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Kommentar zum Youtubefilm über den VogelsbergSagt mir, warum ich hierbleiben soll!

MEINUNG| Es soll ein peppiges Statement für den Vogelsberg sein. Mit einem Videoclip auf Youtube will der Landkreis zeigen, was in ihm steckt. Doch was jung, frisch und dynamisch wirken soll, erinnert eher an einen mäßigen Cluburlaub Ende der 90er. Ein Kommentar von Oberhessen-live–Redakteur Juri Auel.

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Im Grunde kann man die Motivation des Landkreises, diesen Imagefilm zu drehen, mit der alten Volksweisheit zusammenfassen. Es geht um das alte Problem: Die Jungen ziehen weg, die Alten bleiben übrig. Demografischer Wandel, wie der Fachmann die Landflucht heute nennt. Dagegen muss man was tun, dachte man sich im Landratsamt. Und weil man die Leute nicht mit den immer gleichen Parolen wie „Infrastruktur muss erhalten werden“ und „Daseinsvorsorge ist das A und O “ langweilen wollte, entschloss man sich, ein Video zu drehen, um die Jugend in der Region zu halten.

Das Video: So wirbt der Vogelsberg im Netz für sich

Das Ergebnis: Auf einem Parkplatz am Rande des Lauterbacher Prämienmarktes bewegt  ein Haufen Menschen zu dem im Auftrag des Landkreises komponierten Song „Wir sind Vogelsberg“ rhythmisch die Arme und Beine, stellt Vulkane nach. Vortänzer achten auf die Einhaltung der Choreografie. Dazu laufen am unteren Bildrand dann doch die altbekannten Phrasen der Politik durch: Landrat Görig: „Wir werden alle vorhandenen Handlungsspielräume zum Erhalt der wohnortnahen Grundschulen nutzen.“ Autsch. Mehr Beamtensprech geht nicht.

Dazu sieht man eigentlich nur ein Meer hüpfender Regenschirme. Denn am Tag, als der mit Bundesmitteln geförderte schwarz-weiß Film gedreht wurde, schiffte es wie aus Eimern. Was ein Aufruf sein soll, seiner Heimat nicht den Rücken zu kehren, weckt die verdrängten Erinnerungen an die Club-Tänze in den Partyhotels dieses Planeten Ende des vergangenen Jahrhunderts.

Der Betrachter stellt sich die Frage: Wo sind die Argumente, in der Region zu bleiben? Wo bleiben die Bilder der traumhaften Alsfelder Altstadt? Wann kommen die Mountainbiker, die über den Vogelsberg donnern? Wann erfahre ich mehr über die guten Schulen in unserem Kreis? Was ist mit Ausbildungsmöglichkeiten? Wo ist das Wellenbad Lauterbach? Wo die Sommerrodelbahn Hoherodskopf? Wo die zahlreichen malerischen Dörfer?


Hauptsache, was mit Youtube

Der Clip wirkt krampfhaft innovativ. Als ob sich die Planer gedacht hätten: Hauptsache, was mit Youtube, und diesen Flashmops, wie die mehr oder weniger spontanen Ansammlungen von Menschen, die ein und dasselbe tun, heute heißen. Man sei sich bewusst, dass der Film kein Meisterwerk sei, heißt es aus dem Landratsamt. Aber bei einem Budget von 1000 Euro und einer Filmlänge von 2.50 Minuten sei nicht mehr drin gewesen.

Da mag was dran sein. Der Imagefilm der Stadt Borken in Westfalen hat erheblich mehr gekostet und ist fast doppelt so lang, dafür zeigt er allerdings auch, wie ein gelungenes Statement zu einer Region aussehen kann.