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Portraitaktion „Wir sind Alsfeld" - Heute mit: Uwe Wunderlich - Inhaber der Gaststätte „Mainzer Tor"„Bei jedem Schnitzel weiß ich, das ist mein Geld“

SONDERTHEMA|ALSFELD (bk). Es gibt sicherlich kaum jemanden, der Uwe Wunderlich nicht kennt. Vielleicht nicht unbedingt vom Namen, aber das Gesicht auf jeden Fall. Betreibt er doch eine der bekanntesten Gaststätten in Alsfeld: Die Gaststätte „Mainzer Tor“. Wir werfen in der Portraitaktion „Wir sind Alsfeld“ einen Blick in die Vergangenheit des Unternehmers.

In Alsfeld gibt es viele Geschäfte. Ein Fakt, den man so stehen lassen könnte, wenn nicht viele der Unternehmen eins gemeinsam hätten: Bekannte Gesichter – auch „Chefs“ genannt. Die meisten teilnehmenden Unternehmen von Erlebnis.Alsfeld haben diesen gewissen Charme eben genau wegen ihrer Persönlichkeiten die ihnen innewohnen. Selbst wenn man den Namen nicht kennt, so grüßt man sie doch auf der Straße, wenn man ihnen begegnet – einfach, weil sie sind, wie sie sind.

Erlebnis.Alsfeld wagt in Zusammenarbeit mit Oberhessen-live und merciPhotography einen Blick hinter die Unternehmensfassaden und holt den Menschen zurück in den Vordergrund. Denn ohne den Gründer oder Besitzer des jeweiligen Unternehmens gebe es dieses vermutlich gar nicht. Sie machen das Einkaufen in Alsfeld zu etwas Besonderem. Sei es durch ihre freundliche, charmante Art, oder durch ihr kompetentes Fachwissen. „Wir sind Alsfeld“ zeigt die Unternehmer, wie man sie normalerweise nicht zu sehen bekommt und wirft einen Blick zurück in die manchmal kuriose Vergangenheit der Unternehmer.

Uwe Wunderlich, Inhaber der Gaststätte Mainzer Tor“

Uwe Wunderlich ist ein geborener Alsfelder und doch gerne in der Welt unterwegs. Das bringt auch sein Beruf mit sich, denn Wunderlich ist gelernter Koch. „Als Koch muss man in der Welt der Gastronomie umher gekommen sein“, sagt Wunderlich sichtlich begeistert von seiner Arbeit. Während seiner Lehre war er viel Unterwegs und doch zog es ihn letztlich zurück nach Alsfeld in das Geschäft seines Vaters. Bereits 1956 gründete Kurt Wunderlich die Imbissstube am Mainzer Tor, die damals lediglich aus dem heutigen kleinen Gastraum links vom Eingang bestand. Denn das waren früher zwei Gebäude, die letztlich zusammengelegt und 1993 nach hinten raus ausgebaut wurden. Der Umbau samt den nötigen Renovierungsarbeiten war kaum abgeschlossen, als ein Schock die Familie Wunderlich traf.

„Um zwei kam ich aus dem Calypso – um fünf stand ich auf der Straße.“ Eine Lampe am Fenster hatte einen Lichtbogen erzeugt und die Vorhänge in Brand gesetzt. Die Vertäfelung hatte aus normalem Holz bestanden und auf dem Tisch hatten Öllämpchen gestanden – letztlich war alles niedergebrannt. Bis in die Wohnung des ersten Stocks hatte sich das Feuer gefressen und lediglich die Grundmauern stehen gelassen.

Früher habe ich gekocht, heute muss ich Papierkram ausfüllen

Der Sachschaden in Höhe einer dreiviertel Million konnte größtenteils durch die Versicherung beglichen werden, aber die Arbeit konnte den Wunderlichs niemand abnehmen. So starteten sie vor 22 Jahren nochmal ganz von vorne, bauten die Gaststätte wieder auf und knüpften an frühere Erfolge an und bauten diese bis heute weiter aus. Denn Alsfeld ist eine lebendige Stadt und hat einiges zu bieten. „Allein durch die Fachwerkhäuser sind wir in Alsfeld schon ziemlich attraktiv und haben sehr großes Potenzial“, sagte Uwe Wunderlich und fügt hinzu: „Ich kenne viele lustige Menschen. Auch wenn man sagt, dass die Hessen steif sind. Das sagt man auch nur, wenn man uns nicht kennt.“

