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Vortrag im Hotel Klingelhöffer am 10. Dezember um 19.30 Uhr„Biopolitik 2.0 – Wie Kühl- und Gefrierpraktiken unsere Vorstellung von Leben verändern“

ALSFELD (ol). Auf Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Hessen wird Prof. Dr. Thomas Lemke am Dienstag, dem 10. Dezember um 19.30 Uhr im Hotel Klingelhöffer in Alsfeld zum Thema „Biopolitik 2.0 – Wie Kühl- und Gefrierpraktiken unsere Vorstellung von Leben verändern“ sprechen.

Der Soziologe ist der wohl führende Experte für Biopolitik in Deutschland und hat einen Lehrstuhl an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, heißt es in der Veranstaltungsankündigung. Er lehrte in den letzten Jahren unter anderem auch in London, New York, Kopenhagen und Sydney. In seinem Vortrag werde der Referent Ausgangsüberlegungen und zentrale Thesen eines neuen Forschungsprojekts präsentieren, das die Sammlung, Lagerung und Nutzung von menschlichem und nicht-menschlichem organischem Material durch Verfahren des Kühlens und Gefrierens untersuchen soll.

Seine These sei, dass die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung dieser „Kryotechnologien“ in einer folgenreichen Verschiebung der Zeit- und Raumrelationen und der radikalen Neufassung des Verhältnisses von Natur und Kultur besteht. „Bislang kennen wir hauptsächlich das Einfrieren von Eizellen und Spermien“, erläutert Dietmar Schnell vom gastgebenden Rosa-Luxemburg-Club Vogelsberg, „doch längst läuft die Forschung, auch ganze Organe oder komplette Lebewesen auf diese Weise zu konservieren.“ Welche Konsequenzen daraus für unsere Gesellschaft erwachsen, sei heute noch nicht voll umfänglich absehbar.

Der Vortrag erläutere zunächst die Geschichte und die Bedeutung der Kryotechnologien, um dann auf jene Techniken zu fokussieren, die sich mit dem Einfrieren und Konservieren organischen Materials befassen. Der zweite Teil des Vortrags illustriere anhand von ausgewählten Fallbeispielen verschiedene Felder, in denen diese Techniken eingesetzt werden und diskutiert einige Folgen dieses Einsatzes. Im dritten Teil werde Lemke skizzieren, wie Kryotechnologien traditionelle Zeit- und Raumkonzepte, aber auch Grenzziehungen zwischen Natur und Kultur verändern. Am Ende steht ein Fazit, das zentrale Argumente des Vortrags knapp zusammenfasst, und weitere Forschungsperspektiven skizziert. Der Eintritt ist frei.

Ein Gedanke zu “„Biopolitik 2.0 – Wie Kühl- und Gefrierpraktiken unsere Vorstellung von Leben verändern“

  1. „Bislang kennen wir hauptsächlich das Einfrieren von Eizellen und Spermien.“ Oh, nein, Nischen-Fachgelehrter und führende Experte für Biopolitik, Prof. Dr. Thomas Lemke! Hauptsächlich kennen wir das Einfrieren von Suppengemüse und Fischfilet!
    Die „Sammlung, Lagerung und Nutzung von menschlichem und nicht-menschlichem organischem Material durch Verfahren des Kühlens und Gefrierens“ interessiert in unserer Gesellschaft wohl nur ein paar Züchter der eigenen Nachkommenschaft, die die dazu notwendigen Ingredienzien schockfrosten, um sie später mal zur Reproduktion zusammen gießen wollen, wenn Familienplanung und Karriereplanung irgendwie besser harmonieren. Nun ja, und mancher hat wohl auch noch einen Vorfahren in der Tiefkühltruhe, um weiterhin die schöne Rente oder Pension kassieren zu können. Klappe zu. Oma tot.

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