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Vogelsberger vhs unterstützt mit Kurs in Alsfeld beim gelungenen Übergang in einen neuen LebensabschnittVon 120 auf 0: Bildungsurlaub bereitet auf den Ruhestand vor

VOGELSBERGKREIS (ol). Ein besonderer Bildungsurlaub der Vogelsberger vhs in Alsfeld hilft Berufstätigen, sich auf den Ruhestand vorzubereiten. Kursleiterin Petra Knoth-Repp vermittelt Strategien für die mentale und praktische Gestaltung dieser Lebensphase. Teilnehmer aus der Region berichten von wertvollen Impulsen und neuen Perspektiven.

Noch ist der Kalender proppenvoll, Meetings, Videokonferenzen, Telefonate, Dienstreisen – normaler Berufsalltag eben. Und dann der radikale Schnitt: Kein Wecker am Morgen, kein klingelndes Handy, kein einziger Termin – plötzlich Rentner. Wie kann man diesen „Übergang meistern“? Und schon sind wir genau beim Thema und damit der zentralen Frage eines ganz besonderen Bildungsurlaubs, den die Vogelsberger vhs in Alsfeld anbietet. Das Ziel ist ebenfalls im Titel festgeschrieben: „Aktiv und erfüllt in den Ruhestand starten“, berichtet die Kreisverwaltung in einer Pressemitteilung.

„Der Übergang vom Beruf in den Ruhestand – das ist eine sehr prägende Phase. Man weiß oft nicht, wie es weitergehen soll. Organisatorische Dinge lassen sich gut klären, aber die mentale Seite…“, weiß Petra Knoth-Repp aus Erfahrung. Der dicke Ordner, der vor ihr liegt, zeugt in der Tat von der Komplexität des Themas. „Ich habe viel mit Menschen in Übergangsphasen zu tun gehabt“, blickt die Kursleiterin zurück. Schon einige dieser Bildungsurlaube hat sie angeboten – nun auch in Alsfeld. Eine Frau und vier Männer haben ihn gebucht, eine Woche lang sprechen sie über finanzielle Planungen, über gesundes Älterwerden, ihr Zukunfts-ICH und über Ruhestands-Phasen, in die laut Knoth-Repp jeder reinrutscht. Zuerst kommt die Honeymoon-Phase („Endlich die große Freiheit, man kann machen, was man will.“), dann stellt man sich die Frage, ob man vielleicht doch noch etwas Neues braucht, um das Leben zu erfüllen, es folgen Versuch und Irrtum, „und wenn man etwas versucht und es klappt, dann folgt die Erfüllung – und daran arbeiten wir“, schmunzelt Petra Knoth-Repp.

Zunächst einmal geht es um die letzten Monate und Jahre im Beruf. Die Teilnehmer des Kurses sind allesamt noch berufstätig, der Renteneintritt indes zum Teil schon konkret terminiert. „Mich interessiert, wie andere mit dem Thema umgehen“, nennt Thomas seine Motivation, den Bildungsurlaub zu buchen. Viele Bereiche sind ihm wichtig – Gesundheit, Zeit und Finanzen zum Beispiel. „Aber der Kurs bildet noch so viel mehr ab, ich finde ihn super-gut, er geht über das Heute hinaus in die Zukunft“, betont Thomas. „Ich kann nur jedem diesen Kurs empfehlen, er bietet sehr gute Ansätze, liefert praktisch einen Rundumblick.“

Foto: Sabine Galle-Schäfer/Vogelsbergkreis

„Ich bin jetzt 61 und arbeite bei einem großen Hightech-Unternehmen, wir werden gepusht, wir bekommen Schulungen und Förderungen – alles auf high level“, berichtet Michael aus seinem Berufsleben. Wie kann man auch nach dem Übergang in die Rente ein gewisses Level halten, fragte er sich, dann wurde er auf das Kursangebot in Alsfeld aufmerksam. „Der Titel „den Übergang meistern“ sprach mich an. Ich musste und wollte diesen Lehrgang mitmachen und nach Tag vier stehe ich zu 100 Prozent dahinter,“ schwärmt der 61-Jährige. „Die Kollegen hier haben mir so viele Tipps gegeben. Ich glaube, das ist der beste Bildungsurlaub, den ich je hatte.“

„Mir geht es genauso“, pflichtet Erik bei. „Ich bin immer up to date, immer die neuesten Entwicklungen…“ Man ist stets beschäftigt „und man hat wenig Zeit, die man füllen muss“. Zeit, die in der Rente dann plötzlich zuhauf zur Verfügung steht. „Ich habe hier gute Anregungen erhalten, wie man die 24 Stunden am Tag füllen kann – möglicherweise durch eine nebenberufliche Beschäftigung.“

Hans-Peter lässt sich gerne auf Herausforderungen ein „und der Kurs hier ist schon eine Herausforderung“, gesteht er, schließlich kommen Leute aus ganz unterschiedlichen Arbeitsbereichen zusammen – aber mit der gleichen Fragestellung.

Der Kurs setzt, so bestätigt Monika, „viel Reflexion und Nachdenken in Gang“, sie hätte sich gewünscht, ihn schon früher besucht zu haben, um mehr Vorlauf zu haben. „Es gibt immer wieder Informationen, die man für sich abwägen muss.“ Monika hatte schon „viele Ideen für ihren Ruhestand, im Kurs sind jetzt noch viele hinzugekommen. Ich werde aussortieren müssen“, sagt sie.

„Ich nehme mir erst einmal drei Monate Auszeit“, so Eriks Plan für den Ruhestand. In dieser Zeit will er sich keine neue Arbeit suchen, kein neues Projekt anfangen, stattdessen will er viel reisen. Und nach dem Vierteljahr kann er sich vorstelle, im Bereich Eventmanagement tätig zu werden, Vorträge zu halten „und ich kaufe mir eine Dauerkarte fürs Freibad“.

„Ich habe viel mit alten Menschen zu tun, das werde ich auch im Ruhestand beibehalten“, kündigt Hans-Peter an. Thomas ist schon jetzt im Nebenberuf selbstständig tätig, er kann sich vorstellen, dasauszubauen. Er will viel in der Natur sein und vielleicht auch Einkaufsdienste für Senioren erledigen. Sein Credo: „Es soll ja Spaß machen, es soll kein Druck werden.“

„Ich werde nicht mehr in die Firma fahren, das ist zu weit“, sagt Michael. Grundsätzlich will er etwas machen als Rentner, was genau weiß er noch nicht, Ideen hat er viele. Kontakt zu Menschen ist im wichtig, er will unterstützen und helfen. Und werkeln will er, handwerklich etwas leisten, auch das kann er sich vorstellen.

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