
Reservisten präsentieren Technik und ZivilschutzWenn der Nachbar Uniform trägt: Wie der Reservistenverband in Alsfeld den Bogen von High-Tech bis zum Zivilschutz spannt
ALSFELD (ol). Auf der Alsfelder Herbstmesse 2026 präsentierte die Kreisgruppe Oberhessen des Reservistenverbandes gemeinsam mit aktiven Soldatinnen und Soldaten moderne Militärtechnik, historische Ausrüstung und verschiedene Mitmachangebote. Zu den Attraktionen gehörten der gelbe Cyberdog „Wolfgang“, eine mobile Antennenanlage und die traditionelle Erbsensuppe aus einer ehemaligen Bundeswehr-Feldküche. Bei einer Podiumsdiskussion mit Vertretern des Vogelsbergkreises, der Feuerwehr, des Deutschen Roten Kreuzes und der Reservisten ging es um die gemeinsame Vorsorge bei Schadensereignissen.
Schon Tage zuvor deuteten in knalligen Farben aufgesprühte Buchstaben und Absperrgitter darauf hin, was auf dem Außengelände der Hessenhalle in Alsfeld demnächst entstehen würde, heißt es in einer Pressemitteilung der Kreisgruppe Oberhessen des Reservistenverbandes.
Bereits wenige Stunden später, am Donnerstagmorgen um 7.30 Uhr, fanden sich die ersten Reservistinnen und Reservisten des Aufbaukommandos in der Gießener Geschäftsstelle der Kreisgruppe ein, um den zivilen 7,5-Tonner zu beladen. „Hier muss man schon zum ersten Mal danke sagen, denn wir machen das alle ehrenamtlich und der LKW wird von einem Arbeitgeber eines Kameraden kostenlos zur Verfügung gestellt“, hebt Oberstabsfeldwebel der Reserve (d. R.) Achim Höll als Vorsitzender der Kreisgruppe Oberhessen hervor. Der blaue Klein-Lkw sollte auf dem Freigelände der Messe auch nicht der einzige sein – was ihn von den anderen unterschied, war tatsächlich nur die Farbe. Aber der Reihe nach.
Ein solcher Messeauftritt wird nicht wenige Tage oder Wochen, sondern vielmehr Monate im Vorfeld vorbereitet. Und so präsentierten sich neben den Reservistinnen und Reservisten der Kreisgruppe in diesem Jahr auch erstmals aktive Soldatinnen und Soldaten auf dem „Platz der Reserve“ in Alsfeld. Schon von Weitem sichtbar war der 25 Meter hohe Antennenmast der sogenannten Tetrapol, einer, wenn man so will, mobilen Antennenanlage. Gleich dahinter war der vierachsige, camouflagefarbene Tonner abgestellt, mit dem sowohl die Antennenanlage als auch die Operator-Kabine transportiert wird. „Spannenderweise interessierten sich die meisten Leute aber für den Inhalt der Einpersonenpackung (EPa) als für die Funkausrüstung“, schmunzelte die Oberstabsgefreite Marina W. aus Gerolstein.
Unweit dieser Infostation befanden sich zwei Informationszelte der oberhessischen Reservisten. Eines davon war ebenfalls mit Fernmeldetechnik gefüllt, jedoch aus einer anderen Zeit, was bei den Messebesuchenden eher nostalgische Gefühle ausgelöst haben dürfte. Direkt gegenüber befand sich das Sanitätszelt, betreut durch den Beauftragten der Reservistenarbeitsgruppe Sanitätsdienst (RAG San), Stabsunteroffizier d. R. Frank S.
Drinnen und draußen regelmäßig unterwegs und viel beachtet: der gelbe „Cyberdog“ der Wehrtechnischen Dienststelle 41 in Koblenz. In einem Hollywood-Film hätte der Regisseur der sogenannten Bodendrohne womöglich durch einen Blitzschlag Leben eingehaucht. Und Oberstabsfeldwebel Charly B. hätte sich irgendwann gewundert, dass das auf den Namen Wolfgang getaufte Gerät irgendwie ein Eigenleben entwickelt und plötzlich kuscheln und spielen will. Eine solche Story hätten sich wahrscheinlich auch viele Messebesuchende gewünscht, denn die Frage, „ob man den Hund denn auch mal streicheln dürfe“, kam doch recht häufig. In der Realität wurde die Maschine abends aber ziemlich unspektakulär durch einen einfachen Schalter abgeschaltet und der Akku ans Stromnetz gehängt. „Man kommt über dieses besondere Messeerlebnis aber schon sehr gut ins Gespräch“, erklärt der Oberstabsfeldwebel und ergänzt: „das ist am Ende ja auch der Sinn des Ganzen, wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen um zu informieren, aber auch um Ängste abzubauen.“
Unter der Überschrift „Mitmachen“ konnten Messebesuchende zeigen, über wie viel Kraft sie verfügen. Bei der „Strongest-Person-Challenge“ war es das Ziel, zwei mit Wasser gefüllte 20-Liter-Kanister möglichst lange festzuhalten. Als Belohnung gab es dafür einen khakifarbenen „Shemagh“, einen Schal, der tatsächlich auch offiziell von der Bundeswehr für wärmere und staubintensive Gefilde ausgegeben wird. Und ja – man konnte einige dieser Schals auf der Messe sehen, es hatten sich also viele Personen gemessen.
