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Erzählfestival der Vielfalt bot Literatur, Workshops, Kunst und viel BegegnungVon der Magie der Wörter verzaubert

HOMBERG OHM (ol). Drei Tage lang stand das Homberger Schloss beim zweiten Erzählfestival im Zeichen von Literatur, Kunst und Begegnung. Lesungen mit bekannten Autoren, kreative Workshops, Ausstellungen und Mitmachangebote richteten sich an Besucher aller Altersgruppen. Das von Astrid Ruppert initiierte Festival zog dabei auch Gäste von außerhalb der Region nach Homberg.

Drei Tage lang beherrschten Buchstaben und Wörter, Geschichten und Kunst das Homberger Schloss. Auf dem markanten Gelände rundherum, unter den Bäumen und in den alten Gemäuern fand zum zweiten Mal das „Erzählfestival“ statt – ein außergewöhnliches Ereignis, das den Zauber des Erzählens feierte, Glamour in die kleine Stadt brachte und Menschen jeglichen Alters zusammenführte, heißt es in der Pressemitteilung der Veranstalter.

Foto: S. Jacques

Den Auftakt machte bereits vor der offiziellen Eröffnung ein Workshop mit dem gefeierten Poetry-Slammer Lars Ruppel. Schon da, als auf dem Außengelände noch letzte Vorbereitungen getroffen wurden und das erste Zelt bereits dem stürmischen Wind auf dem Schlossberg zum Opfer gefallen war, wurde deutlich, wie viel Energie hier floss und wie viel Freude der kreative Umgang mit Worten und Geschichten machen kann. Nachdem die „Götzfrieds“ ihre oberhessische Hommage an Bob Dylan zum Besten gegeben hatten, begrüßte Astrid Ruppert, Initiatorin und Leiterin des Festivals, die ersten Gäste, Sponsoren und Redner zur offiziellen Eröffnung. „Erzählen ist zutiefst menschlich und schafft Verbindung“, sagte die Homberger Bestseller-Autorin, die mit einem großen Team an Ehrenamtlichen viel Zeit und Herzblut in die Vorbereitungen gesteckt hatte. Die Sprache selbst bezeichnete Ruppert als ein Wunder: Aus 26 Buchstaben könne man alles erschaffen: Bilder und neue Welten, Trost und Lachen. Die Lauterbacher Sängerin und Pianistin Sabine Dietrich rahmte die Reden musikalisch ein und fing die besondere Stimmung dieses Abends und der kommenden Tage mit ihrer Musik ein.

Als ein „Juwel für die Stadt“ bezeichnete Bürgermeisterin Simke Ried das Erzählfestival. Sie lobte Mut und Durchhaltevermögen der Initiatorin und des Teams, die Homberg an diesem Wochenende zum „kulturellen Nabel der Welt“ machten. Ein solches Format könne Denkanstöße setzen und Gesprächsanlässe schaffen. Es sei ein vielfältiges Angebot für unterschiedliche Menschen. Weitere Redner waren Klaus Scheuer von der Kulturspinnerei e.V., die als Verein die nötige Struktur bereitstellte, Marco Rasch vom Hauptsponsor Kultursommer Mittelhessen und Iris Schmidt als Vertreterin des Vogelsbergkreises. Sie alle ermutigten Astrid Ruppert und ihr Team zu einer weiteren Wiederholung des Festivals.

Was das Festival für die Ehrenamtlichen bedeutete, fasste die Kolumnistin Traudi Schlitt in wohlplatzierten, witzigen und auch anrührenden Worten zusammen, bevor Lars Ruppel die große Bühne im Lesezelt betrat. Er veranstaltete gemeinsam mit einigen Teilnehmerinnen des vorausgegangenen Workshops eine „Poesie-Begeisterungsshow“ – und genau das gelang ihm an diesem Abend: Wortwitzige Slam-Poesie, alte Gedichte und viel Amüsantes aus seinem Leben ließen keinen Gast unberührt. Bemerkenswert war hier der erste Auftritt der jungen Festival-Autorinnen und -Autoren, die in unterschiedlicher Besetzung mit schlauen Fragen an allen Tagen die jeweiligen Künstler vorstellten.

