
Verkehrsbericht 2022 des Polizeipräsidiums OsthessenWeniger Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang
REGION (ol). Die Anzahl der polizeilich registrierten Verkehrsunfälle in Osthessen ist in 2022 gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das war im ersten Jahr nach Wegfall nahezu aller Pandemie-Beschränkungen zu erwarten. So erhöhte sich die Zahl um 615 auf 10.760 Unfälle. Damit liegt der Wert aber noch deutlich unter dem Vor-Corona-Jahr und rund sieben Prozent unter dem Mittelwert der Jahre 2017 bis 2019.
Trotz des Anstiegs reduzierte sich die Zahl der Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang, schreibt das Polizeipräsidium Osthessen. Bei 19 Verkehrsunfällen verloren 20 Verkehrsteilnehmende ihr Leben. Dies sei der niedrigste Wert seit Bestehen des Polizeipräsidiums (2001: 76 Personen). Bei der Anzahl der Schwerverletzten ist ein leichter Anstieg von 439 auf 448 Menschen zu verzeichnen. Ähnlich entwickelte sich die Zahl der Leichtverletzten, die um 268 auf 1.655 stieg. Insgesamt liegen diese Werte unter den Zahlen der Vor-Corona-Jahre.
„Eines unserer Hauptziele muss es sein, die Verkehrsunfallzahlen zu reduzieren,
insbesondere die mit schweren Folgen. Hinter all den statistischen Werten stecken persönliche Schicksale und nicht selten bleiben bei den Betroffenen Spätfolgen oder schmerzliche Erinnerungen zurück“, so Polizeipräsident Michael Tegethoff. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Polizeipräsidiums arbeiten mit gezielten Maßnahmen, wie Verkehrskontrollen und Unfallbekämpfungskonzepten, tagtäglich daran, die Gefahren im Straßenverkehr zu reduzieren. Der osthessische Anteil an den Gesamtunfallzahlen des Landes Hessen (137.260) beträgt 7,8 Prozent.
Die Anzahl von Unfällen, an denen ein Kind beteiligt war, sank laut Pressemitteilung im Vergleich zum Vorjahr um 6,3 Prozent. „Leider verdoppelte sich die Zahl der Schulwegunfälle auf sechs, liegt aber noch deutlich unter dem Wert von 2019 mit elf Unfällen, so das Polizeipräsidium. In den Jahren 2020 und 2021 hatten sich der Distanz- und Wechselunterricht positiv auf die Entwicklung ausgewirkt. Nachdem drei Jahre kein Kind bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt war, verstarb in 2022 tragischer Weise ein Kind bei einem Unfall auf der A4.“
Steigerung der Unfallzahlen bei fast allen Verkehrsbeteiligungen
Pkw waren bei über 85 Prozent der Verkehrsunfälle im zurückliegenden Jahr beteiligt, heißt es in dem Bericht. „Somit stellt diese Gruppe mit Abstand die größte Verkehrsbeteiligung dar. Im Vergleich zum Vorjahr kam es in 2022 zu einer Steigerung um 5,6 Prozent auf 9.168 Verkehrsunfälle. Gleichzeitig gingen die Unfälle mit tödlichem Ausgang um 38,5 Prozent auf acht Fälle zurück.“
Die Zahl der Verkehrsunfälle unter der Beteiligung von Fahrrädern bleibe mit 185 weiterhin unter dem Wert vor der Pandemie (2019: 189 Unfälle). Dabei bleibe der prozentuale Anteil der Verunglückten relativ hoch. Bei über 83 Prozent der Unfälle kamen Personen zu Schaden. Außerdem sei auffällig, dass bei 11,9 Prozent der polizeilich aufgenommenen Unfälle Radfahrende aufgrund des Konsums von Alkohol und/oder anderer berauschender Mitteln nicht verkehrstüchtig waren. Hinsichtlich der Gesamtunfallzahlen Osthessens liege der Wert bei rund 2,6 Prozent.
Bei der Anzahl registrierter Verkehrsunfälle, an denen ein Pedelec beteiligt war, sei eine
deutliche Steigerung zu verzeichnen. Im vergangenen Jahr sei der Wert um 54,5 Prozent
auf 102 gestiegen. Dies bedeute, dass in den letzten vier Jahren nahezu eine Verdreifachung der Unfallzahlen in dieser Fahrzeugkategorie stattgefunden habe. Ebenfalls stieg die Zahl der Verunglückten um rund 55 Prozent deutlich auf 98 an. Somit wurden bei nahezu 96 Prozent der Unfälle Pedelec-Fahrende verletzt, in 33 Prozent der Fälle sogar schwer. Vier Personen verloren im abgelaufenen Jahr ihr Leben.
Die Entwicklung im Bereich der Pedelec-Unfälle könnte mit der zunehmenden Beliebtheit dieser Zweiräder und der damit wachsenden Anzahl der Fahrzeuge im öffentlichen Verkehrsraum zu tun haben, so die Polizei. Erstmals wurden in 2022 sogenannte Elektrokleinstfahrzeuge in der Verkehrsunfallstatistik aufgeführt. Dazu zählen unter anderem Segways und elektrische Tretroller. Auch in Osthessen treten diese Fahrzeuge mittlerweile immer häufiger im Verkehrsgeschehen auf. Im vergangenen Jahr wurden 25 Verkehrsunfälle polizeilich registriert. In 84 Prozent der Fälle wurde eine Person verletzt, 19 Verkehrsteilnehmende leicht, zwei schwer.
