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Stadtverordnetenversammlung in Romrod: Friedhof soll zum Wohngebiet werdenDrei mögliche Betreiber für LuWiA-Projekt in Romrod

ROMROD (pw). Für das Projekt „Leben und Wohnen im Alter“ (LuWiA) gibt es noch keinen Betreiber. Im Rahmen der Stadtverordnetenversammlung informierte Bürgermeisterin Dr. Birgit Richtberg am Dienstagabend, dass mit drei Bewerbern intensive Gespräche geführt wurden. Insgesamt soll es 13 Interessenten gegeben haben. Wie Richtberg sagte, werden derzeit Eckpunkte für einen Mietvertrag festgezurrt.

„Wir sind am überlegen, einen Vorvertrag zu verfassen, falls ein endgültiger Mietvertrag noch nicht möglich ist“, sagte Richtberg. Nach ihren Angaben plant man zur nächsten Stadtverordnetenversammlung am 9. April einen Betreiber zu präsentieren. „Wir sind mit dem Haus auf einem ganz guten Weg“, erklärte die Bürgermeisterin zur aktuellen Lage. Wie sie sagte, hofft man auf eine Eröffnung im Oktober.

Zwei einstimmige Beschlüsse fassten die Stadtverordneten zur Änderung des Bebauungsplans in Romrod und Zell. So sollen möglichst bald im Bereich der Romröder Krummäcker und der Zeller Pauschhecke neue Bauplätze für Wohnhäuser entstehen. „Ziel der beiden Bebauungsplanänderungen ist es, kurzfristig der Nachfrage nach Bauplätzen zu entsprechen“, so Bürgermeisterin Richtberg. Bei der Fläche in Romrod handelt es sich um einen nicht genutzten Friedhof, bei der Fläche in Zell um ein nichts genutztes Gewerbegebiet. Zu einer Anfrage des Stadtverordneten Hauke Schmehl (CDU/FWG) informierte die Bürgermeisterin, dass derzeit keine langfristige Planung für ein großes Neubaugebiet besteht.

Straßenbeiträge sorgen in Romrod für lebhafte Diskussionen

Durchaus lebhafte Diskussionen verursachte ein Antrag der CDU/FWG-Fraktion zu Straßenausbaubeiträgen. Der Fraktionsvorsitzende Thilo Naujock beantragte, die noch ausstehenden Kostenbescheide von Straßenbaumaßnahmen vorerst auszusetzen, die Kosten offenzulegen sowie Alternativmöglichkeiten über die Finanzierung von Straßenbaumaßnahmen zur Beratung vorzulegen. Bürgermeisterin Richtberg stellte den Antrag in Frage. „Ob das für die Entscheidungsfindung zielführend ist, ist fraglich“, so Richtberg im Hinblick auf eine generelle Diskussion um Straßenausbaubeiträge.

Mit dem Kommentar „Machts doch, ist doch Euer Beschluss“ beendete die Bürgermeisterin die Beratungen der Stadtverordneten zum Vorgehen. Diese entschlossen sich einstimmig, den Antrag anzunehmen und im Haupt- und Finanzausschuss weiter zu beraten. Ein weiterer Antrag der CDU/FWG-Fraktion wurde zurückgezogen, er zielte auf die Einführung eines neuen Wasserzähler-Austauschverfahrens. Dieses wird jedoch bereits in Romrod angewandt.


Schiedsmann Rudolf Hansel verabschiedet

Ein neu angeschafftes Kopiergerät für die Stadtverwaltung, eine Aufräumaktion im Stadtarchiv, zwei neue Arbeitskräfte für das Tagesmütternetzwerk sowie ein Förderbescheid in Höhe von 50.000 für externe Beratungs- und Planungsleistungen im Breitbandausbau wurden im Bericht aus dem Magistrat vorgestellt. In diesem Rahmen teilte Bürgermeisterin Richtberg auch mit, dass auf einer Fläche im Bereich der Bundesstraße 49 zwischen der Stadt Romrod und der Gemeinde Feldatal insgesamt drei Windkraftanlagen errichtet werden sollen.

Eine der Anlagen soll auf einer Waldfläche im Stadtgebiet von Romrod errichtet werden. Im Hinblick auf die Sanierung der Bundesstraße 49 wurde ein Schild für die Anfahrt zu den Gewerbebetrieben angekündigt. Zur Mobilfunksituation in Romrod informierte Richtberg über Planungen für zwei neue Funkmaststandorte, zum einen im Bereich des Alsfelder Berges bei Romrod und zum anderen im Bereich der Bornhecke bei Strebendorf.

