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Woche des bürgerschaftlichen Engagements vom 13. bis 22. SeptemberFür mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft

VOGELSBERG (ol). Auf Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend findet 2019 bereits zum 15. Mal die Woche des bürgerschaftlichen Engagements statt – und zwar vom 13. bis zum 22. September.

Im Vogelsberger Bündnis für Familie ist Rosemarie Müller die Sprecherin im gleichnamigen Handlungsfeld. Bürgerschaftliches Engagement hat sich in den letzten Jahren zu einer wichtigen Ressource bei der Lösung gesellschaftlicher Veränderungen entwickelt.  „Es bringt zusammen und hält zusammen. Es ist wichtig für unsere Gesellschaft, denn die wäre arm ohne Empathie, Solidarität und Mitmenschlichkeit“, sagt Rosemarie Müller, „wo sich Menschen gemeinsam für eine Sache einsetzen, entsteht ein Gefühl von Zugehörigkeit, Sicherheit und Orientierung.“

Ehrenamtliches Engagement hat eine zentrale Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und es bereichert in seinen unterschiedlichen Formen das demokratische Gemeinwesen. Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen und sich dabei auch für die Schwächeren und Hilfsbedürftigen einsetzen – das ist gerade in der heutigen Zeit wichtiger denn je. „Im hundertsten Geburtsjahr unserer Demokratie sollten wir auf die Wichtigkeit dieses Engagements für ein gelingendes Miteinander ein besonderes Augenmerk legen“, so die Handlungsfeldsprecherin weiter. Viele Menschen engagieren sich in unterschiedlichen Vereinen, Institutionen und Organisationen in unserem Landkreis.

Das werde spätestens alle zwei Jahre bei der Ausschreibung der „Guten Beispiele im Ehrenamt“ sichtbar, die mit rund 20 Anmeldungen regelmäßig auf große Resonanz stoße. „Jede Aktion und jedes Projekt ist großartig, und jeder, der sich ehrenamtlich für eine Sache einsetzt, kann stolz darauf sein“, unterstreicht Rosemarie Müller.


4 Gedanken zu “Für mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft

  1. Aber der gesellschaftliche Kitt für alle, die sich benachteiligt oder nicht hinreichend wertgeschätzt fühlen, ist mittlerweile die AfD! Natürlich führt das die Gesellschaft nicht in Gänze zusammen. Aber hat es diese ganze, homogene, denselben Werten verpflichtete Gesellschaft überhaupt je gegeben? Nein, hat es nicht. Die Gegensätze zwischen Oben und Unten, besitzend und besitzlos, adelig, bürgerlich und proletarisch, evangelisch und katholisch usw., usw. waren früher wesentlich krasser. Nur haben „Die da oben“ sich früher in der Lage gefühlt, den Laden auch ungeachtet dieser Gegensätze mit autoritären Mitteln unter Kontrolle zu halten. Zum Beispiel mit der Klammer des Nationalstolzes. Da wurde Patriotismus angeordnet und alles schrie Hurra.
    Was die AfD-Anhänger angeht, kann ich deren Denkweise (die allerdings kurzschlüssig ist!) immerhin nachvollziehen. Die Welt ist durch nationales Regierungshandeln nicht mehr kontrollierbar. Das Kapital hat sich völlig verselbständigt. Die Reichen machen ihre eigene Politik und setzen sich über die nationalen Gesetze hinweg. Überall lassen sich finstere Warlords rekrutieren, die auf Knopfdruck ihrer Financiers in jeder beliebigen Weltregion eine Krise auslösen. Zudem ist die Zahl der unberechenbaren Player auf der politischen Weltbühne heute größer denn je (siehe China, Indien, Pakistan, Saudi Arabien usw.). Da erscheint der Gedanke (schein-)plausibel, man müsse die einzelne Nation wieder stärken und zu einstiger Größe führen, um kontrollieren zu können, was die Lebensinteressen des eigenen Volkes sichert. Nur funktioniert das Prinzip „Wir wollen unseren Kaiser Wilhelm wieder haben!“ eben nicht mehr. Denn der AfD-Nationalismus ist ja lediglich Maulheldentum, dem gar keine nationale Verfügungsmacht oder militärische Macht zur Seite steht.

