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Ein Jahr Fachstelle gegen sexualisierte GewaltErfolgreiche Bilanz im Landkreis

VOGELSBERGKREIS (ol). Die Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt im Vogelsberg blickt auf ihr erstes Jahr unter neuer Trägerschaft zurück. Seit April 2025 haben mehr als 70 Betroffene Unterstützung in Anspruch genommen. Neben Beratung setzt die Einrichtung auch auf Prävention und Aufklärung. Ziel ist es, Betroffenen niedrigschwellige Hilfe anzubieten und Fachkräfte zu stärken.

Vor genau einem Jahr hat die Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt im Vogelsberg ihre Arbeit unter neuer Trägerschaft aufgenommen, heißt es in der Pressemitteilung der Vogelsberger Lebensräume gGmbH. Den Zuschlag erhielten die Vogelsberger Lebensräume (VLR) im Rahmen einer Ausschreibung des Landkreises. Ziel der Neustrukturierung war es, die Fachstelle aus dem Jugendamt auszugliedern, um Betroffenen einen leichteren Zugang zu Hilfsangeboten zu ermöglichen und gleichzeitig die Neutralität des Jugendamtes zu wahren.

Finanziert wird die Fachstelle sowohl durch den Landkreis als auch durch Landesmittel aus kommunalen Töpfen. Nach Einschätzung von Celine Schwarzer, einer Mitarbeiterin der Fachstelle, ging der Übergang nahtlos ineinander über: „Allein im Zeitraum von April bis Dezember 2025 suchten über 70 Betroffene Unterstützung bei der Fachstelle.“

Im Zentrum der Arbeit stehen Kinder und Jugendliche, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Darüber hinaus richtet sich das Beratungsangebot auch an Eltern sowie Fachkräfte aus der Jugendarbeit, etwa in Kitas, Schulen oder anderen Organisationen. Die Fachstelle unterscheidet dabei zwischen sogenannten „Hands-off“-Delikten, bei denen kein körperlicher Kontakt stattfindet, etwa bei der Erstellung oder Verbreitung von Nacktbildern, und „Hands-on“-Delikten, die tatsächliche körperliche Übergriffe beinhalten.

In vielen Fällen wenden sich neben den Betroffenen auch Eltern oder Pädagogen an die Beratungsstelle, um Unterstützung zu erhalten. „Wir stellen nicht infrage, was Beteiligte berichten, schenken ihnen Glauben und helfen sowohl bei der Alltagsbewältigung als auch in akuten Krisensituationen“, erklärt Celine Schwarzer. In dringenden Fällen griffen bestehende Netzwerke schnell ineinander, um umfassende Hilfe zu gewährleisten, so Schwarzer. Die Beratung kann dabei einmalig erfolgen oder sich über einen längeren Zeitraum erstrecken – je nach individuellem Bedarf.

Neben der direkten Beratung setzt die Fachstelle auch auf Prävention und Aufklärung. Mitarbeitende besuchen regelmäßig Schulen, Kitas und andere Jugendhilfeträger, stellen ihre Arbeit vor und verteilen Informationsmaterialien speziell für Kinder und Jugendliche.

Der Leiter der VLR, Tobias Rübbert, plant, das Angebot künftig weiter auszubauen. Aufgabe der Mitarbeitenden der Fachstelle ist es, Fachkräften in sensiblen Bereichen, wie zum Beispiel Erzieherinnen und Erziehern, Handlungssicherheit im Alltag zu geben und diese zu stärken.

„Trotz der positiven Entwicklung bleibt sexualisierte Gewalt ein sensibles und oft tabuisiertes Thema. In den meisten Fällen finden Übergriffe im direkten Umfeld der Betroffenen statt. Da sind Scham und Verdrängung besonders groß“, betont Rübbert. Umso wichtiger sei es, ein geschärftes Bewusstsein für das Thema zu entwickeln – sowohl in der professionellen Arbeit als auch in der Gesellschaft insgesamt.

Kontakt

Vogelsberger Lebensräume gGmbH
Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt
Telefon 0151 55 025 901
E-Mail: fachstelle@vb-l.de

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