
Nach dem Großfeuer bei Boomex in AlsfeldPolizei und Behörden äußern sich erstmals zur Brandursache und zum Brandschutz
ExklusivALSFELD – Seit dem Brand bei Boomex schießen in Alsfeld die Gerüchte ins Kraut, ist den Menschen doch der Brand von 2013 ebenfalls bei Boomex in der Bückingstraße noch in Erinnerung. Jetzt hat die Polizei erste Ermittlungsergebnisse zur Ursache preisgegeben, und auch bei der Brandschutzbehörde des Vogelsbergkreises war das Feuer Thema.
Wurden die Brandschutzauflagen erfüllt? Das fragten sich offenbar auch viele Alsfelder, als bekannt wurde, dass es noch einen dritten Großbrand bei Boomex gegeben hat: 2019 am Stammsitz in Essen. Das Feuer beschäftigte die Feuerwehren seinerzeit tagelang, und hinterher, so berichteten Medien vor Ort, ließ sich die Ursache wegen flächiger Zerstörungen nicht mehr ermitteln. Polizei und Staatsanwaltschaft gingen dennoch von Brandstiftung aus.
Auch nach dem „Bückingbrand“ in Alsfeld konnte die Ursache nicht ermittelt werden, weil zu viel von den Gebäuden verbrannt war. Wie viele Parallelen gibt es zwischen den Schadensereignissen von 2013 und 2025?
Zwischendurch hat es übrigens noch einmal bei Boomex in Alsfeld gebrannt: 2016 entstand bei einem Feuer in einer Lagerhalle im Dieffenbachweg aber nur vergleichsweise geringer Sachschaden. Seinerzeit galt ein Kurzschluss als Ursache.
Kreisverwaltung: beide Brände nicht vergleichbar
Jetzt verneint die Kreisverwaltung auf Anfrage von Oberhessen-live mangelnde Brandschutzmaßnahmen nach ersten Recherchen.
„Der Großbrand vom 31. Juli 2013 auf dem ehemaligen Bücking-Gelände ist nicht vergleichbar mit dem letzten Brand auf dem ehemaligen CEKA-Gelände in der Pfarrer-Happel-Straße“, erklärt eine Kreissprecherin.
Seinerzeit seien der „bauliche Zustand und die Nutzung der Gebäude“ weder der Kreisverwaltung noch den Einsatzkräften vor Ort bekannt gewesen, da es hierfür keine Baugenehmigung gegeben habe. „Dies hat letztendlich zu dem erheblichen Ausmaß des Brandes geführt.“
Ganz anders verhalte es sich jetzt bei der Nutzung der ehemaligen „CEKA“-Hallen in der Pfarrer-Happel-Straße/Jahnstraße. Die sei von Anfang an von der Bauaufsicht und der Brandschutzdienststelle begleitet worden. „Es erfolgten mehrere gemeinsame Begehungen der Fachbehörden und es liegt eine Baugenehmigung mit Brandschutzkonzept vor“, erklärt die Kreissprecherin.

Eine riesige Rauchwolke stand bei dem Brand hoch über Alsfeld. Foto: privat
Brandschutzmaßnahmen dämmten das Feuer ein
Die angeordneten und umgesetzten betrieblich-organisatorischen, anlagentechnischen und baulichen Brandschutzmaßnahmen hätten beim aktuellen Brand vom 30. Dezember dazu geführt, dass das Feuer lokal begrenzt wurde. „Die Brandmeldeanlage hat frühzeitig standortbezogen eine Meldung an die Leitstelle abgegeben. Insbesondere die Brandwände, Trennwände und Brandschutztüren/-tore sowie Rauch-/Wärmeableitungsöffnungen haben ein Übergreifen auf weitere Gebäudebereiche, andere Hallenbereiche, Lagerhallen sowie die benachbarten Gebäude wirksam gehemmt und verhindert.“ Die nach der Bauordnung geforderten Schutzziele hätten eingehalten werden können und seien wirksam gewesen. „Den Einsatzkräften vor Ort lagen aktuelle und notwendige Unterlagen zur Gefahrenabwehr vor, so dass die Löscharbeiten zielgerichtet und wirksam durchgeführt werden konnten.“
Kurz gesagt: Nach Erkenntnissen der Behörden waren die Brandschutzauflagen erfüllt und kontrolliert worden.
Ermittler: keine Hinweise auf Brandstiftung
Inzwischen haben auch Brandursachen-Ermittler der Polizei die Ruine des Gebäudes in der Jahnstraße untersucht. Vollständig abgeschlossen sei die Arbeit noch nicht, erklärt ein Polizeisprecher auf Nachfrage. Aber es gebe „keine Hinweise auf fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung“. Nicht ausgeschlossen werden könne eine technische Ursache oder ein Fehler bei der Produktion. Das Feuer sei mitten im Betrieb ausgebrochen.
Die Schadenshöhe beziffert die Polizei inzwischen auf rund 1,5 Millionen Euro.
Die Frage nach einer Stellungnahme seitens des Unternehmens blieb bislang unbeantwortet.
Die 1984 in Essen gegründete Firma Boomex breitete sich nach eigenen Angaben 2009 nach Alsfeld aus, als sie Hauptgesellschafterin des damaligen Grillanzünderproduzenten Schreiber wurde. 2012 übernahm Boomex dann auch den Produktionsstandort in Alsfeld. 2016 wiederum schlüpfte Bommex bei der französischen S.A.S Blondeau Gruppe unter und weitete das Sortiment mit Grillzubehör stark aus.
von Axel Pries
Auch interessant:



Schreibe einen Kommentar
Bitte logge Dich ein, um als registrierter Leser zu kommentieren.
Einloggen Anonym kommentieren