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Muna-Museum Grebenhain erinnert an Protestbewegung und Kontroversen der 1970er und 1980er JahreEinblicke in die Geschichte der „Muna“: Sonderausstellung zum Internationalen Museumstag in Grebenhain

GREBENHAIN (ol). Zum Internationalen Museumstag am 17. Mai lädt das Muna-Museum Grebenhain zu einer Sonderausstellung in die „Alte Schule“ im Ortsteil Bermuthshain ein. Im Mittelpunkt stehen die Proteste gegen die geplante militärische Nachnutzung des ehemaligen Muna-Geländes im Oberwald in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren. Die Ausstellung beleuchtet die Rolle der Bürgerinitiative „Grünspechte Oberwald“ sowie die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen rund um das NATO-Versorgungslager.

Zum diesjährigen Internationalen Museumstag am Sonntag, den 17. Mai, lädt das Muna-Museum Grebenhain in der „Alten Schule“ im Ortsteil Bermuthshain in einer Pressemitteilung wieder zu einer interessanten Sonderausstellung ein.

Ein halbes Jahrhundert ist es her, seitdem in Grebenhain die Pläne der US-Streitkräfte, auf dem 1945 durch Sprengungen zerstörten Bunkergelände der NS-Luftwaffen-Munitionsanstalt („Muna“) im Oberwald ein NATO-Versorgungslager („Forward Storage Site“) zu errichten, öffentlich bekannt wurden – und für Aufregung sorgten.

Eine Gruppe aus Bürgerinnen und Bürgern der damals noch jungen Großgemeinde Grebenhain wollte sich nicht mit der erneuten militärischen Nutzung des Muna-Geländes abfinden. Sie gründeten die Bürgerinitiative „Grünspechte Oberwald“. Mit Bürgerversammlungen, Demonstrationen, Leserbriefen, Protestschildern und anderen Aktionen versuchte sie, die Öffentlichkeit in Grebenhain und in der Region gegen den Bau des NATO-Depots zu aktivieren und mobilisieren.

Dem Protest zum Trotz: Das US-Munitions- und Versorgungslager wurde gebaut und Ende 1982 eingeweiht. Die „Grünspechte“ mussten resignieren, doch einige machten in den Reihen der Friedensbewegung in Osthessen weiter. Denn das NATO-Lager Grebenhain, in den Augen vieler vermeintlich ein „Giftgasdepot“, war in den 1980er Jahren weiterhin eine Zielscheibe für Demonstrationen. Noch vor der Fertigstellung verübte dort sogar die „Rote-Armee-Fraktion“ (RAF) einen Brandanschlag.

Die „Grünspechte“ veranstalteten die als „Protestwanderungen“ bezeichneten ersten Führungen durch das Muna-Gelände. Aus ihren Reihen wurde außerdem ein Schülerprojekt zur Aufzeichnung der Erkenntnisse über die Muna und die Erinnerungen von Zeitzeugen angestoßen. Somit stehen die „Grünspechte“ zugleich am Beginn der kritischen Aufarbeitung der Geschichte der Muna.

Mit einer Präsentation zahlreicher historischer Bilder sowie originaler Dokumente lässt das Muna-Museum die turbulenten Ereignisse der späten 1970er und frühen 1980er Jahre in Grebenhain lebendig werden. Das Museum ist am Internationalen Museumstag zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei – Spenden sind willkommen.

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