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Hunderte Prominente und Politiker betroffen - Mutmaßlicher Täter soll sich über Aussagen "geärgert" habenBundesweite Hackerattacke: Tatverdächtiger im Vogelsberg festgenommen

Homberg Ohm (jal/ls/akr). Nach der Hackerattacke auf Hunderte Politiker und Prominente konnten Beamte jetzt einen Tatverdächtigen festnehmen – und zwar im Vogelsberg. Das berichten mehrere Medien. Bei dem Verdächtigen soll es sich demnach um den 20-jährigen Schüler Johannes S. handeln. Er soll die Tat gestanden haben.


Wie die Alsfelder Allgemeine und der Tagesspiegel übereinstimmend berichten, kommt der Verdächtige aus Homberg (Ohm). Dies deckt sich auch mit OL-Informationen. Die Zeit schreibt, bei dem Festgenommenen handele es sich um den 20-Jährigen Schüler Johannes S. Ermittlern zufolge hat er die Tat gestanden und dabei gesagt, allein gehandelt zu haben. Der Beschuldigte hat keine Vorstrafen, ist aber schon einmal vor knapp zwei Jahren durch Datenklau in Erscheinung getreten. Er habe jedoch damit begonnen gehabt, bestimmte Beweismittel beiseite zu schaffen, als die Festnahme erfolgte.

Auf einer Pressekonferenz des Bundeskriminalamts in Wiesbaden hieß es, der Beschuldigte habe keine IT-Ausbildung, dennoch verfüge er über ein großes Computerwissen. Als Motiv habe er angegeben, sich über bestimmte öffentliche Äußerungen der gehackten Personen „geärgert“ zu haben. Kurz nach Veröffentlichung der Leaks war gemutmaßt worden, der Täter könne aus dem rechten Spektrum kommen, da alle im Bundestag vertretenen Parteien Opfer des Hacks geworden sind, außer die AfD. Außerdem haben sich die gehackten Opfer oftmals eher links zu Themen geäußert. Über welche Äußerungen er sich genau geärgert habe, sagten die Ermittler nicht. Die Durchsuchung habe nicht dazu geführt, ihn sofort einem bestimmten politischen Spektrum zuordnen zu können.

Hackerattacke aus Homberg Ohm: Beschuldigter leistete „Aufklärungshilfe“

Der Beschuldigte habe „Aufklärungshilfe über seine eigenen Taten hinaus“ geleistet und gestanden, zudem lägen keine Haftgründe vor, weshalb der junge Mann nach der Festnahme wieder auf freien Fuß gesetzt worden und derzeit nicht in U-Haft sei. Ein Datenträger habe der Beschuldigte vor der Durchsuchung zwar zerstört, dennoch habe man die darauf befindlichen Daten sichern können.

Allein in Hessen waren rund 60 Spitzenpolitiker von dem Daten-Leak-Fall betroffen. Darunter fallen beispielsweise Ministerpräsident Volker Bouffier, Grünen-Chef Kai Klose, der hessische SPD-Landtagsvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel und die Fraktionschefin der Linken, Janine Wissler. Insgesamt ist die Rede von etwa 1000 Betroffenen, darunter auch viele Journalisten, Schauspieler, Comedians und Musiker. Jan Böhmermann, die Band K.I.Z. und der Rapper Materia sind zum Beispiel darunter. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel kommen in den Leaks vor.

Die Daten waren über mehrere Twitter-Accounts in Form und Art eines Adventskalenders vom 1. bis zum 24. Dezember veröffentlicht worden. Dabei benutze der Hacker unter anderem die Pseudonyme „Orbit“ und „G0D“. Den Ermittlern nach stammten die Daten teils aus eigenen Hacks, teils zusammengetragen aus öffentlichen Quellen. Die Daten seien eine sehr „heterogene“ Mischung aus verschiedenen Formaten gewesen, die man seitens der Ermittler zunächst habe ordnen und in eine große Liste überführen habe müssen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Unter dem Material waren viele Handynummern und Emailadressen, teilweise aber auch private Chatverläufe und Urlaubsfotos. Manche Adressdaten waren veraltet, viele jedoch auch aktuell.

Es dauerte, bis den Kriminalisten bewusst war, dass die vielen einzeln aufgetauchten Daten zu einem großen Fall zusammengehören. Einzelne Abgeordnete hatten schon früher gemerkt, dass sie auf Nummern angerufen werden, die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Richtig aktiv seien die Ermittler jedoch erst am Donnerstag geworden, als man aus dem Büro von SPD-Chefin Andrea Nahles das BKA verständigt habe, schreibt der Stern.

