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Bürgermeister Holger Marx erklärt, wie es weitergehtNach dem Großbrand in Lauterbach: Abbruch „in größerem Umfang“, ein Spendentopf hilft

LAUTERBACH (-). Zwei Monate ist es her, dass Lauterbach den schlimmsten Fall erleben musste, den Feuerwehren fürchten: einen Großbrand in der eng bebauten Altstadt. Fünf Häuser wurden zerstört oder beschädigt,  Wie geht es weiter? Bürgermeister Holger Marx erklärt, was geplant ist, und wie betroffenen Bewohnern geholfen wird.

Immer noch liegt Brandgeruch in der Luft, ein Bauzaun trennt die beschädigte Häuserzeile vom Rest des Marktplatzes ab. Das Gebäude, in dem das Feuer ausgebrochen war, Marktplatz 39, wird abgebrochen. Die anderen sollen saniert werden. Elf Mietparteien verloren ihre Wohnungen, kamen inzwischen aber woanders unter. Auch mehrere Geschäfte sind betroffen.

Jetzt gehen die Gedanken in die Zukunft: Wie wird den Betroffenen geholfen? Es gibt es einen Spendentopf, der die Not lindern soll. Bürgermeister Holger Marx erklärt auf Nachfrage, wie die Situation ist, und wie es weitergehen soll.

Elf direkt betroffene Haushalte

Frage: Wie viele betroffene Hausbewohner gibt es eigentlich offiziell: als Bewohner und als betriebliche Nutzer der Gebäude?

Holger Marx: Insgesamt gab es 11 direkt betroffene Haushalte, die mittlerweile alle in neuen Wohnverhältnissen untergekommen sind. Betroffene Ladenbesitzer, die ihre Räumlichkeiten aufgeben mussten, waren es zunächst 6, wobei der Friseursalon Knittel & Knittel bereits eine Woche nach dem Brand wieder eröffnen konnte. Neusehland hat bereits ein Ausweichquartier gefunden und Fendel ist in Verhandlungen mit Alternativstandorten; allesamt in der Altstadt.

Darüber hinaus sind aber derzeit auch alle Geschäftstreibenden am Marktplatz betroffen. Ich kann nur dafür werben, kommen Sie nach Lauterbach in die Altstadt, unterstützen Sie die Geschäfte, gehen Sie in die Gastronomie und machen Sie sich einen schönen Tag in der Lauterbacher Altstadt. 

Frage: Nach dem Brand haben Sie einen runden Tisch eingerichtet, dessen erstes Treffen Anfang August bereits stattgefunden hat. Hat es weitere Treffen dieses Runden Tisches gegeben? Ist die Stadt im Austausch mit den Betroffenen?

Der Runde Tisch mit den Eigentümern und Versicherern hat bereits mehrfach stattgefunden. Derzeit laufen die Räumungsarbeiten, und voraussichtlich in der kommenden Woche werden die Entscheidungen zum Umgang mit der Gebäudesubstanz getroffen werden können. Danach werden umgehend die Gespräche mit den Eigentümern und deren Versicherungen in die nächste Runde gehen.

Ein Rückbau in größerem Umfang

Frage: Der Wiederaufbau der beschädigten und auch des einen völlig zerstörten Gebäudes wird viel Geld kosten. Kann und wird die Stadt Lauterbach sich dabei beteiligen?

Es wird zu einem Rückbau in größerem Umfang kommen müssen, wobei auch erhaltene Gebäudesubstanz zum Wiederaufbau gesichert werden soll.

Zusammen mit der Städtebauförderung des Landes Hessen haben wir erreichen können, dass bereits Stadtplanungsaufträge von der Stadt vergeben werden konnten und so zusammen mit den Eigentümern und deren Versicherern ein tragfähiges Konzept zum Wiederaufbau erarbeitet werden soll.

Zu den Kosten und den Deckungsgraden der jeweiligen Versicherungen liegen uns derzeit keine gesicherten Angaben vor. Dies ist aber Thema des weiteren Austauschs an den Runden Tischen.

