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Der Posaunenchor Grebenau sprengt bei der BäderKultur musikalische GrenzenWenn ein Posaunenchor plötzlich Kino kann

ALSFELD (ol). Der Evangelische Posaunenchor Grebenau begeisterte am Freitagabend bei der BäderKultur im Alsfelder Erlenbad mit einem vielseitigen Konzertprogramm. Neben Filmmusik standen unter anderem Pop, Rock, Klassik und Latin auf dem Programm. Kurz vor dem Konzert musste der musikalische Leiter Peter Kostenis wegen eines Hörsturzes aussetzen, woraufhin Lisa Schlitt kurzfristig die Leitung übernahm. Das Publikum bedankte sich mit Standing Ovations und zwei Zugaben.

Manchmal braucht es nur wenige Takte, um ein musikalisches Vorurteil gründlich aus der Welt zu schaffen. Wer beim Begriff „Posaunenchor“ innerlich bereits das Gesangbuch aufschlägt, hätte am Freitagabend bei der BäderKultur im Alsfelder Erlenbad vermutlich ziemlich schnell wieder zuklappen müssen. Denn was der Evangelische Posaunenchor Grebenau dort präsentierte, hatte mit dem landläufig erwartbaren Repertoire ungefähr so viel zu tun wie ein Tijuana Taxi mit dem sonntäglichen Kirchgang, heißt es in der Pressemitteilung der Badefreunde.

Filmmusik. Pop. Rock. Mozart. Latin. Große Gefühle, scharfe Akzente, schwelgende Melodiebögen und dazwischen immer wieder dieser satte, körperliche Bläserklang, der nicht einfach nur zu hören, sondern beinahe zu spüren war.

Schon Jerry Goldsmiths „The First Knight“ setzte mit seinen Fanfaren einen Auftakt, der keinen Zweifel ließ: Dieser Abend wollte groß denken. Mozarts „Rondo alla Turca“ bekam im Bläsersatz rhythmischen Biss, Michael Geislers „Voice of the Vikings“ archaische Wucht. Und spätestens als Jennifer Lopez’ „Let’s GetLoud“ aus Trompeten, Posaunen, Hörnern und Tuben erklang, durfte man sich fragen, warum eigentlich irgendjemand jemals beschlossen hatte, einem Posaunenchor musikalische Grenzen zu setzen.

Denn genau darin lag die eigentliche Überraschung: Dieses Ensemble bediente die Stile nicht bloß, es wechselte ihre Klangsprachen. James Horners „The Mask of Zorro“ lebte von markanter Rhythmik und dramatischen Spannungsbögen, Willy Fransens „Karachi Boulevard“ von orientalisch gefärbten Linien und quirliger Klarinettenbewegung. Harold Faltermeyers „Axel F“ funktionierte erstaunlich selbstverständlich ohne Synthesizer, „Hard To Say I’m Sorry“ dagegen durfte weich werden, weit phrasiert und beinahe kammermusikalisch.

Und dann natürlich: „The Lion King“. Musik, die bei vielen längst nicht mehr nur Melodie ist, sondern Erinnerung. „Circle of Life“, „Hakuna Matata“, „Can You Feel The Love Tonight“ – wenige Takte genügten, und irgendwo im Publikum öffneten sich innere Bilder. Genau solche Momente waren es, in denen dieser Abend mehr wurde als ein gut gespieltes Konzert. Musik zog Biografien hinter sich her.

Dass all das so souverän gelang, war keineswegs selbstverständlich. Peter Kostenis, musikalischer Leiter des Chores, hatte das Programm arrangiert, über Monate erarbeitet, geprobt und geschliffen. Kurz vor dem Konzert erlitt er jedoch einen Hörsturz – für einen Musiker eine geradezu brutale Diagnose. Nicht nur dirigieren konnte er an diesem Abend nicht; selbst im Raum zu bleiben, während „seine“ Musik erklang, war ihm nicht möglich.
Was folgte, war ein kleines musikalisches Wunder der unaufgeregten Sorte. Lisa Schlitt sprang kurzfristig ein. Am Dienstag begegneten sich Dirigentin und Ensemble zum ersten Mal, am Donnerstag folgte die Generalprobe, am Freitag das Konzert. Dirigieren ist schließlich weit mehr als Takt schlagen: Es ist Kommunikation über Atem, Blick, Impuls, Spannung und Vertrauen. Dass dieses Zusammenspiel nach nur wenigen Tagen derart geschlossen wirkte, darf man getrost als außergewöhnlich bezeichnen.

Und dann war da doch noch dieser besondere Raum. Nicht als Hauptdarsteller, eher als ziemlich guter Resonanzkörper. Die gefürchtete akustische Katastrophe aus Blech und Fliesen blieb aus. Stattdessen stieg die Musik aus dem Hallenbadbecken empor, breitete sich über die Zuhörer am Beckenrand und im Nichtschwimmerbereich aus, umschloss sie und zog sie hinein. Gerade die großen Filmmusikpassagen bekamen dadurch eine fast cineastische Räumlichkeit.

Am Ende standen die Menschen. Nicht einmal, sondern mehrfach. Standing Ovations, lange, begeistert, verdient. Zwei Zugaben musste der Posaunenchor noch liefern, bevor dieses Publikum bereit war, ihn gehen zu lassen.

Vielleicht ist das das schönste Kompliment dieses Abends: Man dachte irgendwann nicht mehr darüber nach, dass dort ein Posaunenchor spielte. Man hörte einfach Musik – und zwar verdammt gute.

Fotos: Anja Kierblewski

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