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  2. Ach ja, wie wäre das schön! Alle staatlichen Aufgaben, die die Kommunen sich nach und nach vom Hals geschafft haben (Sparzwang!), übernehmen die engagierten Bürger nun selbst. Denn Sie möchten der Kitt sein für eine Gesellschaft, die durch die arbeitsmarktpolitischen Taschenspielertricks von Rot-Grün und Schwarz-roter Groko nahezu in zwei Hälften zerbrochen ist: Gutverdiener mit Festanstellung und prekär Beschäftigte bzw. Geringverdiener. Siehe http://www.sozialpolitik-aktuell.de/kontrovers—das-aktuelle-thema-prekaere-beschaeftigung.html!
    Und wo die soziale Sicherheit immer mehr verloren geht, wird gefühlig im Ehrenamt gekuschelt. Leitbild: Kuschelengel (https://www.youtube.com/watch?v=1jCtqoLq1uA).
    Doch diese ganze vermeinliche Wertschätzung des Ehrenamts ist vor allem Opium fürs Volk. Die größte Ehrenamts-Institution ist die Pflege von Alten und Schwerkranken durch Familienangehörige, durch die der Staat auf Kosten der sozialen Absicherung pflegender Familienangehöriger viele Milliarden jährlich spart. Und damit daraus immer noch mehr Milliarden werden, bleibt die faktische Unterstützung der ehrenamtlich Pflegenden auf niedrigstem Niveau oder wird den Wohlfahrtsverbänden zugeschoben.
    Wer wissen will, wie sehr das Ehrenamt von der Politik geschätzt wird, braucht sich nur einmal die „Vergünstigungen“ ansehen, die mit der sog. „Ehrenamtscard“ verbunden sind (am besten mal mit den Vergünstigungen vergleichen, die Bundestagsabgeordneten*innen gewährt werden!).
    „Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen und sich dabei auch für die Schwächeren und Hilfsbedürftigen einsetzen – das ist gerade in der heutigen Zeit wichtiger denn je.“ Dass ich nicht lache. Und gleichzeitig sorgen Bund, Länder und Kommunen dafür, dass es immer mehr Schwächere und Hilfsbedürftige gibt. Wahrscheinlich damit die Ehrenämtler ihr Dasein als noch befriedigender empfinden können.
    Bevor ich vor lauter Stolz noch größenwahnsinnig werde, empfehle ich jedem, sein Engagement dem anzupassen, was dieser Staat konkret als Gegenleistung anbietet. Nein, und ich möchte mich nicht mit meinem „Engagement“ bei der Kreisverwaltung bewerben, um in der Sparkassenaula einen Blumenstrauß und einen warmen Händedruck vom Landrat und einen kleinen Scheck von irgendeiner Stiftung entgegen zu nehmen. In der Zeit raube ich lieber eine dieser korrupten Banken aus, die helfen, Schwarzgeld in Steuerparadiesen abzuladen. Billy the Kitt reitet für soziale Gerechtigkeit und hält damit die Gesellschaft zusammen. Sogar ganz ohne Ehrenamt.

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    1. Typisch Vogelsberg! Jeder, der drei Morgen steinigen Acker hat, fühlt sich wie der Baron Riedesel. Und wenn man ein uraltes Fachwerkhaus geerbt hat, dessen Scheune bald in sich zusammenfällt, ist man ja nicht arm. Trotz Minirente, Teilzeitjob oder Mindestlohn. Vor ein paar Stunden erst hat die Hessenschau einen Beitrag zur sozialen Situation der Beschäftigten des Gastgewerbes gebracht (https://www.hessenschau.de/tv-sendung/unbezahlte-ueberstunden-in-gastronomie-und-hotels,video-102190.html). Demnach werden in Hotels und Gaststätten Millionen unbezahlter Überstunden geleistet. Demgegenüber steht eine Geldflut nie gekannten Ausmaßes (siehe https://www.youtube.com/watch?v=5e4qAergE3Q), die die kleinen Sparer enteignet, die ohnehin schon Reichen aber zur Anhäufung immer größerer Vermögen befähigt. Deshalb fliegt in unserer Gesellschaft der Kitt aus den Fenstern. Aber der Vogelsberger „Großgrund- und Hausbesitzer“ kann das eben nicht einordnen. Und deshalb wählt er Politiker, egal welcher Partei, die den Standpunkt des Besitzbürgertums vertreten. Und so sitzen in allen Gremien „Vertreter*innen der Wirtschaft“ und sorgen dafür, dass die alten „Feudalstrukturen“ erhalten bleiben. Morgens denken wie ein Kaiser, mittags handeln wie ein König und abends fressen wie ein Bettler und dann nach den unbezahlten Überstunden auch noch unbezahltes Ehrenamt. Das könnte euch Bonzen so passen!

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  3. „Wo sich Menschen gemeinsam für eine Sache einsetzen, entsteht ein Gefühl von Zugehörigkeit, Sicherheit und Orientierung.“
    Man kann zum Lobe des Ehrenamts sagen, was man will. Alles ist irgendwie richtig. Aber man sollte anlässlich irgendwelcher Festtage und -Wochen nicht alles und jedes über den grünen Klee loben. Ja, meinetwegen: „Jede Aktion und jedes Projekt ist großartig, und jeder, der sich ehrenamtlich für eine Sache einsetzt, kann stolz darauf sein.“
    Aber es gibt eben nicht nur den selbstlosen Einsatz vieler lieber Mitbürger, die an Wanderwegen Schutzhütten aufstellen und durch die Erneuerung von Wegemarkierungen dafür sorgen, dass nicht ständig ein einsamer Wanderer mit dem Hubschrauber gesucht werden muss. Es gibt auch etwas, das sich „Ehrenamtspolitik“ oder „staatliche Ehrenamtsförderung“ nennt. Und da fällt das Urteil leider nicht durchgehend positiv aus. Denn wie so mancher Engagierte feststellen muss, ist nicht jedes Engagement gleich willkommen; gerade in Fällen, wo hierdurch erhebliche Defizite in der Daseinsvorsorge offen gelegt werden, für deren Behebung die Politik zu sorgen hätte, ist die Unterstützung der Kommune auf einmal gar nicht mehr so freudig. Gern wird das Ehrenamt als Feigenblatt missbraucht, um davon abzulenken, dass es an qualifizierter Versorgung (siehe z.B. Tagesbetreuung für Demente) fehlt. Und natürlich ist das Gießkannenprinzip anzuprangern, durch das klare Schwerpunkte nicht gebildet werden können, weil es (politisch) ja wichtiger ist, dass jeder etwas ab bekommt und dann wahnsinnig stolz sein kann.

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