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Evangelisches Dekanat Vogelsberg verabschiedet Schlitzer Pfarrer Siegfried Schmidt„Gott hat Sie brauchen können“

SCHLITZ (ol). Voll besetzt war die Schlitzer Stadtkirche. Vielen Gemeindegliedern war es offenbar ein Anliegen, sich von ihrem Pfarrer Siegfried Schmidt zu verabschieden, der nach 27 Jahren in der Burgenstadt nun in den Wartestand geht – eine Zeit, die die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ihren Pfarrern nach einer Krankheit zugesteht, um Kräfte für einen Wiedereinstieg zu sammeln.

Pfarrer Schmidt verlässt aus diesem Anlass den Vogelsberg und kehrt mit seiner Frau Christiane zurück in seine alte Heimat, Holzhausen am Hünstein im Hessischen Hinterland. Den Abschiedsgottesdienst hielten viele Mitwirkende, allen voran der Kirchenvorstand.

Matthias Pflanz, Vorsitzender der Ortskirchengemeinde Schlitz, eröffnete den Gottesdienst, der musikalisch von der Organistin Katrin Bauer, dem Chor Laudate unter der Leitung von Annette Schulz und dem Trio Vamos con Dios unter der Leitung von Stephan Möller gestaltet wurde. Neben den vielen Menschen aus den Gemeinden konnte Pflanz auch zahlreiche Ehrengäste in der Kirche begrüßen: Kollegen, Weggefährten, Familie und Freunde, teilt das evangelische Dekanat in seiner Pressemeldung mit.

Über große Herausforderungen sprach Pfarrer Siegfried Schmidt in seiner Abschiedspredigt. Alle Fotos: Schlitt

Für seine Abschiedspredigt hatte der Pfarrer die Geschichte vom Fischzug des Petrus gewählt, der seinen Beruf aufgibt und Jesus nachfolgt. Zweifel und Bedenken weichen hier am Ende der Leichtigkeit und Aufbruchsstimmung. „Jesus hatte eine volle Kirche“, predigte Schmidt, „es ging um das Hören des Wortes Gottes und um das Wunder, das sich ereignete.“ Der Pfarrer übertrug die Inhalte aus dem Lukasevangelium auf die Situation in Schlitz: „Das Wort Gottes ereignet sich da, wo Menschen berührt werden und in Bewegung kommen.“

Spürbare Wärme in der Kirchengemeinde

In Schlitz sei dies der Fall, so Schmidt: Die Gemeinde habe schon längst unter Beweis gestellt, dass sie auch ohne Pfarrer zusammenkommen könne. Schmidt sieht die Kirche einer schwierigen Situation gegenüber, gleichwohl hinterließ er keinen Zweifel daran, dass Gemeinden dies bewältigen könnten; der Prozess EKHN2030 indes sei ein trauriger Ausblick. „Jesus macht das Leben und Tun zu seiner Sache“, zeigte sich der Theologe überzeugt.

Unmögliche Aufträge – wie das Fischen am helllichten Tag in der Geschichte des Simon Petrus – könne man wider alle Vernunft annehmen. Für Schmidt sei auch die Gründung der Gesamtkirchengemeinde so ein unsinniger Versuch gewesen, den sie gewagt haben und der sich als gut herausgestellt habe. „Jesus wird nicht müde, zu uns zu sprechen“, richtete der Pfarrer seine Worte an die Gemeinde, „und er ruft uns zu: Fürchtet euch nicht“.

In Vertretung der Dekanin Dorette Seibert überbrachte die stellvertretende Dekanin Luise Berroth deren Worte. Sie hatte zwei Euro mitgebracht – Symbol für die „Münze des Evangeliums“; die Pfarrer Schmidt mit warmen Händen 27 Jahre lang in der Gemeinde in Schlitz ausgegeben hat. „Gott hat Sie brauchen können“; lobte Berroth den scheidenden Theologen, der gemeinsam mit den Menschen aus dem Evangelium leben wollte. „Sie haben viele Projekte angestoßen“, resümierte die Pfarrerin und nannte Konfi 3/8, die Gründung des Schlitzerländer CVJM, die Gemeindewerkstatt und die Umstrukturierung der Gemeinde zur Gesamtkirchengemeinde.

Auch zahlreiche Baumaßnahmen und etliche Vakanzen habe der Pfarrer bewältigt. Dabei habe stets das Evangelium im Vordergrund gestanden, der Kontakt mit den Menschen. „Ihre Wärme war hier spürbar“, würdigte Berroth Schmidts Schaffen. Gleichzeitig dankte sie auch seiner Frau Christiane Schmidt für deren Unterstützung.

