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Ungewöhnliche Fotoaustellung von Gerd Ludwig an der niederländischen GrenzeZwei Alsfelder stellen Beuys auf die Wiese

ALSFELD/KLEVE (aep). Es geht um den 100. Geburtstag von Joseph Beuys, um Kunst,  um Werbung für eine Region bei einer ungewöhnlichen Ausstellung, die dieser Tage in der Düffel, einem Fleckchen bei Kleve an der niederländischen Grenze, eröffnet wurde. Was die Geschichte in Alsfeld interessant macht, ist ein ungewöhnliches Zusammentreffen zweier ehemaliger, recht bekannter Alsfelder bei der Gelegenheit: Gerd Ludwig und Frank Mehring als die Hauptakteure bei dieser Kunstaktion.

Als erfolgreicher Dokumentarfotograf, so ist bekannt, hat der in Los Angeles lebende Gerd Ludwig viele Länder bereist. Es ist aber eine Fotoaktion im Deutschland  von 1978, die für die jetzige Installation Pate steht. Damals fuhr Ludwig zusammen mit dem Zeit-Journalisten Peter Sager und Joseph Beuys für eine Fotoserie in die Landschaft, in der der weltberühmte Künstler aufgewachsen.

Es entstanden zahlreiche Portraitbilder von Beuys im typischen Look mit Hut, Trench und Weste vor Wiesen, Alleen, Seen und Feldwegen – auch das berühmte mit dem Hasen am ausgestreckten Arm.

Joseph Beuys mit dem toten Hasen wurde 1978 zu einem ein Kultbild. Foto: Gerd Ludwig

„Zeit im Beuys Land – Kunst & Klimawandel“

Es mag die Erinnerung an die auch in Alsfeld bekannten Fotos sein, die in Frank Mehring etwas auslösten, als sich der 100. Geburtstag von Beuys näherte. Er arbeitet als Professor für Amerikanistik im niederländischen Nijmegen und ist ehrenamtlicher Leiter des Museums Forum Arenacvum in Kleve-Rindern. In der Position ist er Initiator und Koordinator der außergewöhnlichen Ausstellung, die unter dem Titel „Zeit im Beuys Land – Kunst & Klimawandel“ nicht nur zu einer künstlerisch motivierten Fahrrradtour durch die Düffel anregt, sondern dabei zugleich zu Nachhaltigkeit anregen soll.

Frei nach einer Botschaft, mit der Beuys dem Problembewusstsein moderner Zeit bereits vorgegriffen hat: „Kunst ist die einzige Form, in der Umweltprobleme gelöst werden können.“

Der Beuys in der Pappelallee. Foto: Gerd Ludwig

Fahrradtour mit Fotokunst

Der ehemalige Alsfelder Mehring animierte also den ehemaligen Alsfelder Ludwig, eine Reihe seiner damaligen Bilder in Quadratmeter-Formaten in der Landschaft aufstellen zu lassen. „Ich habe da gerne zugesagt“, erzählt Gerd Ludwig. „dabei habe ich erst gar nicht gewusst, dass Frank Mehring auch aus Alsfeld kommt.“ Neun der Werke bilden die Stationen einer online nachvollziehbaren Fahrradtour zu jenen Orten, an denen die Fotos 43 Jahre zuvor entstanden waren – damals in der eiskalten Luft des Januar 1978 und mit einem skeptischen Joseph Beuys, dem das Hasenfoto schon zu lange dauerte. So erinnert sich Gerd Ludwig.

Der Künstler als Mensch

So menschlich sieht auch Frank Mehring die Fotos: Sie zeigten den Künstler als Menschen, erklärt er zur Eröffnung. „Beuys hat gesagt: Jeder Mensch ist ein Künstler. Aber jeder Künstler ist auch ein Mensch. Da zeigen die Fotos.“. Der 50-Jährige, der in Alsfeld Ende der 90er Jahre als Musiker (unter anderem „Helter Skelter“) bekannt geworden war, verbindet mit der frei zugänglichen Installation noch mehr: Er möchte auf die eher wenig bekannte, aber doch sehr reizvolle Landschaft des Düffel zwischen interessanten Städten mitten in Europa aufmerksam machen. „Eine solche Ausstellung ist auch ein Anlass, sich hier einmal umzuschauen.“

Von Alsfeld über die USA nach Rindern an der deutsch-niederländischen Grenze

Noch ein Detail verbindet Frank Mehring und Gerd Ludwig in ihren Biografien: der Bezug zu den USA. Dort lebte auch Frank Mehring mehrere Jahre. Er beschreibt seinen Weg von Alsfeld nach Rindern via USA selbst:

„Auf der einen Seite ist es weit weg von meinen Lieblingsstaedten Boston und Berlin. Aber es ist auch eine Art homecoming – zumindest für meine Frau Terri. Die habe ich 1995 in Madison, Wisconsin kennengelernt und nach unserer Zeit in Boston, wo ich Teile meiner Dissertation über die Komponisten Charles Ives und John Cage geschrieben habe, überreden konnte, mit mir zusammen nach Berlin zu ziehen.

Nach zwölf Jahren Bundeshauptstadt, Heirat und Sohn kam die Anfrage, ob ich die Amerikanistik in Nijmegen übernehmen und mit einem transnationalen Schwerpunkt ausbauen wollte. Das war eine einmalige Möglichkeit im Herzen Europas über europäisch-amerikanische Kontakte und Konfrontationen meine Vorstellung von transatlantic studies zu verwirklichen.

Unweit von Nijmegen liegt der Ort Wychen. Der Nachname von Terris Mutter lautet van Wychen. Sie stammt also aus Wychen, und so kann sie hier im Grenzgebiet an Ihre Familiengeschichte anknüpfen. Wir haben ein 130 Jahre altes Haus mit vielschichtiger Geschichte in Rindern gefunden. Im Nachbarhaus spielte der kleine Jupp. Dass ich nach nur vier Jahren Leben und ehrenamtliches Wirken in Rindern die Position der Leitung des Museum ARENACVUM angeboten wurde, ehrt mich sehr. Man ist von Rindern genau so schnell in Düsseldorf und Utrecht wie von Charlottenburg nach Pankow. Und danach kommen Amsterdam, London, und Paris. Die Vorteile dieser Region werden oft unterschätzt.“