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Wohnprojekt Arnshain auf dem Gelände der Alten Kelterei informiert über Aktivitäten und AussichtenAlte Kelterei: Bauabschnitt eins läuft auf Hochtouren

ARNSHAIN (ol). Seit geraumer Zeit schon macht die Alte Kelterei Arnshain mit einem Wohnprojekt der besonderen Art auf sich aufmerksam: Auf dem Gelände der Alten Kelterei Arnshain entstehen Wohnungen unterschiedlicher Größe für Menschen, die zwar gemeinsam ein Mehrgenerationenprojekt stemmen wollen, gleichzeitig aber so selbstbestimmt und eigenverantwortlich, wie es ihren Vorstellungen entspricht, leben möchten.

In der Pressemitteilung der Alten Kelterei heißt es, der erste Bauabschnitt läuft derzeit auf Hochtouren, und alle geplanten Wohnungen, die hier entstehen, sind auch schon vergeben, wie Liane Kohn von der Geschäftsführung der neugegründeten Wohnprojekt Arnshain GmbH, bekanntgibt. Gegründet wurde die GmbH von dem Hausverein der Alten Kelterei und dem Mietshäuser Syndikat.

Fotos: Traudi Schlitt

„Wir haben uns für das Mietshäuser Syndikat als Partner entschieden, weil hier die meiste Erfahrung im Umgang mit selbstorganisierten Wohnprojekten, die unseren Vorstellungen entsprechen, herrscht“, erläutert Kohn. Die bisherige Besitzerin des Anwesens verkaufe dieses der GmbH und mietet sich dann wie alle anderen wieder ein. Alle Mieterinnen und Mieter sind Mitglieder des Hausvereins, der wiederum einen der Gesellschafter der GmbH darstellt.

Ein selbstorganisiertes Wohnprojekt

Der zweite Gesellschafter ist das Syndikat, dessen Hauptaufgabe eine Kontroll- und Wächterfunktion ist, wie Kohn ausführt. „In bestimmten Angelegenheiten wie Hausverkauf, Umwandlung in Eigentumswohnungen oder ähnlichen Zugriffen auf das Immobilienvermögen hat das Mietshäuser Syndikat Stimmrecht und zwar genau eine der beiden Stimmen. So soll verhindert werden, das spätere Geschäftsführer oder Mietergemeinschaften die Immobilie veräußern und das Projekt gefährden. Die Alte Kelterei soll ein selbstorganisiertes Wohnprojekt bleiben.“


In allen anderen Angelegenheiten hat der Hausverein, sprich die Mietergemeinschaft, alleiniges Stimmrecht: Wer zieht ein? Wie hoch ist die Miete? Wie werden die Kredite eingeworben? All das gehöre zu den Befugnissen der Menschen vor Ort, die gleichberechtigt an allen Entscheidungen beteiligt sind. „Uns erschien dies als beste Option, ein möglichst selbstbestimmtes Projekt mit der bestmöglichen Unterstützung auf die Beine zu stellen – und das ohne jede Gewinnorientierung, allein mit dem Ziel des gemeinsamen Wohnens“, fasst Kohn zusammen. In dem Wohnbereich der Alten Kelterei ist auf diese Weise bereits eine WG entstanden – alle anderen Wohnungen aber sind abgeschlossene Wohneinheiten für Singles, Paare oder Familien, die auch beim Zuschnitt der Wohnungen Mitspracherecht haben.

In der ersten Bauphase werden aus dem sogenannten „Bluna-Schuppen“ zwei Wohnungen erschaffen, daneben wird ein Neubau errichtet, der Platz für weitere zwei Wohnungen bietet. Die neuen Mieter sind Singles und Paare zwischen 40 und 80 Jahren, die entweder aus der Region kommen oder eigens zugereist sind. „Wir sind damit unserem Plan vom Mehrgenerationen-Wohnen zwar schon nah, aber natürlich würden wir uns für die nächsten Bauphasen auch junge Familien mit kleinen Kindern wünschen, die hier einziehen.“