Die Ermittler bei ihrer Pressekonferenz. Foto: ol

Laut Spiegel Online sind die Behörden dem Schüler aus Mittelhessen durch Zeugenaussagen und „digitale Spuren“, die er im Internet hinterlassen hatte, auf die Schliche gekommen. Am Sonntagabend durchsuchten Ermittler seine Wohnung.

Dem Bericht zufolge soll dem Mann „das ganze Ausmaß seiner Aktion offenbar gar nicht bewusst“ gewesen sein. Er lebe noch bei seinen Eltern und ersten Erkenntnissen zufolge sollen auch keine Verbindungen zu ausländischen Geheimdiensten bestehen.

Man könne nicht wegen solcher Vorkommnisse die gesamte Kommunikation junger Menschen im Internet überwachen, hieß es von den Ermittlern. Jeder Nutzer müsse selbst darauf achten, seine Daten so gut wie möglich zu schützen. Zu einer speziellen Sicherheitslücke, die der junge Mann ausgenutzt habe, könne man nichts sagen. Jedoch sei er mit einer „ausklügelten Vorgehensweise“ vorgegangen. Der Verdächtige habe so wie es bislang aussehe keine Schadsoftware eingesetzt, sondern Hackingmethoden, um Passwörter zu überwinden , sagte BKA-Präsident Holger Münch bei einer anderen Pressekonferenz in Berlin.

Welche Strafe den Beschuldigten erwarten könnte, dazu konnten die Ermittler keine genauen Angaben machen, da derzeit nicht klar ist, ob er nach Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht verurteilt werden könnte. Bei Erwachsenen könnten das Illegale Beschaffen und Teilen von Daten jeweils mit bis zu drei Jahren Gefängnis oder Geldstrafe geahndet werden.

Die ermittelnden Behörden hätten gut zusammengearbeitet und den Verdächtigen schnell identifiziert, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer bei einer Pressekonferenz. „Wir machen in solch wichtigen Angelegenheiten also unsere Arbeit“, sagte Seehofer. „Der Schutz unserer Bevölkerung ist durch unsere Sicherheitsbehörden rund um die Uhr sichergestellt – auch auf dem Feld der Cybersicherheit“, sagte Seehofer.

Der Vorfall sei für die Betroffenen sicher schmerzhaft, habe aber keine Auswirkungen auf die allgemeine Sicherheitslage. Dennoch will die Bundesregierung bald ein neues Gesetz auf den Weg bringen, um die Sicherheit auf dem Gebiet weiter zu erhöhen. Damit solle unter anderem erstmals ein IT-Sicherheitssiegel geschaffen werden, dass erstmals die Sicherheit von Endgeräten für den Verbraucher kenntlich machen soll, sagte Seehofer. Zusätzlich sollen Twitter-Konten, über die illegal Daten Dritter verbreitet werden, schneller gesperrt werden können. Außerdem seien für das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bereits 350 neue Planstellen vom Bundestag bewilligt.

Der Chef des BSI, Arne Schönbohm, sagte, insgesamt habe seine Behörde 8,3 Gigabyte Daten sichergestellt. Regierungsnetze seien nicht infiltriert worden. Die Daten seien bei 50 Hostern im Netz hochgeladen worden, die man darum gebeten habe, die Dateien zu löschen. Es gebe keine rechtliche Handhabe, die Hoster zum Löschen der Dateien zu zwingen. Viele hätten sich jedoch kooperativ gezeigt und hätten dies getan. Da die Daten jedoch vor dem Einschreiten der Behörden teilweise kopiert und anderenorts ins Netz gestellt worden sind, könne man nicht garantieren, dass sie ganz aus dem Internet verschwinden würden.

10 Gedanken zu “Bundesweite Hackerattacke: Tatverdächtiger im Vogelsberg festgenommen

  1. Die NSA hört alle ab. Warum?
    Darum, weil jetzt nicht mehr punktuell abgehört wird, sondern es erfolgt die Sammlung großer Datenmengen und die kaskadierte Konversion der „Rohdaten“ in sehr raffinierte Einflußpunkte nach einer sehr schlauen Datenverarbeitung.
    Um ein Land oder eine Region zu beherrschen, braucht man nur einige Tausend Punkte des Interesses und des Einflusses: grob gesagt eintausend unserer Beamten, dreitausend Beamte in der EU, einschließlich Merkel, und so weiter.
    Die „Big data“ haben eine Regel – sie vergessen nichts. Wenn du Daten sammeln kannst, dann mußt du sie sammeln.
    Das ist ja alles nicht neu, also warum die Aufregung beim Datenklau???
    https://bumibahagia.com/2017/04/24/daten-folgen/