Frage: Wie wird der Denkmalschutz geregelt? Gibt es Förderung?

Die Untere und Obere Denkmalbehörde sind seit dem ersten Tag mit eingebunden und es besteht weitestgehend Einigkeit darüber, wie mit der massiv geschädigten Bausubstanz umzugehen ist.

Zum Gegenwärtigen Zeitpunkt steht das Abbruch- und Rückbaukonzept und die darauffolgende Wintersicherung im Vordergrund. Erst danach wird über Kosten, Versicherung und Förderung zu sprechen sein.

Ziel ist jedoch die Wiederherstellung einer städtebaulich und funktional ausgewogenen Lösung, die sowohl im Interesse der Stadt als auch der Denkmalpflege liegt und nicht zuletzt im Sinne der Eigentümer zu treffen ist.

57.000 Euro wurden ausgezahlt

Es gibt ein Spendenkonto für die betroffenen Bewohner des Hauses und auch die Geschäftsinhaber. Da sind nach Ihren Angaben 180.000 Euro angezahlt worden. Nach welchen Kriterien werden davon welche Beträge ausgezahlt? Wie viel Geld ist bereits ausgezahlt worden?

Soforthilfen in Höhe von 57.000 Euro wurden vor geraumer Zeit bereits an die Mieter ausgeschüttelt und derzeit haben die betroffenen Mieter und Ladenbesitzer die Möglichkeit, aus dem Spendentopf zusätzliche Gelder zu beantragen.

Für die Vergabe ist ein Spendenrat unter Beteiligung des DRK, der Kirche und Vertretern von regionalen Stiftungen eingerichtet, der die Spenden unter Berücksichtigung von Härtefallkriterien vergibt.

Aber auch für die Blaulichtfamilie hat die Stadt Lauterbach bereits ein Dankesfest organisiert, an dem rund 270 der insgesamt 450 Einsatzkräfte teilgenommen haben.

Mal ein Ausblick: Der Großbrand bedeutete den the worst-case eines Brandes in der Lauterbacher Altstadt. Die Feuerwehren haben sich naturgemäß schwergetan. Gibt es spezielle Lehren, die aus diesem realen Szenario gezogen werden? Wird die Lauterbacher Feuerwehr sich noch besser auf einen solchen Brand in der Altstadt einstellen?

Hier wäre sicher der Stadtbrandinspektor Jürgen Eifert der direkte Ansprechpartner. Aber sowohl bei uns als auch der Feuerwehr laufen die Nachbetrachtungen gerade.

Zusammen mit meinem Bauamtsleiter Jörg Saller verarbeiten wir gerade die gewonnenen Erkenntnisse zur Fortschreibung unserer Abläufe im Verwaltungsstab.

Und auch die Feuerwehr, die ja bei diesen Großschadenslagen den Führungsstab bildet, also die Einsatzleitung innehat, passt ihrerseits die Einsatzpläne an. Sicher ist jede Lage anders und diese war besonders schwierig. Insbesondere die enge Bebauung wird sicher nochmal Thema der Nachbetrachtungen werden.

Aus meiner Sicht haben neben der hohen Einsatzbereitschaft der Einsatzkräfte auch die adäquate Ausstattung der Wehren, die gute Ausbildung, die digitale Datenlage und sicher auch frühere Übungen in der Altstadt einen Teil dazu beigetragen, das man eine weitere Ausbreitung verhindern konnte.

Aus meiner Sicht ist jedoch noch einmal besonders hervorzuheben, dass die Einsatzleitung unter Stadtbrandinspektor Jürgen Eifert und seinen beiden Vertretern Tony Michelis und Marco Bauer eine hervorragende Arbeit geleistet haben und die beteiligten Einsatzkräfte eine Gemeinschaftsleistung erbracht haben, die bei aller Tragik noch Schlimmeres verhindert hat. Ich bin froh und dankbar, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind.

von Axel Pries

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