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Von einem Lagerfeuerabend mit der Abschlussklasse zur fertigen Trilogie„Kleine Ideen werden zu Träumen, Träume zu Gedanken…“

HOMBERG OHM (ol). Wie ist es, wenn aus einer kurzen Gruselgeschichte für einen Zeltaufenthalt und Lagerfeuer eine Trilogie wird? Der Lehrer und Buchautor Stefan Deichert berichtet wie alles begann und wohin der Weg ihn bisher brachte.

„Kleine Ideen werden zu Träumen, Träume zu Gedanken und Gedanken  letztlich irgendwann zu Taten, oder in meinem Fall zum geschriebenen Wort“, so Lehrer und Buchautor Stefan Deichert aus dem Homberger Ortsteil Bleidenrod, in einem Vorwort zu seiner inzwischen erschienenen Trilogie „Chroniken der Venatoren“ (Venatoren, das lateinische Wort  für Jäger) mit den Titeln „Das Heim der Wölfe“, „Das Erbe der Venatoren“ und „Zeitlose Rache“.

Stefan Deichert ist seit 2009 Lehrer an der integrierten Gesamtschule in Hungen  und unterrichtet neben seinen Studienfächern evangelische Religion und Sozialkunde, unter anderem auch Geschichte, Erdkunde, Soziales Lernen und Gesellschaftslehre.

Den Anfang machte eine kurze Gruselgeschichte

Die Geschichte zu seinem ersten Buch sei erst einmal nicht mehr als eine kurze „Gruselgeschichte“ gewesen, passend ersonnen für einen Abend am Lagerfeuer im Rahmen eines Zeltaufenthaltes in Hungen mit einer Abschlussklasse, wird in der Pressemeldung bekannt gegeben. Die Anfangsgeschichte habe er sich „ganz grob an dem Abend ausgeformt“, erzählt er. Eine reine Phantasiegeschichte mit undurchsichtigen mysteriösen Geschehnissen rund um die Hungener Gesamtschule, Hungen selbst und das benachbarte Wölfersheim mit einer dort immer noch agierenden  Wehrwolf-Adelsfamilie (lag doch bei Wölfersheim die Assoziierung zu Wölfen schon auf der Hand).

„Doch diese Gedanken ließen mich nicht mehr los, also entschied ich mich, sie irgendwann niederzuschreiben, ohne genau zu wissen, wo die Reise wohl enden möge“, sagt Deichert. So habe er sich vorgenommen „wenn ich in der Schule klar komme, setze ich mich mal hin und schreibe die Geschichte auf, mal sehen was daraus wird“.

2014 war es dann so weit und er hat mit den ersten Notizen und Recherchen über Wölfersheim und Hungen und wie es wohl früher dort ausgesehen haben könnte angefangen.

Der Inhalt der Trilogie

„Dann packt einen der Ehrgeiz und so ist innerhalb eines Jahres  daraus ein ganzes Buch geworden“, sagt er. Der Titel: „Das Heim der Wölfe“.  Darin geht es um den Lehrer Corvin Kramer, der an seinem ersten Schultag in der Gesamtschule Hungen vom grausamen Mord an einer Schülerin erfährt und mehr darüber herausfinden möchte. Dabei führen den jungen Lehrer die Recherchen zu einer Geschichte im „Hexenhammer“, die von einem Blutbad durch dämonische Wölfe zur Sonnenwendfeier im Jahre 1481 berichtet.  Neben dem Haupterzählstrang erfährt man auch in einzelnen Kapiteln die Geschichte der verantwortlichen Wehrwolf-Adelsfamilie.

Neben allen kriminellen Szenarien räumt der  Autor auch der Liebe einen Platz ein, indem sich eine Beziehung zwischen Corvin Cramer  und der neuen Referendarin an der Gesamtschule Hungen, Andrea entwickelt, die Corvin  im Rahmen seiner   Recherchen kennen lernt und die ihn vom ersten Augenblick an fasziniert. Und nicht nur das. Denn unabhängig voneinander stoßen Corvin und Andrea fast zeitgleich auf die Wahrheit und damit  auch auf die letzten Nachfahren der Adelsfamilie, was fatale Folgen nach sich zieht. Doch schließlich gelingt es nach weiteren tragischen Ereignissen den Werwolf zur Strecke zu bringen.

„Eigentlich hätte es sich damit erledigt gehabt“,  so Stefan Deichert. Ja, eigentlich, aber jetzt standen noch Fragen im Raum und man wolle ja natürlich wissen „wie geht es mit den Protagonisten weiter? Wie lange gab es noch  den Geheimbund der „Venatoren“ und vor allem, warum haben die nicht eingegriffen?“

Beantwortet werden diese Fragen dann schließlich mit den Büchern „Das Erbe der Venatoren“ und „Zeitlose Rache“, die den zweiten und dritten Teil der Trilogie „Chronik der Venatoren“ bilden und in denen, bis zur endgültigen und insbesondere auch für Corvin überraschenden Enthüllung, noch Spannendes und Erschreckendes passiert, bevor dem Horror endgültig ein Ende gesetzt werden kann.