„Gott konnte Sie brauchen“; sagte die stellvertretende Dekanin Luise Berroth.

Gemeinsam mit den Assistierenden entpflichtete sie den Pfarrer von seinem Dienst in Schlitz, wenngleich er durch seine Ordination Pfarrer bleibt. Die Fürbitten, die Mitglieder der Gemeinde vortrugen, waren Worte des Dankes für die Zeit mit Pfarrer Siegfried Schmidt und Bitten, dass die Gemeinde mit den zukünftigen Aufgaben, insbesondere den bevorstehenden Vakanzen, zurechtkommen möge.

Dienst nie als Pflicht gesehen

Für die Kirchenvorstände richtete Matthias Pflanz das Wort an den Pfarrer: Dieser habe seinen Dienst nie als Pflicht gesehen. Auf seinem Schwerpunkt der Kinder- und Jugendarbeit habe er viel bewirkt, so Pflanz, der insbesondere an das Camp in Münchhausen erinnerte – „ein Highlight im Kirchenjahr“. Er dankte dem Ehepaar Schmidt für den Einsatz über fast drei Jahrzehnte. Mit einem Lied, eigens auf den Pfarrer zugeschnitten, würdigten sodann Almuth Mizdalski und Ulrike Waider das Engagement von Siegfried Schmidt,

Bürgermeister Heiko Siemon verwies auf die zeitliche und persönliche Dimension einer solch langen Zeit. „Der Tag des Abschieds ist ein Tag des Dankes“, so der Rathauschef. Schmidt habe mit Rat und Tat sowie mit seiner ruhigen Art eine ganze Generation geprägt. Darüber hinaus habe der Pfarrer viel sowohl für die Gemeinde als auch die Kommune bewirkt; er sei glaubwürdig und stehe hinter dem, was er sagt und tut.

Auch Siemons Amtsvorgänger und langjähriger Weggefährte von Siegfried Schmidt, Bürgermeister a.D. Hans-Jürgen Schäfer, ließ es sich nicht nehmen, auf die vielen Jahre zurückzublicken, die sie – jeder in seiner Funktion – gemeinsam in Schlitz gewirkt haben. „Die Zusammenarbeit von weltlicher und kirchlicher Gemeinde war stets fruchtbar“, befand Schäfer und zählte viele gemeinsame Projekte und Veranstaltungen auf.

Ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte

Schulleiterin Annedore Radvan von der Dieffenbachschule bestätigte Schmidt in ihrem Grußwort „stets ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte.“ Der Pfarrer habe auch finanzielle Nöte bei Schülern gesehen und diese lindern geholfen. Darüber hinaus habe er im Fachbereich Religion der Schule mitgewirkt. Seine Gottesdienste zu den Schuljahresbeginnen hinterließen viele schöne Bilder, so Radvan.

Für die katholische Gemeinde waren Maria Dehler-Porsche vom Pfarrgemeinderat der Pfarrei St. Peter und Paul sowie Hedwig Kluth, Referentin und Koordinatorin der Vogelsberger Pastoralräume, erschienen. Kluth dankte Schmidt für sein Wirken in der Ökumene und betonte: „Wir brauchen die Ökumene als Lebenselixier.“

Für die katholischen Gemeinden sprach Referentin Hedwig Kluth.

Die letzten Grußworte hatte Hartmut Dietz vom frisch gegründeten Schlitzer CVJM für den scheidenden Pfarrer. „Unsere Geschichte beginnt erst“, sagte er und bescheinigte Schmidt, langfristige Entwicklungen erkennen zu können und Lösungen zu suchen. Mit der Gründung des CVJM Schlitzerland habe man Aufbruch statt Rückbau gewagt.

Pfarrer Schmidt zeigte sich von allen Grußworten sehr bewegt. Er dankte seinerseits den Gemeinden für die vielen gemeinsamen Jahre. Insbesondere das Engagement des Kirchenvorstandes und die Leistung des Sekretariats angesichts der vielen Herausforderungen während Vakanzen, Krankheit und Gemeindeumbau waren Schmidt ein großes Lob wert. Mit einem gemütlichen Beisammensein, musikalisch untermalt vom Schlitzer Posaunenchor, nahm die Verabschiedung am Sonntagnachmittag ihren Lauf. Viele Menschen nahmen daran teil und erwiesen dem scheidenden Theologen gerne ihre Referenz.

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