paule lägen auf den nächsten sechs Wochen, die bis zum Start des Events verbleiben.

Fest stünde, dass der Thesenanschlag nachgestellt werden und eine Druckerpresse den Leuten einen Einblick in das komplizierte Druckverfahren vor 500 Jahren bieten soll. Auch für das leibliche Wohl sei mit genügend Verkostungsständen gesorgt. Hierbei soll es sich teilweise sogar um traditionelle Speisen der damaligen Zeit handeln. Verraten wurde bereits, dass es einen „Klostertrunk“ geben soll und auch sonst seien die Stände auf das Thema „Mittelalter“ bezogen. Die sei somit anders als beim Kräuter- und Märchentag, wo man die Kräuter wahrlich hatte suchen müssen.

Luther kommt nicht – oder doch? Foto: bk

Die Vergangenheit einfangen und zum Teil der Moderne machen

„Wir wollen den Flair der Zeit wieder auffangen“, gestand Paule. „Es sind 200 Sitzplätze auf Stühlen und einige Stehplätze auf dem Marktplatz geplant“, gab Jäckel zum geplanten Umfang an. Waren die Besucherzahlen der damaligen Historischen Märkte nicht weit im tausender Bereich, fragt man sich unumgänglich – Wie soll das funktionieren? „Es wird eine Sicherheitsfirma engagiert“, erläuterte Jäckel.  Dies erscheint zunächst nicht sonderlich beruhigend.

Paule übernam jedoch sofort das Wort und meinte: „Wenn der Platz voll ist, werden die Sicherheitskräfte die Menschen abweisen“. Auf die Nachfrage, ob das auch funktioniere und wie das konkret umgesetzt würde, schien man nicht sonderlich begeistert. „Das muss es, das wird bei allen größeren Veranstaltungen so gemacht“, war die abschließende Aussage. Bleibt nur zu hoffen, das die Veranstaltung ein voller Erfolg wird und es zu keinen Komplikationen kommt.

 

4 Gedanken zu “„Für Martin war Gott ein Backofen voller Liebe“

  1. Wie kann man denn im Vorfeld das Fest schon so schlechtreden? Für mich ein Zeichen schlechter Pressearbeit. Ich jedenfalls freue mich schon darauf und wünsche allen Beteiligten gutes Gelingen und noch viele, wunderbare Ideen.

  2. Der Redakteur war wohl mindestens auf einem Auge blind. Kräuterstände waren genug auf dem Markt und in einem anderen Beitrag von Oberhessen-Live wurde die TV-Moderatorin, Fernsehredakteurin Filmemacherin und Märchenerzählerin Michaele Scherenberg, mit keinem Wort erwähnt.
    Auf dem letzten Historischen Markt waren ca. 30 Stände und keine 90.
    Der Herr oder die Frau „Nachdenklich“ war anscheinend mit dem Redakteur unterwegs und noch blinder! Kommentare und Meinungen kann jeder abgeben, aber man sollte schon fair bleiben.
    Seinen Namen sollte man natürlich auch unter seinen Kommentar setzen, oder gibt es was zu verbergen?
    Nun lese ich den sehr guten Beitrag von Vicky Gabriel und muss mit bedauern feststellen, der Redakteur hat auch große Probleme mit seinem Gehör.
    Finde ich schon irgend wie komisch, solche Artikel.

  3. Von 70 Standplätzen erst 20 vergeben? 200 Sitzplätze und der Rest wird abgewiesen? Was treibt ihr da? Was ist denn das für ein Gemurks? Früher waren tausende Menschen auf dem historischen Markt. Schon der Kräutertag war schlecht, die Besucherquittung werdet ihr nächstes Jahr bekommen. Der Markt war lieblos, nicht authentisch zum Motto und mehr ein krammarkt den ein Kräuer und Märchentag. Höchste Zeit für Selbstkritik und Warnlampen an im TCA.

  4. Nun, der Ton, in dem dieser Beitrag geschrieben wurde, legt bei mir den Eindruck nahe, der Autorin sei eher daran gelegen, dass die Verantstaltung kein Erfolg wird.

    Offensichtlich hat sie die eine oder andere Information, die ihr heute vermittelt wurde, nicht verstanden. So sind keineswegs 70 Stände geplant – diese Zahl entspricht einem normalen Markt und kann beim Lutherspektakel gar nicht erreicht werden, da ein großer Teil des Marktplatzes von der Bühne und der Bestuhlung beansprucht werden wird.

    Auch ist es unsinnig, die Besucherzahlen bisheriger „historischer Märkte“ mit den zur Verfügung stehenden Sitzplätzen des Lutherspektakels zu vergleichen, das eben kein historischer Markt ist. Falls die Autorin die Besucherzahlen früherer Marktspiele gemeint hat (wovon sie im Übrigen während des Pressetermins auch sprach), hat man ihr erklärt, dass diese weitaus öfter aufgeführt wurden als das Lutherspektakel und sich aus mehr Aufführungen natürlich auch höhere Besucherzahlen ergeben.

    Auch die Aussage, es seien 200 Sitzplätze und „einige Stehplätze“ geplant, trifft nicht zu. Vielmehr machte Johanna Mildner deutlich klar, dass über diese Sitzplätze hinaus der gesamte restliche Marktplatz als Zuschauerbereich geöffnet werde und sie hoffe, ihn auch vollständig füllen zu können.

    All dies ist während des Pressetermins auch von Hernn Bürgermeister Paule geduldig erklärt worden. Als bei diesem Termin anwesende Person frage ich mich ein wenig verwundert, warum die dort vermittelten Informationen in diesem Artikel nicht bzw. recht verworren und teilweise in nicht zutreffender Form wiedergegeben wurden. Darin besteht der Sinn eines Pressetermins nun wirklich nicht. Vielmehr löst der Ton dieses Artikels in mir den Eindruck aus, die Autorin sei von vornherein mit der Absicht zu diesem Termin erschienen, die geplante Veranstaltung negativ zu betrachten – ganz egal, welche Informationen sie dazu erhalten würde. Ein wenig mehr journalistische Distanz wäre hier vielleicht besser gewesen.

    Glücklicherweise bin ich keine Journalistin, sondern nur als Schauspielerin in das Lutherspektakel ivolviert, und deshalb kann und darf ich ganz subjektiv beeinflusst sagen, dass wir hier eine wunderschöne Sache auf die Beine stellen, die uns eine Riesenfreude macht und ohne das Engagement sowie die Kompetenz aller Planer, Begleiter und Organisatoren dieser Veranstaltung nicht möglich wäre – sei es nun Johanna Mildner, Jenny Wagner, Marion Jäckel, Herr Bürgermeister Paule oder auch Ellen Streichfuss. Und jemand, der so etwas noch nie selbst durchgeführt hat, sollte es, finde ich, nicht von vornherein schlechtreden. Natürlich ist nicht immer alles perfekt, aber diese Unvollkommenheit kann nur vermeiden, wer gar nichts auf die Beine stellt – und das kann ja wohl kaum im Sinne unserer Stadt sein.

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