Im Rahmen der Versammlung wurde Schiedsmann Rudolf Hansel nach fünfjähriger Tätigkeit verabschiedet. Seine Nachfolge tritt Wolfgang Scherer an. In Romrod sind pro Jahr etwa zwei bis drei Schiedsfälle zu verhandeln. Einstimmig  beschlossen wurde von den Stadtverordneten die endgültige Feststellung des Jahresabschlusses für das Jahr 2013. Das Revisionsamt des Vogelsbergkreises hatte dazu einen uneingeschränkten Prüfungsvermerk erteilt.

Stadtverordnetenvorsteher Udo Kornmann, Schiedsmann a.D. Rudolf Hansel, Schiedsmann Wolfgang Scherer und Bürgermeisterin Dr. Birgit Richtberg. Foto: Philipp Weitzel


9 Gedanken zu “Drei mögliche Betreiber für LuWiA-Projekt in Romrod

  1. „Wer an die Straß baut muss sich von jedem fexieren lassen“, behauptet eine Hausinschrift aus dem 17. Jahrhundert in Romrod. Was wollte uns der Baumeister oder die Hausbesitzer der frühen Neuzeit damit sagen? Ging es um die Nachbarn? „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“ sagt auch ein Sprichwort. Auf jeden Fall ging es um menschliche Reaktionen gegenüber Bürgern, die in der Lage waren, ein ansehnliches Fachwerkhaus aufzurichten. Das macht etwas mit manchen Zeitgenossen, während es anderen Passanten am Hintern vorbei geht, wie aktuell bei einem Seniorenstift mitten in Romrod.
    Eigentlich passiert in einem kleinen Ort nicht viel. Jetzt hat Mann oder Frau ein Thema. Manche sind fixiert. Sie richten ihre Aufmerksamkeit allein auf diese Sache, binden sich emotional an eine Baustelle und blenden ihren Alltag völlig aus. Bordstein- Ingenieur ist eben eine schöne Abwechslung.
    Was entsteht dort? Im Grunde ein Haus wo niemand hin möchte. Dort verbringen Menschen künftig ihre letzten Monate und Jahre. Männer sterben allgemein früher und sie werden im Schnitt etwa 81 Jahre alt und sterben nach eineinhalb Jahren im Heim. Frauen dagegen werden etwa 87 und verbringen durchschnittlich knapp drei Jahre dort meint die Statistik.
    Das Haus wird alle, die künftig tagtäglich vorbeigehen, an die eigene Endlichkeit erinnern. Deshalb sollte sich jedes kleinkarierte Geschwätz von selbst verbieten
    „Keiner von uns kommt lebend hier raus. Also hört auf euch wie ein Andenken zu behandeln. Esst leckeres Essen. Spaziert in der Sonne. Springt ins Meer. Sagt die Wahrheit und tragt euer Herz auf der Zunge. Seid albern. Seid freundlich. Seid komisch. Für nichts anderes ist Zeit.“ Sir Philip Anthony Hopkins

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    1. @ Fußgänger
      Selten hat mich ein nachdenklicher Kommentar so in schwärzeste Nachdenklichkeit gestürzt wie der Ihrige. Wer anderen einen Tiefsinn gräbt, fällt selbst hinein. Mein Hauptproblem: Ich weiß am Ende nicht, wofür Sie nun eigentlich plädieren (außer für die vielleicht nur scheinbar tiefsinnige Lebensphilosophie eines Anthony Hopkins).
      „Wer an die Straß baut…“ setzt sich der Kritik jedes Vorbeikommenden aus. Der Spruch ist gar nicht so schwer zu deuten. „Fexieren“ heißt vermutlich nichts anderes als „zum Narren (Fex) gemacht werden“. Ich vermute Anklänge an die Redensart „Sich zu weit aus dem Fenster lehnen.“ Wer das tut, setzt sich damit leicht der Kritik aus. Dass es bei einem öffentlichen Gebäude auch öffentliche Kritik gibt, zumal wenn die Baukosten aus dem Ruder laufen und das Nutzungskonzept eher gut gemeint als gut durchdacht erscheint, sollte man zugestehen. Und die Kritik, dass da ein ziemlich großes Gebäude ziemlich nah an die Straße gebaut worden sei, ist angesichts der Verwendung als Einrichtung für Wohn- und Tagesbetreuung (Seniorenwohnen) nun auch nicht völlig aus der Luft gegriffen.
      „Was entsteht dort?“ fragen Sie. Und geben die falsche Antwort: „Im Grunde ein Haus wo niemand hin möchte.“ Sie meinen damit eine stationäre Einrichtung der Altenpflege („Seniorenstift“), in dem „Menschen künftig ihre letzten Monate und Jahre“ verbringen. Genau das soll es aber laut „LuWiA“-Konzept nicht werden. Und damit geht Ihr Hauptargument mangels zutreffender Prämisse unter: „Das Haus wird alle, die künftig tagtäglich vorbeigehen, an die eigene Endlichkeit erinnern. Deshalb sollte sich jedes kleinkarierte Geschwätz von selbst verbieten.“
      Eben nicht. Lasst uns im Gegenteil – getreu dem Hopkins-Zitat „Sagt die Wahrheit und tragt euer Herz auf der Zunge“ – weiterhin über sinnvolle Wohnalternativen zu „Seniorenstiften“ nachdenken. Und da sollten auch die Vorgänge um „LuWiA“ keine Tabuzone bilden oder sich der öffentlichen Kontrolle entziehen, weil da irgendwer seine letzten Tage angesichts der Endlichkeit seines irdischen Daseins lieber albern, freundlich oder komisch verbringen möchte. So viel Zeit muss sein.

