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Klasse 9d der Alexander-von-Humboldt-Schule spendete 425 Euro an ein Waisenheim in Zimbabwe„…weil uns bewusst wurde, wie gut wir hier leben“

LAUTERBACH (ol). Es ist nun zwar schon eine ganze Reihe von Jahren her, dass Gerhard Steinebach als Lehrer mit einigen anderen deutschen Pädagogen drei Jahre lang in Zimbabwe unterrichtet hat, losgelassen haben ihn das Land und seine Menschen jedoch nie.

Zu sehen, unter welch schweren Bedingungen die Menschen in dem von Korruption und extrem hoher Arbeitslosigkeit geprägten Land bis heute leben und dennoch irgendwie versuchen, das Beste daraus zu machen, hat ihn nachhaltig beeindruckt, auch weil er weiß, dass es nur ein großes Glück ist, woanders geboren zu sein und so viel besser zu leben, das teilte die Schule in einer Presseinformation mit.

Darüber sprach er mit seinen Schülerinnen und Schülern der Klasse 9d der Alexander-von-Humboldt-Schule im Englischkurs. Das Thema passte zum Unterrichtsstoff und schnell war die Idee geboren, den Menschen in Zimbabwe zu helfen. Ein passendes Projekt war schnell gefunden, denn seit langem kümmern sich Steinebach und seine damaligen Kollegen immer noch ganz besonders um ein Waisenheim in der Stadt Gweru.

Schulbesuch und Unterrichtsmaterialien sind dort teuer

„Im Midlands Children Home Rosedale werden gut 60 Kinder und Jugendliche betreut“, berichtete Steinebach. „Ihre Eltern sind größtenteils an AIDS gestorben, ihre Verwandten leben nicht mehr oder können sich nicht um die Kinder kümmern.“ Denn Zimbabwe ist ein armes Land: Als Folge jahrzehntelanger Misswirtschaft unter dem Machtapparat des inzwischen 93-jährigen Präsidenten Mugabe haben sich eine Hyperinflation und eine Arbeitslosigkeit von mehr als 90 Prozent entwickelt. Geld spielt in dem Land im Alltag kaum eine Rolle, die Menschen behelfen sich meist untereinander – irgendwie. Allerdings kostet beispielsweise ein Schulbesuch Geld und auch Unterrichtsmaterialien sind nicht kostenlos.

Auch Lehrer Gerhard Steinebach freute sich besonders über die Spende. Foto: Schlitt

Geld, das insbesondere die Waisenkinder nicht haben. Das Midlands Children Home Rosedale stellt seinen jungen Bewohnern Wohnraum und Bildung zur Verfügung, es existiert nur von Spenden. „Die allerdings gehen ohne Umwege direkt dorthin“, verspricht Steinebach, der selbst mit der Antoniuspfarrei, dem Partner der Heimleitung, zusammenarbeitet und die Spende der Schülerinnen und Schüler stellvertretend entgegennahm. „Wir bekommen von dort auch immer sehr detaillierte Berichte über die Verwendung der Spendengelder“, sagte Steinebach, der weiß, dass für den Unterhalt des Heims hohe Summen anfallen.

Charity-Vokabelprojekt für den guten Zweck

Doch wie kam die gespendete Summe überhaupt zustande? „Wir haben anstelle eines Charity-Laufs ein Charity-Vokabelprojekt gestartet“, berichteten die Schülerinnen und Schüler der 9d. Dabei ging es darum, in 30 Minuten englische Vokabeln und ihre deutsche Bedeutung aufzuschreiben – aus dem Kopf; Wörter, die die Jugendlichen bisher im Englischunterricht gelernt hatten und die ihnen spontan einfielen. In den Familien wurden Sponsoren gesucht, die für jedes richtige Wortpaar eine bestimmte Summe boten. 5 bis 10 Cent pro Vokabel riefen die Eltern, Großeltern oder Freunde der Familie auf, sodass bei den guten Leistungen der Schülerinnen und Schüler am Ende die schöne Summe von 425 Euro zustande kam. Die besten Teilnehmer kamen übrigens auf 216 Wortpaare in 30 Minuten, also gut sieben pro Minute! Auch dieses Ergebnis kann sich sehen lassen.

„Die Bereitschaft, sich für diesen Vokabel-Marathon anzustrengen, war hoch, ebenso die Spendenbereitschaft in den Familien“, freute sich der engagierte Lehrer, „niemals hätte ich mit so einer großen Summe gerechnet.“ Dass das so war, lag sicher auch an der guten Vorbereitung: Gerhard Steinebach hatte selbst Bild- und Filmmaterial mitgebracht. Seine Berichte von Besuchen vor Ort beeindruckten die Schülerinnen und Schüler, fragen konnten direkt beantwortet werden. „Da bleibt wirklich mehr hängen, als wenn man einfach nur was liest oder einen Film ohne persönlichen Bezug schaut“, bestätigten sie, und: „Uns ist einmal mehr bewusst geworden, wie gut wir hier leben.“ Für sie ist „Irgendwo in Afrika“ jetzt ihr Waisenheim in Zimbabwe. Mit den Kindern und Jugendlichen dort wollen sie einen Briefverkehr aufbauen, erste Kontakte sind geknüpft.