Angestellter im „Mainzer Tor“ ist er bereits seit 1994 und übernahm sechs Jahre später mit seinem Bruder zusammen die Leitung. Doch sein Bruder wollte sich beruflich verändern, so dass Uwe Wunderlich die Gastwirtschaft seit 2016 alleine leitet und auch er sieht die Schattenseiten der Selbstständigkeit. „Gastronomie ist ein undankbares Brot. Wir wussten ja alle, dass es mehr zu arbeiten gibt, aber es bleibt schon viel auf der Strecke. Du kannst zwar flexibler sein, machst dir im Gegenzug aber viel mehr Gedanken als andere, die nach acht Stunden die Stechuhr drücken“

Und wer von euch ist der Drecksack?“

Besonders stolz ist Wunderlich auf seine eigene Interpretation eines Schnitzels, die er ohne hin schon gerne verkauft. „Bei jedem Schnitzel das ich drehe, weiß ich, das ist mein Geld.“ Und doch hat er noch eine Spezialität aus dem klassischen Schnitzel gezaubert. Der Vogelsberger Drecksack: Ein Schnitzel, mit geheimer Pilzsauce belegt und anschließend mit Käse überbacken. In größeren Gruppen sei meist einer dabei, der das Gericht bestelle, woraus sich das Servicepersonal einen Spaß mache. „Und wer von euch ist der Drecksack? Das fragen sie immer und bringen damit alle am Tisch zum Lachen“, erzählt Wunderlich und lacht selbst auf.

Der gelernte Koch, der auch noch heute als Koch in der „Mainzer Tor“ Küche steht, hat 2016 sogar einen Vegan-Kurs gemacht und bietet immer auch vegane und vegetarische Gerichte in seinem Haus an. „Fleisch braucht man nicht jeden Tag. Das ist meine Einstellung, nicht das ich mir da was vorschreiben lasse. Vorschreiben lasse ich mir nichts.“ Lediglich das Gesundheitsamt darf Uwe Wunderlich Vorschriften machen, auch wenn er diese nicht immer ganz nachvollziehen kann: „Frische Eier werden nicht gerne gesehen, aber pasteurisiert, da ist der Kontrolleur stolz auf uns.“ Allgemein ist Wunderlich von der immer schlimmer werdenden Bürokratie nicht sonderlich begeistert. „Früher habe ich gekocht, heute muss ich Ordner voller Papierkram ausfüllen“, sagt er leicht wehmütig. Und doch sieht der Alsfelder Koch positiv in die Zukunft, denn er weiß, was er kann.

2 Gedanken zu “„Bei jedem Schnitzel weiß ich, das ist mein Geld“

  1. Erfreulich, dass sich ein traditionelles Gasthaus unter den heutigen Bedingungen überhaupt noch halten kann. Ein gelernter Koch dürfte in einem solchen Betrieb dem Vorurteil entgegen wirken, dass nur der Wirt wird, aus dem sonst nichts geworden ist. Gesundheitsamt als notwendige Kontrolle der Hygiene sehe ich ein, wenn sie denn funktionierte. Aber diese „modernen“ Finanzamtsschikanen, die jeden Kleinunternehmer zu akribischer Aufzeichnung von jedem Furz zwingen, um wirlich auch noch den letzten Steuercent aus ihm heraus quetschen zu können, wird zunehmend absurder. Die Abgaben der kleinen Leute sollen den Laden am Laufen halten, bei den „Großkunden“ wird durch die Finger geguckt. Lasst den „Kleinen“ die Luft zum Atmen und vor allem ihre eigentlicvhe Arbeit machen! Es können (und wollen) nicht alle ihren Lebensunterhalt bei Siemens, Daimler oder im Staatsdienst verdienen.

  2. „Früher habe ich gekocht, heute muss ich Ordner voller Papierkram ausfüllen…“
    Meine Rede seit vielen Jahren. Wann kommt endlich mal einer auf die Idee, das traditionelle „Geschäft“, das Gasthaus, den „Laden“, den kleinen Handwerksbetrieb usw. nur noch mit einem einfachen Pauschalbesteuerungssystem zu belasten. Die moderne Digitaltechnik bietet doch alle Voraussetzungen dazu. Das wäre Wirtschaftsförderung, die viele „Förderprogramme“ ersetzen könnte.

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