Gesellschaft0

Brederwasser, der Moosbach und der Örtenröder Bach werden durch Landes-Programm renaturiertDrei Vogelsberger Bäche werden wieder wild und natürlich

VOGELSBERG (ol). Wilde, natürliche und artenreiche Bäche – das ist das Ziel des Programms „100 Wilde Bäche“ des Umweltministeriums. Hessens Bäche sollen dabei wieder der Natur angeglichen werden. 290 Bewerbungen gab es dabei, 100 Kommunen haben es in das Programm geschafft – darunter auch der Brederwasser in Lauterbach, der Moosbach in Freiensteinau und Grebenhain und der Örtenröder Bach in Gemünden.

„Mit unserem Programm ‚100 Wilde Bäche‘ werden wir Gewässer aus ihrem Betonbett befreien und sie wieder in einen natürlichen Zustand versetzen. Unsere Bäche werden wieder wild, natürlich und artenreich. Ich freue mich, dass ich die 100 teilnehmenden Bäche heute verkünden kann. In 138 Kommunen werden jetzt Renaturierungsmaßnahmen auf den Weg gebracht“, sagte Umweltministerin Priska Hinz in Wiesbaden. Die Bäche sollen also wieder der Natur angepasst werden.

Insgesamt 290 Bewerbungen gab es für das Programm, doch nur 100 haben es geschafft. Deshalb musste, so aus der Pressemitteilung des Ministeriums, 29 Kommunen abgesagt werden. Die würden aber die Möglichkeit erhalten an einer Schulung teilzunehmen, in der die wesentlichen Schritte von Gewässerentwicklungsmaßnahmen vermittelt würden. „Damit können wir den Kommunen eine Unterstützung anbieten, damit sie trotzdem eine Renaturierung in Eigenregie durchführen können“, sagte Hinz. „Selbstverständlich können hierfür auch die bereits bestehenden Unterstützungs-, Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten des Landes genutzt werden. Bisher ist keine Renaturierung am Geld gescheitert, das wird auch so bleiben“, sagte die Umweltministerin.

Natürliche Lebensräume für Tiere und Pflanzen entstehen lassen

Durch Renaturierungen, also der Wiederherstellung der naturnahen Lebensräume, würden für viele verschiedene Tiere und Pflanzen im Wasser und am Ufer Lebensräume entstehen. Beispielsweise für geschützte Fischarten wie die Groppe oder das Bachneunauge. Auch die echte Brunnenkresse und die Bach-Nelkenwurz bekommen so die Chance am Ufer zu wachsen. Neben dem Erhalt der biologischen Vielfalt sorge man mit dem Programm auch für Klimaschutz und Klimaanpassung. Das Wasser werde wieder ungehindert fließen und ein breites und unberührtes Ufer entstehe.

„Renaturierte Gewässer bilden Frischluftschneisen und sorgen so für mehr Abkühlung in und außerhalb der Ortschaften. Gleichzeitig leisten sie einen Beitrag zum Hochwasserschutz, da Überflutungsbereiche geschaffen werden. Bei Starkregen breitet sich das Wasser in den Auen aus und fließt nicht ungehindert die Stadt hinein“, erklärte Hinz.

Drei Vogelsberger Bäche haben es ins Programm geschafft

Von rund 500 Bächen in Hessen wurden 100 anhand fachlicher Kriterien, wie beispielsweise der verfügbaren Flächen und vorhandenen Planungen, aus den Bewerbungen ausgewählt. Dabei wurden unter anderem Bäche priorisiert, die in besonders schützenswerten Gebieten liegen. Zudem wurde darauf geachtet, dass die ausgewählten Bäche gleichmäßig über die hessischen Landkreise verteilt und möglichst viele verschiedene Kommunen am Programm beteiligt seien.

„So konnte in jedem hessischen Landkreis mindestens ein Bach und maximal neun Bächen ausgewählt werden. Im Regierungspräsidium Darmstadt werden 45, im Regierungspräsidium Kassel 32 und im Regierungspräsidium Gießen 23 renaturiert,“ ergänzte Hinz. Darunter auch der Brederwasser, der durch Lauterbach, Lautertal und Ulrichstein fließt, der Moosbach in Freiensteinau und Grebenhain und der Örtenröder Bach, der durch Gemünden, Feldatal und Mücke fließt.

„Das Besondere an dem Programm ist, dass wir den Kommunen viel Arbeit abnehmen. Das Land unterstützt die Kommunen zum Beispiel beim Flächenmanagement, der Projektsteuerung und -planung sowie bei der organisatorischen Abwicklung der Maßnahmen vom Förderantrag bis zur Bauabnahme. Außerdem werden bis zu 95 Prozent der Kosten vom Land übernommen“, sagte die Ministerin. Die ausgewählten Kommunen würden nun zeitnah von einem vom Land beauftragten Dienstleister kontaktiert. Für die Finanzierung des Dienstleisters sei im Jahr 2020 eine Million Euro vorgesehen. Für die Renaturierungsmaßnahmen stehen für 2020 fünf Millionen Euro bereit.