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Kontaktverbot verlängert, Einzelhandel darf wieder öffnen, Schulbeginn mit den Abschlussklassen und Großveranstaltungen bis zum 31. August verbotenBouffier: „Wir müssen aufpassen, dass wir jetzt nicht zu weit gehen“

HESSEN (ol). Bund und Länder haben im Kampf gegen das Coronavirus am Mittwoch weitere Maßnahmen beschlossen. Demnach sollen die Kontaktbeschränkungen zunächst bis zum 3. Mai verlängert werden. Lockerungen soll es hingegen im Bezug auf den Einzelhandel geben. Großveranstaltungen hingehen, sollen noch weiterhin bis zum 31. August verboten sein.

„Wir müssen aufpassen, dass wir jetzt nicht zu weit gehen“, erklärte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier nach der gemeinsamen Besprechung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten in einer Pressekonferenz. Einerseits dürfe das Gesundheitssystem nicht gefährdet werden, andererseits wolle man nicht erst wieder lockern, um dann wieder zurückschrauben zu müssen. Man müsse kleine Schritte gehen, statt große. „Noch haben wir also keine dauerhafte Lösung gefunden“, sagte Bouffier. Alle zwei Wochen wolle man gemeinsam weitere Schritte gehen.

Zunächst einmal sei entschieden worden, dass die bestehenden Kontaktbeschränkungen bis zum 3. Mai verlängert werden. Sprich: Bis dahin dürfen weiterhin nur zwei Leute gemeinsam raus. Außerdem soll der deutsche Einzelhandel ab Montag wieder öffnen dürfen, oder jedenfalls die Geschäfte, die kleiner als 800 Quadratmeter groß sind. „Das ist eine Größenordnung, über die man streiten kann“, sagte der Ministerpräsident, allerdings würde man ab dieser Ladenfläche zwischen Einzel- und Großhandel unterscheiden. Ab wann genau die Einzelhändler in Hessen wieder öffnen dürfen steht bislang noch nicht fest, das wolle Bouffier zunächst mit dem Corona-Kabinett besprechen, jedoch rechne er, dass es im Laufe der kommenden Woche sei.

„In dieser Größenordnung sehen wir eine Möglichkeit, dass viele Geschäfte wieder in Betrieb kommen und sich wirtschaftlich stabilisieren“, erklärte der Ministerpräsident. Auch für die Geschäfte würden Schutzkonzepte wie Hygieneregeln und Abstandsbeschränkungen gelten – sowohl durch die Geschäfte selbst, als auch durch die Kunden. Auch Buchhandlungen, Fahrradgeschäfte oder Autohäuser dürften wieder öffnen. Friseure hingehen sollen zunächst noch weiterhin geschlossen bleiben, ebenfalls wie Restaurants oder Eisdiele. Allerdings seien hier – explizit auch bei den Eisdielen – der Abhol- oder Lieferservice erlaubt.

Eine generelle Mundschutzpflicht soll es in Deutschland nicht geben, allerdings sei es sinnvoll eine Mundmaske zu tragen, weshalb man sich auf eine strikte Empfehlung des Tragens einer Alltagsmaske verständigte – besonders im öffentlichen Nahverkehr oder aber in Geschäfte. Kur: Überall dort, wo man in Kontakt mit anderen Menschen kommt, sollte man eine Alltagsmaske aus Stoff tragen, so die Empfehlung.

Der Schulbetrieb soll in Hessen ab dem 27. April wieder schrittweise aufgenommen werden. Zunächst sollen die Schulen für die Abschlussklassen wieder geöffnet werden. Dazu würden die Abschlussklassen der Oberstufe, Mittelstufe und auch Hauptschulen zählen. Grundschulen befinden sich laut Bouffier „am Ende der Kette“.

Wann diese wieder den Betrieb aufnehmen können, ist aktuell noch nicht bekannt. Ältere Kinder würden sich eher an die Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln halten können, als beispielsweise Grundschüler oder auch Kindergartenkinder. Deshalb werden laut dem Ministerpräsidenten auch „Kitas noch eine ganze Weile geschlossen bleiben“. Man wolle aber die Notbetreuung deutlich ausbauen.