Der Samstag und der Sonntag standen ganz im Zeichen zahlreicher Lesungen und Workshops, die abwechslungsreicher kaum sein konnten: Stefan Kuhlmann stellte den Gästen seinen Protagonisten, einen Avon-Berater, vor. Die Emmy-nominierte Autorin Katherine Zimmermann gestaltete ein Screening ihrer KIKA-Serie „GONG!“, und sowohl Kerstin Gier als auch Judith Hoersch sorgten auf den Lesebühnen für Aufsehen. Kerstin Gier – die in diesem Jahr nur drei Lesungen veranstaltet – lockte sogar Gäste aus der Hauptstadt in den Vogelsberg. Auch Literaturfans aus Dresden und Freiburg waren eigens für das Festival angereist. Ursula Kollritsch entführte mit ihrem Part die Gäste an „Glücksorte in der Welt der Bücher“, und Andrea Pilgrim beleuchtete „Mütter und Töchter in der Literatur“. Am Sonntag lasen Uwe Henkhaus, Lucinde Hutzenlaub sowie Kathrin Lange und Susanne Thiele aus ihren Werken: Geschichten aus hessischen Spinnstuben trafen auf spannende Neuanfänge in Neuseeland. Sven Gerhard bestritt mit „Minna Melone“ die Familienlesung, und mit dem Umweltthriller „Toxin“ und einer anschließenden Diskussionsrunde klang das Festival am Nachmittag aus.

Doch nicht nur Literatur stand auf dem Programm, sondern auch hochkarätige Workshops: Dem Poetry-Slam-Workshop am Freitag folgten „Story Snacks“, ein Workshop für Jugendliche mit Katherine Zimmermann, „Painted Edges“, ein Workshop zur Gestaltung eines farbigen Buchschnitts, und „Eine kleine Druckwerkstatt“ mit Randi Grundke. Hier wurden die schönsten Seiten rund um das Thema Schreiben handwerklich umgesetzt. Auch Schreibbegeisterte kamen in den Workshops zum Zuge: Lucinde Hutzenlaub bot einen Kurs im „Biografischen Schreiben“ an, und Ursula Kollritsch führte im Schloss – inmitten der aktuellen Ausstellung – in die Kunst des kreativen Schreibens ein.

Viele weitere Angebote warteten rund um das Schloss auf die Gäste: Die Künstlerinnen Sandra Jacques und Kristin Puley boten zwei Urban Sketch Walks an – und das auf dem Land. Es gab „Lyrik zum Pflücken“, also Lieblingsgedichte zum Mitnehmen, und das „Mikrofon für alle“ bot vielen Autorinnen und Autoren die Chance, vor einem Publikum aus ihren Werken vorzutragen. Diese kleine Bühne fand viel Beachtung und fügte sich in das Ambiente auf dem Schlossgelände ein, das unter blauem Himmel zum Verweilen einlud.

Ausstellungen zeigten Skizzenbücher und die Ergebnisse der Sketch Walks. Auch die Ausstellung der Kinder der Grundschule Homberg und der Pestalozzischule zog die Blicke auf sich; vor allem die liebevoll gestalteten Bücherkisten der Viertklässler erfuhren viel Aufmerksamkeit. Im Torhaus stellten Kinder in ruhiger Atmosphäre kleine Bücher her. Je nach Interesse und Ausdauer falteten, stempelten, malten und klebten sie kleine Kunstwerke, die sie stolz mit nach Hause nahmen.

Im Schloss selbst wurde die Ausstellung „Resonanzen“ von Brigitte Gutwerk und Maria Stoltefaut eröffnet – Malerei und Skulptur im Dialog. Der Autor und Illustrator Herbert Jost-Hof hatte dazu einen eigenen Workshop konzipiert, der die Teilnehmenden dazu einlud, die Werke der Künstlerinnen auf neue Art und Weise zu entdecken und zu beschreiben.

„Wir konnten dank der großzügigen Unterstützung des Kultursommers Mittelhessen, der Stadt Homberg, des Bundesprojekts Demokratie leben und vieler anderer Spender die Eintrittspreise sehr geringhalten und auf diese Weise den Zauber des Erzählens mit vielen Menschen teilen“, zeigte sich Astrid Ruppert am Ende des Festivals sehr dankbar – sowohl für die vielen Kooperationen als auch für die Mitwirkung der Künstlerinnen und Künstler und der vielen Ehrenamtlichen. Insbesondere würdigte sie die Gastfreundschaft der Schlosspatrioten. Astrid Ruppert: „Nur hier kann ich mir unser Festival vorstellen – und es ist so schön, dass wir das Schloss und die Umgebung nutzen konnten und die Schlosspatrioten uns mit Rat und Tat unterstützt haben.“ Nun heiße es, sich ein wenig auf den Lorbeeren des Erfolges auszuruhen – bis vielleicht eine weitere Episode des Festivals auf dem Schlossberg erzählt werde.

Fotos: T. Gremmel

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