
Gemeinschaft und Begegnungen im MittelpunktBegegnungen statt Alltagsroutine
ALSFELD (ol). Musik, Märchen, Generationenprojekte und Gottesdienste haben den Herbst im Haus Stephanus geprägt. Bewohnerinnen und Bewohner waren dabei nicht nur Zuhörer, sondern gestalteten viele Angebote aktiv mit. Im Mittelpunkt standen persönliche Erinnerungen, soziale Kontakte und Begegnungen zwischen Jung und Alt. Das Ziel: Teilhabe fördern und Einsamkeit entgegenwirken.
Gemeinsam singen, vertraute Geschichten erzählen oder mit Schülerinnen und Schülern spielen: Im Haus Stephanus hat ein vielfältiges Herbstprogramm in den vergangenen Wochen für Abwechslung gesorgt, heißt es in einer Pressemitteilung der Einrichtung. Musik, Märchen, Gottesdienste und generationenübergreifende Begegnungen standen dabei ebenso auf dem Programm wie Gespräche über Erinnerungen und persönliche Lebenserfahrungen. Im Mittelpunkt aller Angebote stand ein Ziel: Gemeinschaft stärken und die Bewohner aktiv in das Geschehen einbinden.
Den Auftakt bildete ein Erntedankgottesdienst mit Pfarrerin Christine Müller. In ihrer Predigt sprach sie über die Gaben der Natur, die Arbeit hinter der Ernte und die Bedeutung des Teilens. Anhand der biblischen Geschichte von der Speisung der Viertausend verdeutlichte sie, wie Gemeinschaft entstehen kann, wenn Menschen füreinander da sind.
Passend dazu gestalteten Bewohner und Betreuungsteam einen Erntedank-Marktwagen. Obst, Gemüse und Kräuter luden zum Entdecken, Betrachten und Probieren ein. Viele Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, von früheren Erfahrungen in Haus, Garten oder Landwirtschaft zu berichten. Der Markttisch blieb auch nach dem Gottesdienst bestehen und wurde zum Treffpunkt für Gespräche und Erinnerungen.
Einen besonderen Zugang zu diesen Erinnerungen eröffnete das Projekt „Märchen erleben mit allen Sinnen“. Statt das Grimm-Märchen „Frau Holle“ lediglich vorzulesen, entwickelte Minh Luis, Leiterin des Betreuungsdienstes, die Geschichte gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Aus einzelnen Erinnerungen, Gedanken und Gesprächen entstand Schritt für Schritt eine gemeinsame Erzählung. Dabei kamen Themen wie Hilfsbereitschaft, Dankbarkeit, Heimat und das Leben früherer Generationen zur Sprache.
Ergänzt wurde das Angebot durch zahlreiche Sinneseindrücke. Äpfel, Brot und kleine herbstliche Speisen konnten betrachtet, berührt und probiert werden. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Herrn Langer am Akkordeon. Anschließend brachten er und Mitarbeitende des Betreuungsteams das Angebot auch zu Bewohnerinnen und Bewohnern, die nicht an der Gruppenveranstaltung teilnehmen konnten.
Nach den Herbstferien wurde zudem die Zusammenarbeit mit der Erich-Kästner-Schule fortgesetzt. Eine Lehrkraft und neue Schülerinnen und Schüler trafen sich mit insgesamt 21 Bewohnerinnen und Bewohnern auf dem Marktplatz des Hauses. Gemeinsam wurden Bingo, Memory, „Mensch ärgere dich nicht“ und digitales Airhockey gespielt. Bei Kaffee und Saft entwickelten sich zahlreiche Gespräche zwischen den Generationen.
Die Begegnungen sind Teil des Projekts „Generationen-Gesundheitsnetzwerk: Gemeinschaftliche Bewältigungsstrategien gegen Einsamkeit im Alter“. Unterstützt wird das Vorhaben vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege über das Programm „Pflegeheim – Mitten im Leben“. Ziel ist es, soziale Kontakte zu fördern und Einsamkeit im Alter entgegenzuwirken.
Für weitere Höhepunkte sorgten mehrere musikalische Veranstaltungen. Der Frauenchor der Christlichen Brüdergemeinde Grünberg gestaltete mit 18 Sängerinnen ein Herbstkonzert. Geistliche Lieder und besinnliche Texte über Glauben, Hoffnung und persönliche Kraftquellen bestimmten das Programm. Viele Bewohner sangen bekannte Melodien mit und nutzten anschließend die Gelegenheit zum Austausch mit den Gästen.
Besonders lebhaft ging es beim Auftritt der Vogelsberger Mundartband „Halb6“ zu. Günter Seim, Peter Seim und Jürgen Litzka präsentierten bekannte Mundartlieder, Geschichten und Anekdoten aus der Region. Die Musiker bezogen ihr Publikum aktiv ein und fragten an den Tischen nach Liedwünschen. Gewünscht wurden unter anderem „Die Vogelwiese“, „Über den Wolken“, „Sierra Madre“ und „Marina“.
Zu den besonderen Momenten des Nachmittags gehörte die Begegnung mit einer früheren Chorleiterin. Als mehrere ihrer Lieblingslieder erklangen, sang sie begeistert mit. Auch das Wiedersehen eines Musikers mit seinem ehemaligen Sport- und Politiklehrer sorgte für Gesprächsstoff und Erinnerungen.
Den Abschluss der Herbstveranstaltungen gestaltete Pfarrer Theo Günther mit einem Gottesdienst zum Herbstfest. Im Mittelpunkt standen die Themen Geduld, Dankbarkeit und Wertschätzung. Eine Sinnesübung mit Brot weckte bei vielen Teilnehmern Erinnerungen an das frühere Brotbacken und an die Bedeutung des Grundnahrungsmittels in den Jahren nach dem Krieg.
Nach Angaben von Minh Luis folgen die Angebote einem Betreuungskonzept, das sich an den Interessen, Bedürfnissen und Möglichkeiten der Bewohner orientiert. Größere Veranstaltungen würden deshalb bewusst überschaubar gehalten oder bei Bedarf auf mehrere Termine verteilt.
Ob beim Märchenerzählen, beim gemeinsamen Musizieren, beim Spielen mit Schülerinnen und Schülern oder bei Gesprächen über vergangene Zeiten: Die Bewohnerinnen und Bewohner waren nicht nur Gäste der Veranstaltungen. Sie gestalteten die Angebote aktiv mit und machten aus vielen Programmpunkten persönliche Begegnungen. Genau diese Momente standen im Mittelpunkt des Herbstes im Haus Stephanus.
Fotos: Minh Luis/GFDE-Haus Stephanus
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