Weiterhin bestätigte Bouffier die Medienberichte, wonach Großveranstaltungen in ganz Deutschland bis zum 31. August verboten bleiben. Eine genaue Größenordnung gab der Ministerpräsident dabei noch nicht bekannt, doch erklärte er, dass insbesondere die Ansteckungsgefahr durch Volksfeste verhindert werden wolle.

Wie man mit den Gottesdiensten der verschiedenen Religionsgemeinschaften verfahre, wolle man gemeinsam mit den Gemeinschaften selbst besprechen, allerdings könne man sagen, dass das kirchliche Leben so wie man es kennt, erst einmal nicht möglich sei, allerdings gebe es verschiedene Möglichkeiten wie es anders stattfinden könne. „Dort, wo viele Menschen zusammenkommen, ist die Ansteckungsgefahr groß. Deshalb wollen wir mit den verschiedenen Kirchen klären, wie man weiter verfahre“, sagte Bouffier. Der Ramadan und das abschließende Zuckerfest könnten in der gewohnten Form, so erklärte es Bouffier, ebenfalls nicht stattfinden.

5 Gedanken zu “Bouffier: „Wir müssen aufpassen, dass wir jetzt nicht zu weit gehen“

  1. Nachtrag zu meinem Kommentar von vorhin
    So veröffentlicht der Wetteraukreis

    Jede Wetterauer Kommune betroffen

    Die 209 Krankheitsfälle verteilen sich auf alle 25 Wetterauer Städte und Gemeinden.

    Die Stadt Bad Vilbel hat mit 34 Fällen den höchsten Stand (davon 19 genesen), gefolgt von Karben mit 28 (davon 13 genesen) und Bad Nauheim mit 26, von denen 14 wieder genesen sind, Ortenberg mit 17 Erkrankten, davon sechs Genesenen.

    Im niedrigen zweistelligen Bereich liegen Büdingen mit 13, Butzbach und Friedberg mit je zwölf Fällen.

    Die weitere Verteilung der bestätigten Corona-Fälle

    > Nidda: Neun

    > Altenstadt: Sieben > Kefenrod, Limeshain: Jeweils sechs > Florstadt: Fünf > Glauberg, Münzenberg, Ober-Mörlen, Rosbach, Wölfersheim: Jeweils vier > Echzell, Reichelsheim: Jeweils drei > Gedern, Rockenberg: Jeweils zwei > Hirzenhain, Niddatal, Ranstadt, Wöllstadt: Je ein Fall.

    Sowas verletzt keinen Datenschutz und die betroffenen Kranken werden immer noch geschützt.

  2. Der Ruf nach Bekanntgabe von genauen Wohnorten mit Erkrankungsfällen war hier schon öfter zu hören.
    Ich denke es geht zu weit genaue Ortsangaben zu machen.
    Was mich aber im Zuge der Schul- und Kitaöffnung nachdenklich macht:
    Werden die Schulen und Kitas überhaupt informiert,wenn sich im Einzugsgebiet der Schule oder Kita ein Fall oder gar mehrere bestätigen sollten?
    Ich denke,wenn man z.B. in der Gemeinde Grebenhain Fälle identifiziert, würde die Oberwaldschule davon in Kenntnis gesetzt werden?
    Das ist meiner Meinung nach schon von Bedeutung und verletzt auch keinerlei Datenschutzrechte.
    Der überwiegend grösste Teil Deutschlands hat alles gegeben um die Kurve abflachen zu lassen und ich denke man geht mit Schul- und Kitaöffnung jetzt ein grosses Risiko ein das verständlichlerweise auch mit großer Angst verknüpft ist.

  3. Ich habe 1996 meine Prüfung zur staatlich anerkannten Erzieherin abgelegt und arbeite seither,abgesehen von zweimal Elternzeit für meine eigenen Kinder in meinem Beruf.
    Ich spreche aus Erfahrung wenn ich hier behaupte,das selbst die SCHÖNSTE HANDPUPPE Kinder im Vorschulbereich nicht davon abhalten wird,ihren Instikten zu folgen,nämlich vollkommen unvoreingenommen Kontakt zu anderen Menschen zu suchen und das hauptsächlich über Körperkontakt,das liegt in der kindlichen Natur und vollzieht sich auch noch so im Grundschulbereich,mein Jüngster ist Grundschüler und auch bei ihm ist es NOCH so.
    So einen Blödsinn zu schreiben,da fehlen mir wirklich die Worte.

