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Lauterbacher Linke kritisiert die geplante Umwidmung in ein GewerbegebietBodenversiegelung, Umweltzerstörung, ein Angriff auf Lebensgrundlage und weitere Verkehrsbelastungen

LAUTERBACH (ol). Nicht nur Wald ist wertvoll, auch fruchtbares Ackerland wird immer mehr zur Mangelware. Mit Unverständnis reagiert daher die Linke auf Äußerungen von Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller, der begrüßt, dass 26 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche bei Reuters im neuen Regionalplan Mittelhessen in ein Gewerbegebiet verwandelt werden sollen.

In der Pressemitteilung heißt es seitens der Linken, dass Vollmöller diesen Schritt begrüße, „dem noch viele weitere folgen müssten“. Für die Linke bedeute diese Umwidmung in ein Gewerbegebiet im Klartext: Bodenversiegelung, Umweltzerstörung, einen Angriff auf die Lebensgrundlage von Landwirten und weitere Verkehrsbelastungen für Reuters.

Weitere Baumaßnahmen würden bereits im Vorfeld drohen, da das Gebiet an kein anderes Gewerbegebiet angrenze und komplett neu erschlossen werden müsste. „Das ist es nicht was die Landwirte wollten, als sie für faire Preise kämpften und mit Treckern bis Berlin gefahren sind: Die Zerstörung ihres Grund und Bodens“, so Linken-Fraktionsmitglied Katharina Jacob. Zumal viele Landwirte durch weiteren Bodenverlust gezwungen wären, das wenige verbliebende Land noch intensiver, sprich: umweltunverträglicher, zu bewirtschaften, als sie es derzeit bereits gezwungen seien zu tun.

Vielen gehe es nicht ums Geld, so habe es ein Landwirt Jacob erklärt, als sie auf Ausgleichszahlungen zu sprechen kam. Die Landwirte würden ihr Land lieber beackern.

Der weniger stark besiedelte Raum im Osten Mittelhessens solle gestärkt werden, zitiert die Linke aus der Lauterbacher Tageszeitung. „Durch die Ansiedlung fremder Firmen, die im Falle eines Bankrotts verbrannte Erde hinterlassen? Durch die Minderung der Lebensqualität der sonstigen Anwohner? Durch das Schaffen von Arbeitsplätzen, aber welchen? Wie gut bezahlt? Wie viele?“

Die Linke befürchte, dass Fakten geschaffen werden sollen, um ein „weiteres, künstliches Argument für die geplante Ortsumgehung B254n zu schaffen“. Immer mehr Industriegebiete würden eine immer umfangreichere Verkehrsanbindung für immer größere Lkw benötigen – „und das alles wahrscheinlich auch hier für arbeitsplatzarme Logistikzentren, wie die Betonung der Autobahnanbindung vermuten lässt.“

Der Vogelsberg als Vogelschutzgebiet werde am Rande im gleichen Artikel erwähnt. Das Gebiet, in dem man Greifvögel verschiedener Art beobachten und die Lerche singen hören könne, als alternativlos für eine Industrieansiedlung zu bezeichnen, zeuge von Unverschämtheit. Wer genau die „strategische Umweltprüfung“ durchgeführt habe, wäre an dieser Stelle ebenfalls interessant, wirft die Linke auf.

„Unter welchen Bedingungen und zu welchen Kosten ist die Realisierung möglich?“, hätte Bürgermeister Vollmöller gefragt. Die Linke antworte hier: „Gar nicht, Herr Bürgermeister, die Kosten sind zu hoch!“ Um Landschaft und Klima zu retten sei es notwendig, nur noch bereits bebaute, nicht mehr genutzte Industrieflächen für Ansiedlungen zu nutzen und keine neuen Straßen zugunsten einer Förderung von Bahn und Nahverkehr mehr zu bauen.

3 Gedanken zu “Bodenversiegelung, Umweltzerstörung, ein Angriff auf Lebensgrundlage und weitere Verkehrsbelastungen

    1. Die besten Flächen sind immer noch die, die man von den Vätern ererbt hat. Photovoltaik-Anlagen (PVA) auf der ‚Grünen Wiese‘: Win. Ackerland wird Bauland: Win win. Naturschutzgebiet wird Windpark: Win win win. Mit Grundbesitz ist es wie mit dem Beton aus der Werbung: Es kommt drauf an, was man draus macht.

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  1. Natürlich müssen solche Projekte hinterfragt werden. Anstatt aber immer alles mies zu machen wäre es doch besser die Bevölkerung nach Ideen zu befragen, wie ein solches Projekt am Besten umgesetzt werden kann.

    Eine PV-Anlage auf der riesigen Dachfläche als Bürgerbeteiligung würde die Akzeptanz deutlich fördern.

    Das Regenwasser sollte in einem großen Löschteich gesammelt werden. Waldbrände wird es in Zukunft mit Sicherheit geben. Vorsorge in Form eines Wasserreservats lässt bei dieser Baumaßnahme leicht durchführen.

    Was die Landwirtschaft angeht, so sieht die Sachlage tatsächlich anders aus. Es vergeht kein Tag, an dem nicht Landwirte ihren Betrieb dicht machen. Das Höfesterben ist die eigentliche Bedrohung für die Landwirtschaft. Die dadurch freiwerdenden Flächen werden dann von den übriggeblieben Landwirten einverleibt. Aus der betriebswirtschaftlichen Perspektive des einzelnen Landwirts erscheint die verfügbare Fläche also gar nicht endlich.

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