Eine gute Infrastruktur

Die Infrastruktur dazu könnte nicht besser sein, sind sich Kohn und ihre Mitstreiter sicher: Die Bahnanbindung beispielsweise nach Frankfurt ist hier vorteilhafter als von Alsfeld aus, man ist von Arnshain schnell in den benachbarten Mittelzentren Kirtorf, Neustadt, Alsfeld und Stadtallendorf mit allen nötigen Anlaufstellen wie Geschäften, Schulen und ärztlicher Versorgung. Auf dem Gelände selbst ist man nur dann allein, wenn man es möchte. „Das Konzept sieht vor, dass wir das Tagungshaus als Begegnungshaus nutzen. Außerdem kann man von Fahrgemeinschaften und gegenseitiger Gesellschaft profitieren“, erläutert Kohn, „besonders für Familien mit Kindern bietet diese Form des Wohnens große Vorteile, da immer jemand da ist, der im Notfall auch mal die Kinder hüten kann.“

Dass das Konzept weiterdenkt als nur bis zum reinen Wohnen, wird daran deutlich, dass den Betreibern jetzt schon daran gelegen, nicht nur für die neuen Bewohner Möglichkeit zur Begegnung zu schaffen: Alle zwei Wochen bietet die Alte Kelterei einen öffentlichen Mittagstisch im Tagungshaus an, der von vielen Menschen in und um Arnshain gut genutzt wird.

Doch nun sind erst einmal die Bagger auf dem einst so schönen Gelände unterwegs und schaffen Platz für die Versorgungsrohre und -leitungen, für die erste Bodenplatte und alles, was sonst dazugehört. Von dem gepflegten Garten mit Teich ist derzeit nur wenig zu sehen – und das ist nicht nur der Winterzeit geschuldet: Ein Drittel des Gemüsegartens wurde zu Baugrund, und so fragt sich der Fan der Alten Kelterei im Allgemeinen und des Kunsthandwerkermarktes im Besonderen, wie es hier weitergehen wird, wenn das Wohnprojekt weitere Formen annimmt.


Vieles wird sich verändern

Liane Kohn beruhigt: „Es wird sich zwar viel verändern, aber natürlich werden wir wieder einen wunderschönen Garten und auch einen Teich bekommen, das gehört einfach dazu. Und auch der Kunsthandwerkermarkt wird wie gewohnt am 30. Juni dieses Jahres stattfinden. Selbst das Tagungshaus wird in kleinerem Rahmen fortgeführt“, kündigt Kohn an, deren Hauptanliegen es jetzt ist, Investoren zu finden, die die Idee des selbstbestimmten Wohnens der Generationen mit einem befristeten Darlehen zu unterstützen. Dabei betont sie, dass es zum Konzept gehört, sowohl als Bankpartner als auch als Baupartner auf hiesige Unternehmen zu setzen.

Dazu werden ökologisch unbedenkliche Baumaterialien verarbeitet, es wird auf Barrierefreiheit geachtet, und jede Wohnung hat eine eigene Terrasse. „Wir finden, dieses Projekt hat Vorzeigecharakter und weist alternative Wege auf dem Wohnungssektor auf“, wirbt Kohn dafür. Wer sich über den aktuellen Stand sowie über die Möglichkeiten des Wohnens und Investierens informieren möchte, der kann dies auch in diesem Jahr wieder tun.

Die Alte Kelterei lädt  nämlich zu Tagen der offenen Tür mit Infoveranstaltung, Flohmarkt, offenem Garten und Café ein am 28. April, 2. Juni und 4. August, jeweils von 14 bis 17 Uhr.
Gleich ein ganzes Kennenlernwochenende findet vom 8. bis 10. Februar statt. Hier kann man das Wohn-Team und das Wohnprojekt kennenlernen, Fragen stellen, Antworten bekommen, gemeinsam kochen und essen, Haus, Hof und Gelände begehen und sich ein Bild von der Baustelle verschaffen. Rückfragen dazu und aktuelle Informationen gibt es auch unter www.wohnprojekt-arnshain.de.