Unter der Leitung von Oberstabsfeldwebel d. R. Tom S. präsentierte sich gleich im Eingangsbereich der Reservistenverband selbst. Es wurden fleißig Informationen ausgetauscht und zahlreiche Giveaways wechselten den Infostandtresen. Eine besondere Mitmachaktion wurde ebenfalls gut angenommen: eine Deutschlandkarte, auf der man mittels bunter Nadeln seinen Bundeswehrstandort anpinnen konnte. „Wir haben eine gewisse Häufung im Bereich Stadtallendorf, Neustadt und Schwalmstadt das entspricht der Region aber letztlich waren die Nadeln über das gesamte Bundesgebiet verteilt“, freute sich Oberstabsfeldwebel d. R. Tom S., auf dessen Initiative hin diese besondere Pinnwand entstanden ist.
Und dann gab es da natürlich noch die berühmte Erbsensuppe (hessisch Erwes-Supp) aus einer ehemaligen Feldküche der Bundeswehr. Pflicht auf der Herbstmesse in Alsfeld. Die konnte man mit Brötchen für einen schmalen Taler erwerben. Wer also nicht wegen der guten Gespräche, der großen und kleinen Fahrzeuge oder der Rundfahrt im Iltis zur Messe kam, war definitiv wegen der Erwes-Supp vor Ort. „Wir kommen jedes Jahr extra wegen der Suppe hierher“, schwärmte eine Besucherin mit gleich zwei Portionen in den Händen.
Abseits von Militäroldtimern aus der Region oder dem Karrieretruck der Bundeswehr verlagerte sich der diesjährige Messeauftritt der Reservisten in den Vortragsbereich der Hessenhalle. Unter dem Titel „Schutz.Hilfe.Ressilienz. Wie Behörden und Bürger:innen im Vogelsberg gemeinsam Vorsorge treffen“ hatte die Kreisgruppe Oberhessen eingeladen. Als Teilnehmer konnte Moderator und Beauftragter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Obermaat d. R. Florian Sauermann den Landrat des Vogelsbergkreises, Dr. Jens Mischak, den stellvertretenden Kreisbrandinspektor Hubert Helm, den Kreisbeauftragten des DRK Lauterbach Paul Schimanski und den Organisationsleiter der Kreisgruppe Oberhessen, Oberstleutnant d. R. Klaus Merklinger, gewinnen. Der rund 45-minütigen Diskussionsrunde folgten zahlreich erschienene und ebenso aufmerksame Zuhörerinnen und Zuhörer. „Als Fazit kann man den Menschen hier im Vogelsbergkreis durchaus mitteilen, dass sowohl Kreisverwaltung aber auch ehrenamtliche Organisationen wie Feuerwehr und DRK sehr gut zusammenarbeiten und damit bestmöglich auf Schadensereignisse vorbereitet sind“, so Sauermann. Aber auch die Kreisgruppe Oberhessen will sich in diese Thematik einbringen und im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeit und Workshops entsprechendes Bewusstsein in der Bevölkerung schaffen.
Und damit endete die diesjährige Herbstmesse nach drei für alle Beteiligten anstrengenden, aber sehr guten Tagen. Insbesondere das Wetter hatte es auch gut mit den Reservistinnen und Reservisten, aber auch mit den Soldatinnen und Soldaten gemeint, die teilweise sogar vor Ort in Zelten übernachtet hatten, um den Außenbereich auch nach Messeschluss im Blick zu behalten. Aber nicht nur den Verantwortlichen und Mitwirkenden des Messestandes hatte es gefallen: Laut Angaben der Messeleitung haben 26.500 Menschen die Alsfelder Herbstmesse 2026 besucht – sehr viele davon auch den Platz der Reserve.
„Mir hat es wie immer riesig Spaß gemacht mit euch allen. Ich danke Jeder und Jedem für das Engagement und den Einsatz hier in Alsfeld. Ihr seid eine tolle Truppe. Wegtreten“, so Organisationsleiter und Oberstleutnant d. R. Klaus Merklinger beim Abschlussantreten am Sonntag. Gemeinsam mit dem Kreisvorsitzenden Oberstabsfeldwebel d. R. Achim Höll wurden zuvor noch Ehrenplaketten für die angereisten Teile der aktiven Truppe verliehen.
Foto: Kreisgruppe Oberhessen im Verband der Reservisten der Bundeswehr e.V.
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