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Auch zur Europawahl: Schülerinnen und Schüler der Alexander-von-Humboldt-Schule nehmen zum dritten Mal an der Juniorwahl teilWertschätzung des demokratischen Systems vermitteln

LAUTERBACH (ol). Früh übt sich daher, wer Demokrat oder Demokratin werden will, wer die Geschicke seiner Region genauso wenig wie die seines Landes und seines Kontinents nicht nur den anderen überlassen will – und sei es allein durch seine Stimmabgabe. Genau aus diesem Grund hat sich das Foyer der Alexander-von-Humboldt-Schule nach der Bundestagswahl 2017 und der Landtagswahl 2018 anlässlich der Europawahl nun zum dritten Mal in ein Wahllokal verwandelt.



Rund 400 Millionen wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger sind in den 28 EU-Mitgliedsländern aufgerufen, zwischen dem 23. und 26. Mai 2019 das neunte Europaparlament in allgemeiner, unmittelbarer, freier und geheimer Wahl zu bestimmen. In Deutschland sind nach Angaben des Bundeswahlleiters 64,8 Millionen Bürgerinnen und Bürger wahlberechtigt; rund 5 Millionen davon sind Erstwähler. Und sie erwartet angesichts eines 41 Parteien umfassenden Wahlzettels eine ziemlich schwierige Aufgabe.

Genau aus diesem Grund hat sich das Foyer der Alexander-von-Humboldt-Schule in ein Wahllokal verwandelt – anhand von Kopien echter Wahlscheine konnten Schülerinnen und Schüler ab der neunten Klasse eine Woche lang ihre Stimme für einen Kandidaten oder eine Kandidatin für das Europa-Parlament abgeben. Weiter heißt es in der Pressemitteilung der Schule, als sogenannte „Juniorwahl“ findet diese Aktion am Lauterbacher Gymnasium statt – gemeinsam mit 2.760 Schulen in ganz Deutschland und 172 in Hessen nimmt die Alexander-von-Humboldt-Schule daran teil.

Viel Andrang herrschte im Wahllokal der Schule, wenn die Klassen zum Wählen kamen. Alle Fotos: Traudi Schlitt

Getragen werde die Juniorwahl von dem Verein Kumulus, unterstützt wird sie unter anderem von dem Europäischen Parlament, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundeszentrale für politische Bildung.

Schüler je nach Altersstufen auf Wahlen vorbereitet

„Die Schule, und hier insbesondere die Fachschaft Politik und Wirtschaft, bereitet die Schülerinnen und Schüler je nach Altersstufe auf die Wahlen vor“, erläutert Nicolas Hahn, Fachlehrer für Politik und Wirtschaft. „Dabei ging es speziell bei der Europawahl um den Aufbau und die Aufgaben der verschiedenen Institutionen wie dem EU-Parlament, dem Europäischen Rat oder der Europäischen Kommission. Wichtig war es auch, dass die Schülerinnen und Schüler einmal darüber nachdachten, wie und wo Europa und die EU sich auf ihren Alltag auswirken.“

Informationen über die Wahl und die zu wählenden Parteien konnten sich die Jungwähler auch über den Wahl-O-Mat und die Medien oder auch durcheinen Blick in die Wahlprogramme einholen, was sie alle mehr oder weniger ausgiebig taten.

Gut gefüllt wurde die Wahlurne an der Alexander-von-Humboldt-Schule für die Juniorwahl.

Die Wahl im Foyer der Schule wurde von den PoWi-LKs der diesjährigen Abiturienten, also der Q4, organisiert und durchgeführt. Unter ihnen sind schon einige Schülerinnen und Schüler, die in diesem Jahr auch an der echten Wahl teilnehmen dürfen. Ein ausgedehnter Blick und eine Auseinandersetzung mit dem breitgefächerten Parteienspektrum lohnten sich für sie daher noch einmal mehr. Gesicht zeigten bei der Wahl auch diejenigen Schülerinnen und Schüler, die selbst politisch aktiv werden: Die Vertreter und Vertreterinnen des Stadtjugendparlamentes und des Kreisjugendparlamentes waren bei den Wahlgängen zugegen und erläuterten gerne den Grund für ihre politischen Aktivitäten und auch für die Notwendigkeit, an der Europawahl teilzunehmen.

„Dort werden so viele Gesetze erlassen, die dann auf Bundesebene umgesetzt werden müssen und somit uns alle etwas angehen“, findet Lena Reichel vom Stadtjugendparlament. Sie plädiert mit ihren Mitparlamentariern dafür, dass mehr Aufklärung über die EU und ihre Institutionen betrieben wird, sodass die Wählerinnen und Wähler Interesse für die Arbeit in Brüssel und Straßburg entwickeln und die Wichtigkeit für ihren Alltag und ihr Leben sehen.

Jungen Menschen das Wählen näher bringen

Klassenweise kamen die eingeladenen Schülerinnen und Schüler zum Wählen. Es bestand kein Wahlzwang, dennoch war die Beteiligung zur Freude der Organisatoren und der PoWi-Lehrkräfte groß. „Für uns ist es wichtig, jungen Menschen das Wählen nahezubringen“, erklärt Nicolas Hahn und stimmt damit auch dem Konzept der Juniorwahl zu, das handlungsorientiert an der politischen Bildung arbeitet und Unterricht und Wahlakt als zwei Säulen dazu sieht.

Demokratische Pflicht: Der Gang zur Wahlurne.

„Die politische Lage in der EU ist komplex“, so Hahn, „Demokratie durch Wahlsimulation zu erleben, kann ein gutes Mittel sein, Menschen an die Politik heranzuführen. Wir wollen damit das Interesse der Jugendlichen an Politik und Meinungsbildungsprozessen fördern und auch Begeisterung für politische Teilhabe und gesellschaftliches Engagement wecken. Es geht aber auch darum, Wertschätzung für das demokratische System zu vermitteln.“

Studien verschiedener Universitäten wie der FU Berlin oder der Universität Stuttgart konnten die Wirksamkeit und Effekte der Juniorwahl aufzeigen: „Das Projekt steigert nachweislich das Wissen über demokratische Prozesse und das politische Interesse von Jugendlichen“, heißt es auf der Website des Projekts. Neben den Studien steht der offensichtliche Erfolg: Die Wahlbeteiligung in der Schule ist kontinuierlich gestiegen – vielleicht sind das gute Aussichten für die richtigen Wahlen, bei denen in Zukunft die Schülerinnen und Schüler der Alexander-von-Humboldt-Schule mitwählen werden.