Angesichts detailgenauer Schilderung von Orten und auch geschichtlichen Ereignissen, stellt sich beim Lesen der Lektüre durchaus die Frage „Was ist Fiktion, was Wahrheit?“ Ist doch der größte Teil der in und um Hungen und Wölfersheim erwähnten Örtlichkeiten ebenso real, wie viele in den Büchern vorkommende realistische historische Begebenheiten. Natürlich sind die Morde in Hungen oder auch  das Gemetzel zur Sommersonnenwende im mittelalterlichen Hungen dahingegen genauso Fiktion wie die Wehrwolf-Adelsfamilie.

„Einige Dinge, gerade in der ersten Geschichte, sind autobiographisch“, so Stefan Deichert, dem es mit der Trilogie gelungen ist, Fantasie und Wirklichkeit zu einem spannenden Ganzen  zu verflechten. „Man kann zwar das Blaue vom Himmel fantasieren, aber mir war es dabei immer wichtig, dass es so dicht wie möglich an den Fakten angelehnt ist“ sagt er.

Sein Dank gelte der Schulgemeinde der Gesamtschule Hungen mit all ihren Schülern und Kollegen, ohne die es die Idee zu den Romanen nie gegeben hätte. Dank und Respekt zollt Stefan Deichert insbesondere auch all seinen Freunden,  deren Eigenarten und Lebensläufe (neben seinen eigenen) er sich bedient habe, um die Charaktere der Protagonisten zu füllen.

Einige beschriebene Objekte, wie die Gartenhütte eines Freundes, die zum  „Stammheim“ in seinen Büchern wird, oder auch die einstige Gaststätte „Edenrock“, die in Teil drei unter anderem Namen auftaucht, nennt er eine „Homage“ an Begegnungsorte seiner Kinder- und Jugendzeit in Burg-Gemünden.

Über den Autor

Stefan Deichert wurde 1977 in Marburg geboren. Nach dem Besuch der Grundschulen in  Wörsdorf und Nieder-Gemünden, dem Gymnasialzweig in der Gesamtschule Homberg und anschließend der gymnasialen Oberstufe in Alsfeld, wo er 1997 erfolgreich das Abitur ablegte, absolvierte er zunächst neun Monate  den Grundwehrdienst in Rothwesten/Fuldatal und ab August 1998 in Alsfeld und Bebra eine Ausbildung zum Schornsteinfeger, die er im Juli 2001 erfolgreich mit dem Gesellenbrief  abschloss. Danach folgte der Studiengang Lehramt Haupt- und Realschulen, Fachrichtung evangelische Religion und Sozialkunde,  anschließend die Referendariatszeit (Lehrer im Vorbereitungsdienst) an der  Georg-Büchner-Gesamtschule in Stadtallendorf und schließlich, wie schon erwähnt, ist Stefan Deichert  seit Februar 2009 Lehrer an der integrierten Gesamtschule in Hungen.

Bereits so ab dem fünftem Schuljahr habe er bevorzugt  Fantasy- und auch schon Horror-Romane gelesen. „Vorrangig im Bus auf dem Weg zur Schule und später im Zug auf dem Weg zur Uni“, wie er sich erinnert.

In Bezug auf die Verkaufs-Resonanz seiner Bücher bisher meinte er, wenn man so etwas als Jungautor angehe,  müsse man sich bewusst machen,  dass man von dem Schreiben  alleine seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten könne. Dies sei auch nicht vorrangig sein Ziel gewesen. Davon leben könne man nur, wenn man bei einem großen Verlag unterkomme und das Ganze in mehreren  Sprachen herausgegeben wird. „Es sei denn, man hat so einen Renner wie Harry Potter“. Die Realität sehe so aus, dass jedes Jahr rund eine Million unaufgeforderte Manuskripte bei den Verlagen eingereicht würden, da habe man als Jungautor wenig Chancen.  Auch er habe  rund 100 Verlage angeschrieben, bis schließlich ein Verlag „ja“ gesagt habe, „ich hätte es mir sonst für mich alleine binden lassen“, sagt er.

Seine Bücher sind inzwischen über verschiedene Anbieter im Internet und im Besonderen auch in der Buchhandlung Ulrike Sowa in Homberg Ohm und dort auf Wunsch auch signiert zu erhalten. Da heutzutage Bücher von den meisten Lesern über  Plattformen im Internet und dort insbesondere aufgrund von Bewertungen gekauft werden, ist es Stefan Deichert wichtig, dass wer seine Bücher  übers Internet erwirbt,  sich etwas Zeit nimmt,  um anschließend eine Bewertung darüber zu verfassen. „Oder einfach  direkt  in den Buchladen gehen, ist eh‘ viel schöner“, sagt er.

Inzwischen hat Stefan Deichert, der das Schreiben nach wie vor als eines seiner Hobbys bezeichnet („ansonsten wäre es ein Beruf“ sagt er) bereits ein neues Buch schon angefangen,  in dem es um  Dystopie, eine in die Zukunft spielende Erzählung und um einen 15-jährigen Computerfreak gehe. Man kann gespannt sein.

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