  4. Der Coronavirus bringt mit jeder Stufe einer scheinbaren Entspannung auch seinen ständigen Begleiter, den Coro-Naivus hervor, eine Art lockeren Bruder Leichtfuß, der letzteren immer sofort in die Tür zu stellen versucht, wenn sich irgendwo ein Lichtblick andeutet oder ein Hoffnungsschimmer durch den Türspalt blitzt. Angetrieben wird er durch die Hoffnung auf die baldige Rückkehr zur Normalität.
    In einer Wohlstandsgesellschaft hasst man die schlechten Nachrichten und die harten Konsequenzen. Und lange war sich die bürgerliche Mehrheit einig, in einer kaum zu erschütternden Wohlstands-Epoche zu leben, in der es immer nur aufwärts ging. Und kaum einer sah, dass falsche Weichenstellungen den Anfang vom Ende bereits zu einem Zeitpunkt vorprogrammiert hatten, dessen man sich kaum noch zu erinnern vermochte. Die Wählergunst bröckelte, während die Sozialdemokraten ihrer schwindenden Anhängerschaft die Korrekturen am selbst zu verantwortenden Sozial-abbau als neues Sozialprogramm zu verkaufen versuchten, während CDU/CSU die „schwarze Null“ heiligten, deren tönerne Füße allerdings auf den Trümmern eines kaputt gesparten Gemeinwesens und leichtfertig privatisierten Versorgungssystems ruhten.
    Und in dieses von Auflösung der sozialen Sicherungssysteme, Notständen in allen Pflegebereichen, Bildungsproblemen, nur notdürftig begonnener Vorschul- und Ganztagsbetreuung, Flüchtlingselend, Militär- und Handelskonflikten geprägte Chaos schlägt jetzt eine pandemische Katastrophe wie eine Atombombe ein, deren das Gesundheitswesen sprengende Wucht nur um den Preis eines sämtliche Wirtschaftskreisläufe lahm legenden und letztlich zerstörenden Lockdowns aufzuhalten ist. Und fast zeitgleich mit der Erkenntnis, in diesem Punkt gar keine Wahl zu haben, dämmert bereits den Verantwortlichen, dass sie sich mit dieser Notmaßnahme nur zwischen Pest und Cholera, dem sofortigen Zusammenbruch des Gesundheitswesens und der innerhalb weniger Monate schon nicht mehr revisiblen Zerstörung sämtlicher nationalen Volkswirtschaften entschieden haben.
    Und es naht die unendliche und unsägliche Debatte um den Ausstieg aus dem Lockdown (siehe Link). Kommt nun die Phase des „Rette sich wer kann“, der Entsolidarisierung? Wer darf als erster wieder Geld verdienen und wird überleben? Wer wird zu den Verlierern gehören, deren Arbeitsplätze auf Dauer futsch sind oder denen von ihrem Aufbruch in die Selbständigkeit nur ein Schuldenberg bleibt? Ganze Wirtschaftszweige wie der Tourismus, Kunst und Kultur oder große Teile der Automobilindustrie drohen weg zu brechen. Oder nutzt man diesen gigantischen Umbruch nun für eine grundlegende Gesellschaftsreform auf der Grundlage des bedingungslosen Grundeinkommens (siehe https://www.sueddeutsche.de/kultur/bedingungsloses-grundeinkommen-wann-wenn-nicht-jetzt-1.4849696) und löst auf diese Weise die Mängel von Pflege, Pflegeversicherung, Renten, Sozialhilfe usw., usw. auf einen Streich?

  5. sehe ich nicht so: Warum sollten sich kleinere Kinder (Kindergarten) und Grundschüler nicht an „Verhaltensregeln“ halten können? Im Gegenteil: Ich würde sogar behaupten, dass sich unter Grundregeln dies leicht umsetzen lassen würde. Ich habe z.B. zwei Handpuppen, mit denen man visuell den Kindern leicht die erforderlichen Hygienemaßnahmen erklären lassen könnte! Kreativität ist in dieser besonderen Zeit gefragt u. nicht so sehr die Angst…die lähmt nämlich!

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