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  2. Alle regen sich hier über LuWiA auf. Viel besorgniserregender sind die 3 geplanten WKA’s, die wohl wieder mitten in den Wald gepflanzt werden. Damit wäre Romrod dann umzingelt von diesen gräßlichen Dingern und die Natur und Landschaft wird verschandelt.

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  3. Was hier wieder so berichtet wird… Die Wahrheit steht im amtlichen Mitteilungsblatt der Stadt Romrod. Mit vielen bunten Bildchen und tollen Phrasen. Garantiert nach dem Geschmack des Magistrats. LOL

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  4. Mich erinnert diese ganze Geheimnistuerei um die möglichen Betreiber bzw. Mieter und dieses „Ach, wir können uns ja vor lauter Bewerbern gar nicht retten, jetzt sind es doch schon wieder dreizehn und ach nee, jetzt nur noch drei, bla, bla, bla“ an die unseriöse Vermarktung von Ladenhütern. Nur noch drei vorrätig, aber Riesennachfrage. Wer jetzt nicht kauft, geht leer aus…
    Ich kann mir keinen seriösen Betreiber vorstellen, der sich auf diese Weise zu einer Vertragsunterschrift drängen ließe. Allem Anschein nach braucht doch die Stadt Romrod einen kompetenten Mieter dringender als ein bereits etablierter Träger (und ein solcher müsste es schon sein!) eine neue Einrichtung, zumal die vielleicht gar nicht seinen Idealvorstellungen entspricht und er ein fremdes Konzept (LuWiA) umsetzen soll, das die Stadt Romrod sich mal in den Kopf gesetzt hatte.

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    1. „…braucht doch die Stadt Romrod einen kompetenten Mieter dringender als ein bereits etablierter Träger (und ein solcher müsste es schon sein!) eine neue Einrichtung…“
      Und damit ist die Verhandlungsposition der Stadt eine blanke Katastrophe. Die Verhandlungen werden so laufen wie die beim Brexit und am Ende muss die Stadt Romrod den Laden entweder scheibchenweise verkaufen (Eigentumswohnungen) oder selbst betreiben. Da werden die Gewinne sicher explodieren!

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  5. @ Eckpunkte
    Irgendwie scheinen sich die Vorgänge zu wiederholen, die schon einmal einen potenten Betreiber zum Rückzug veranlasst haben. Man wittert als Außenstehender unvorteilhafte Konditionen des Miet- oder Pachtvertrags. Zu hohe Miete/Pacht? Zu lange Laufzeit? Zu viele Pflichten des Mieters infolge der angestrebten Multifunktionalität von LuWiA und damit unkalkulierbare Kostenrisiken?
    Dem Anschein nach hat man aus dem Desaster mit „Compass Leben“ nur gelernt, die Vermieter-Interessen besser abzusichern.

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  6. Was ist eigentlich so schwierig daran, ein Haus zu bauen und dieses dann zu vermieten, indem man mit einem geeigneten Mieter einen Mietvertrag abschließt? Warum müssen da „Eckpunkte festgezurrt“ oder eventuell ein Vorvertrag verfasst werden, „falls ein endgültiger Mietvertrag noch nicht möglich ist“? Irgendwas muss doch auf Vermieterseite merkwürdig sein. Oder liegt es an den drei von dreizehn Bewerbern, die das Auswahlverfahren überstanden haben? Das verstehe, wer will.

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