Hauptunfallursachen bei schweren Verkehrsunfällen
Auch in 2022 waren „überhöhte Geschwindigkeit“ (327 Unfälle), „zu geringer Abstand“ (263
Unfälle) und „Vorfahrtsverletzungen“ (240 Unfälle) die Hauptunfallursachen bei
Verkehrsunfällen mit Personenschaden, wie es in dem Verkehrsbericht heißt. Somit setzte oftmals vermeidbares und laut Polizei sinnloses Verhalten die Ursache für hunderte von Verletzten und mehrere Tote im Straßenverkehr.
Im vergangenen Jahr wurde erstmals die Unfallursache „Ablenkung“ statistisch erfasst, die
sich bei Unfällen mit Personenschaden mit 199 Unfällen auf Platz vier einreiht. Unter
„Ablenkung“ fällt beispielweise die vorschriftswidrige Nutzung eines Mobiltelefons oder
Navigationsgeräts.
Anzahl von Unfällen unter Alkohol- und Drogeneinfluss steigt
Die Anzahl von Verkehrsunfällen, bei denen mindestens eine beteiligte Person unter dem
Einfluss von Alkohol und / oder berauschender Mittel stand, steigerte sich laut Bericht in 2022 um 14,6 Prozent auf nunmehr 283 Verkehrsunfälle. Dies sei seit 2009 der höchste Wert. Bei Verkehrsunfällen mit Personenschaden gab es eine Erhöhung um 30 Prozent von 96 auf 125 Fälle. Bei etwa 44 Prozent der Unfälle wurden Unfallbeteiligte verletzt oder gar getötet.
Betrachte man das Gesamtunfallgeschehen Osthessens, so liege der prozentuale Anteil von Unfällen mit verunglückten Personen mit 14,7 Prozent vergleichsweise deutlich niedriger. Neben verstärkten Verkehrskontrollen im Streifendienst, Schwerpunktkontrollen zu besonderen Anlässen und der Beteiligung an überregionalen Bekämpfungskonzepten, setzt die osthessische Polizei auch weiterhin auf eine verstärkte Präventionsarbeit in den Medien und bei Veranstaltungen, um diese Unfallursache gezielt zu bekämpfen.
„Immer wieder fallen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten Fahrerinnen und Fahrer auf, die unter dem Einfluss von Alkohol und/oder Drogen ein Fahrzeug führen. So wurden 2022 insgesamt 719 sogenannte folgenlose Trunkenheitsfahrten registriert (2021: 707). Auffällig sei insbesondere die Steigerung bei der Anzahl der festgestellten folgenlosen Fahrten unter Alkoholeinfluss.“ Hier sei ein Anstieg um 11,5 Prozent auf 292 Fälle zu verzeichnen. Dies hänge sicherlich zum Teil mit einer intensivierten Ausbildung der Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten und damit mit der besseren Erkennung entsprechender Fahrzeugführinnen und -führer zusammen, heißt es.
Weniger Wildunfälle in 2022
Wildunfälle machten auch im vergangenen Jahr mit 25,2 Prozent einen erheblichen Anteil des Gesamtunfallgeschehens in Osthessen aus. Die Fallzahlen seien im Vergleich zu 2021 um 6,3 Prozent auf 2.712 Unfälle leicht gesunken. Dies sei der Tiefstwert der letzten fünf Jahre. Leider stieg die Anzahl der Verunglückten von 26 auf 42 um 61,5 Prozent an, jedoch verlor erneut keine Person ihr Leben, vier Personen wurden schwer- und 38 Personen nur leichtverletzt, heißt es. Insgesamt kommen glücklicherweise bei derartigen Unfällen nur selten Menschen zu Schaden. In rund 99 Prozent der Fälle blieb es auch 2022 bei Sachschaden.
Fast jede zweite Verkehrsunfallflucht geklärt
Die Anzahl von polizeilich registrierten Verkehrsunfallfluchten erhöhte sich im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 2.316 Unfälle. Gleichzeitig erreiche die Aufklärungsquote seit 2008 einen Höchstwert und liegt aktuell bei 46 Prozent. In 109 Fällen wurden Unfallbeteiligte verletzt, erfreulicherweise verlor keine Person ihr Leben. Außerdem sank die Zahl der Schwerverletzen um 9,5 Prozent auf 19 Beteiligte.
Unabhängig von den polizeilichen Ermittlungen ist die Polizei auf die Hilfe von Zeuginnen und Zeugen angewiesen, die damit einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung von
Verkehrsunfallfluchten leisten. Die ermittelten Fahrzeugführenden beziehungsweise
Unfallverursachenden erwartet neben den möglichen Schadensersatz- und / oder
Schmerzensgeldansprüchen auch ein Strafverfahren mit empfindlichen Geld- oder
Freiheitsstrafen sowie Führerscheinentzug
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