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Plädoyer für die Kraft der Freundschaft und den Wert der FreiheitSchauspielgruppe „Schlitzer Theaternächte“ stellt große Frage und glänzt mit Spielfreude

SCHLITZ (ol). Die „Schlitzer Theaternächte“ der Evangelischen Christusgemeinde Schlitzerland haben Mitte September viermal „Der Mann mit der eisernen Maske“ in der vollbesetzten Schlitzer Stadtkirche aufgeführt. Unter der Leitung von Regisseur André Niemann brachten 18 Akteure die Geschichte nach dem Roman von Alexandre Dumas auf die Bühne. Im Mittelpunkt standen Fragen nach Loyalität, Freundschaft, Wahrheit und Freiheit.

Wie loyal muss man sein, wenn man sich einer Sache verpflichtet hat? Welchen Wert hat Freundschaft? Kann man das Böse besiegen? Und lohnt es sich, für die Wahrheit zu kämpfen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am vergangenen Wochenende die Theatergruppe „Schlitzer Theaternächte“ der Evangelischen Christusgemeinde Schlitzerland. Unter der Leitung ihres Regisseurs André Niemann hatten sich die 18 Akteure dem Stück „Der Mann mit der eisernen Maske“ nach dem Roman von Alexandre Dumas gewidmet. Viermal führten sie es Mitte September in der vollbesetzten Schlitzer Stadtkirche auf und begeisterten ihr Publikum mit Leidenschaft, Spielfreude, aufwendigen Kostümen und viel Musik, heißt es in einer Pressemitteilung des Evangelischen Dekanats Vogelsberg.

Inhaltlicher Ausgangspunkt ist die Situation in Frankreich zur Zeit des jungen Königs Louis XIV. (Thomas Schmidt) – ein selbstsüchtiger Herrscher, der sich nimmt, was er will, und weder seiner Ehefrau Maria Theresia von Spanien (Caroline Jöckel, auch Fechttrainerin) noch seiner Mutter Anna von Österreich (Ute Gutermuth-Jörns) Respekt oder gar Liebe entgegenbringt. Sein Volk darbt in Armut, seine Herrschaft ist geprägt von Willkür und der harten Hand seiner düsteren Ministerin Fouquet (Maike Habermehl).

Vor dem illuminierten Altarraum als Kulisse entführen die Schauspieler mit ihren Kostümen, der altertümlichen Sprache und den französischen Namen ihr Publikum in die Welt des 17. Jahrhunderts – und damit auch in die Welt der gealterten drei Musketiere Aramis (Reiner Riek), Porthos (Jan Lips) und Athos (Achim Prütz) sowie des noch etwas jüngeren D’Artagnan (Luca Heil), der weiterhin in den Diensten des Königs steht.

Aramis, inzwischen ein kirchlicher Würdenträger, trägt ein Geheimnis mit sich, das er nun mit den anderen Musketieren teilt: Im Kerker der Bastille sitzt Louis’ Zwillingsbruder Charles, totgesagt und weggesperrt, um die Macht des anderen nicht zu gefährden. Niemand außer Aramis weiß davon. Doch nun möchte er dem Volk zuliebe den schlechten König wegsperren und den guten, den er kennt, auf den Thron setzen. Ein schwieriges Unterfangen, das nicht nur im Geheimen stattfinden muss, sondern auch die Freundschaft der alten Musketiere und den Eid des Jüngeren auf eine harte Probe stellt.

Und nicht nur das: Athos verliert seinen Sohn durch die Schergen Fouquets, er selbst wird von der Schwester seiner toten Frau Lady de Winter in eine tödliche Falle gelockt, und auch D’Artagnan wird die Bühne nicht lebend verlassen.

Der Wandel zum Guten ist also hart erkämpft und mit Opfern, Zweifeln, Hoffnung und Hingabe verbunden – und mit dem Glauben daran, dass die Wahrheit siegen kann. Eine Botschaft, die dem christlichen Hintergrund der Gruppe entspricht und zugleich einen Bezug zur Gegenwart herstellt.

Das Stück der „Schlitzer Theaternächte“ gab allen Mitwirkenden die Möglichkeit, ihrer Spielfreude und der dazugehörigen Ernsthaftigkeit freien Lauf zu lassen: Egal, ob David Köckeritz als Erzähler Jacques mit der Ukulele das Geschehen immer wieder einordnete und zusammenfasste, die Musketiere und Wachen sich Degenkämpfe lieferten oder die Damen rund um Fouquet und Madame de la Motte (Nina Schmidt) ihre Intrigen schmiedeten, ob Lasse Dern als Säule die Schlüsselszenen wortlos begleitete oder Raoul (Ruben Prütz) und Louise (Maren Dietz) als unglückliches Liebespaar auftraten: Die Darsteller ließen ihre Charaktere auch in deren Zweifeln und Brüchen lebendig werden.

Ein Höhepunkt des Stücks war der Maskenball, den Luca Heil, Ruben Prütz, David Köckeritz, Katrin Bauer (auch Souffleuse) und Ute Gutermuth-Jörns mit aus der Zeit gefallener, überraschender und dennoch passender Musik begleiteten. Weitere Akteure in der Aufführung waren Kerstin Metzendorf, Catharina Brähler, Karla Lips, Luise Schäfer, Jan Kalea und Doris Dippel (Maske).

Gemeinsam boten sie ihrem Publikum einen Theaterabend, der nicht alle aufgeworfenen Fragen beantworten konnte, dafür aber den Wert von Freundschaft, Wahrheit und Freiheit in den Mittelpunkt stellte.

Fotos: Traudi Schlitt

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