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Bewohner der Alten Kelterei blicken auf das vergangene Jahr zurückDas Leben in einer Gemeinschaft in Zeiten von Corona

ARNSHAIN (ol). Leben in einer Gemeinschaft – Wie geht das in Coronazeiten? Einen Einblick und erste Erfahrungen liefern die Bewohner des Wohnprojektes der Alten Kelterei in Arnshain. Unter erschwerten Bedingungen durch die Pandemie blicken die diese nunmehr auf ein Jahr „Leben und leben lassen“ zurück – und das mit großer Zufriedenheit.

Nach Fertigstellung der Um- und Neubauten Ende November 2019 zogen zwei Paare und zwei Einzelpersonen auf das schöne Gelände mit dem Fachwerkensemble, heißt es in der Pressemitteilung der Alten Kelterei. Insgesamt leben nunmehr zehn Personen in jeweils abgeschlossenen Wohneinheiten im Wohnprojekt. Vor allem in den besonderen Zeiten von Corona habe sich diese Wohnform bereits bestens bewährt.

„Man fühlt sich nie allein, obwohl man seinen abgeschossenen Bereich hat. Man begegnet sich auf dem Hof, trifft sich schnell mal zu einem Kaffee im Freien oder wärmt sich spontan auf der Terrasse an der Feuerschale. Und man unterstützt sich gegenseitig, indem beispielsweise Einkäufe gebündelt werden. Natürlich gibt es auch mal Meinungsverschiedenheiten, aber die haben wir bis jetzt immer in offenen Gesprächen lösen können“, erzählt eine Mitbewohnerin.

Pläne für die Zukunft

Für weitere fünf Personen soll nun in der zweiten geplanten Bauphase zusätzlich barrierefreier Wohnraum entstehen. Eine Scheune werde umgebaut, sodass zwei Dreizimmer-Wohnungen und eine Zweizimmer-Wohnung jeweils mit Balkon beziehungsweise Terrasse entstehen. Die erste Planungsphase laufe bereits. Baubeginn soll im vierten Quartal 2021 sein, sodass die neuen Bewohner Ende 2022 ihre Wohnungen beziehen könnten.

Sobald es die Corona-Regelungen es erlauben, werde es in der Alten Kelterei auch wieder ein Kulturprogramm mit Ausstellungen, Lesungen, Kunsthandwerkermarkt, Kellerflohmarkt und vielem mehr geben. „Wir hoffen, dass das Tagungshaus im Sommer wieder öffnen kann, dann werden auch Veranstaltungen wie der „offene Garten“ mit Kaffeetrinken, öffentlicher Mittagstisch und die Kennenlernwochenenden (geplant für den 23. bis 25. April und den 9. bis  11. Juli 2021) wieder stattfinden“, zeigt sich die Leiterin des Tagungshauses, Liane Kohn, zuversichtlich.

Unterstützung gesucht

Die Finanzierung des Wohnprojekts, das als GmbH organisiert ist, laufe neben öffentlichen Zuschüssen (Förderung des ländlichen Raums) über Bankkredite, die durch die Mieten der Bewohner getilgt werden und Direktdarlehen, die nach Ablauf der vereinbarten Laufzeit als Ganzes zurückgezahlt werden.

„Wer Geld in einem sozialen Projekt investieren und damit ein zukunftsweisendes, alternatives Lebensmodell in der Region unterstützen möchte, kann sich gerne an das Wohnprojekt wenden. Die Direktdarlehen, die auch verzinst werden, sind individuell gestaltbar und werden persönlich abgesprochen. Das Wohnprojekt ist Mitglied im Mietshäuser Syndikat und hat deren Konzept übernommen, private Bereicherung oder Immobilienspekulation sind ausgeschlossen“, heißt es in der Pressemitteilung abschließend.

Ein Gedanke zu “Das Leben in einer Gemeinschaft in Zeiten von Corona

  1. Solche Wohnprojekte sind ein gutes Modell, um größere Objekte auf dem Lande einer Wohnnutzung zuzuführen und den steigenden Bedarf nach günstigen Mietwohnungen für 1- und 2-Personen-Haushalte zu befriedigen. Ein weiterer Vorteil ist die Förderung des Gemeinschaftsgefühls unter den Mietern. Aber solche Projekte sind leider nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Und immer noch fehlt es an öffentlicher Förderung solcher Wohnkonzepte. Stattdessen werden immer weiter Wohngebiete für Einfamilienhäuser erschlossen, weil man besonders junge Familien anlocken will, mit deren Hilfe dann der Nachschub für Kindergärten etc. gesichert werden kann. Hier ist ein Umdenken notwendig. Schließlich haben z.B. auch Alleinerziehende, die sich kein teures Eigenheim leisten können, Bedarf an Kita-Plätzen und Schulen.

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