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  2. Hier wird doch eine Sau durchs Dorf getrieben.
    Alle meine Daten sind mehr oder weniger öffentlich. IP, besuchte Seiten, Amazon, Ebay, Finanzamt, KFZ, Kreditkarte, usw.
    Jetzt wo vielleicht Kontakte der Politschranzen öffentlich werden, heulen die um ihren Datenschutz – lachhaft.
    Sollen die halt nicht mehr glauben, dass ihre Kontakte mit der Frau ihres Chefs über Wats App und die delikaten Fotos in die Hose nicht öffentlich werden – von den Boniverhandlungen mit den Lobbyisten ganz zu schweigen.
    Das erste mal, daß ich „der die immer lacht, immer lacht“ und extrem auf die Fotos in der Presse geil ist, mit etwas Milde begegne.
    Wenn man sich mit der Lügenpresse einläßt, muss man sich anschließend doch nicht beschweren.
    Will unsere Bürgermeisterin dem Wulff geben???
    :-)

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    1. >> Hier wird doch eine Sau durchs Dorf getrieben. <<
      An den schrägen Redensarten erkennt man das schiefe Weltbild. Denn es heißt eigentlich richtig: "Eine neue / andere Sau durchs Dorf treiben / jagen". Mit der Feststellung, es werde jeden Tag eine neue / andere Sau durchs Dorf getrieben / gejagt, ist gemeint, dass jeden Tag eine andere Banalität zur Sensation hoch stilisiert werde. Nichts erregte in einem Dorf normalerweise weniger Aufsehen, als wenn eine Sau durch die Dorfstraßen getrieben wurde.
      Sie haben die Grundlagen des Datenschutzes überhaupt nicht begriffen. Es geht nicht darum, wo überall man Daten hinterlässt, sondern dass diese Daten von den Stellen, wo dieses Daten gespeichert werden, nicht an Dritte oder gar an die Öffentlichkeit allgemein weiter gegeben werden. Es geht auch nicht darum, dass sich da irgendwer mit der "Lügenpresse" eingelassen hätte und nun um die vereinbarte Vertraulichkeit fürchten müsse. Es gibt einfach Regeln über den Umgang mit gespeicherten Informationen über Personen. Und gegen die hat der jetzt als Täter entlarvte Homberger massiv verstoßen, um den betroffenen Personen zu schaden. Was gibt es da nicht zu verstehen, zu relativieren oder schadenfroh zu kommentieren?

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  3. Ich zieh den Hut vor dem jungen Mann. Er hat uns wieder mal gezeigt wie einfach unser System zu kancken ist. Ich wette, der könnte sich in jedes Bankensystem einschleichen :-)

    Genial

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  4. Den jungen Mann sollte man keinesfalls verknacken . Der gehört ins LKA nach Wiesbaden, Abtlg. Cyberkriminalität. Zeitarbeitsvertrag. Der kann denen bestimmten noch viel beibringen

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  5. Da sage noch einer, man könne sich durch reines Selbststudium kein profundes Wissen aneignen und damit dann die aufgeblasene Fachwelt bloßstellen. Der Schüler aus Homberg, der jetzt als Täter entlarvt wurde, soll Autodidakt gewesen sein. Ich liebe Amateure! Diejenigen, die unter Missachtung der professionellen Sicherheitsstandards „Plattformen“ erstellen, die sich leicht hacken lassen, und diejenigen, die solchen Einladungen dann folgen. Und vor allem die, die die ach so wichtigen „Experten“ dann furchtbar alt aussehen lassen. Hat irgendwas von Robin Hood, Schinderhannes oder Räuberhauptmann Fetzer.

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  6. Also, ganz ehrlich, ich hätte ja nie geglaubt, welche fähigen IT-Spezialisten in unserem beschaulichen Homberg, der Perle des Ohmtals, wohnen. Bei allem Ungemach für die Betroffenen hat es ja auch was Gutes. Nämlich zu erkennen, welche Gefahren sich hinter dem gesamten World Wide Web verstecken und daraus zu lernen und entsprechende Sicherheitsstandards zu entwickeln und zu integrieren. Ich hoffe nur, daß die Strafe für den jungen Mann nicht zu extrem ausfallen wird, zumal er ja offensichtlich nicht mit ausländischen Geheimdiensten zusammen gearbeitet hat. Man sollte diesem fähigen jungen Mann eine Chance geben und ihn beim BSI anstellen.

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  7. Ja, so sind sie, diese Vogelsberger… Nach außen hin verständigen sie sich mangels Glasfaser noch durch Klopf- und Rauchzeichen, aber heimlich wird die ganze Republik gehackt. Das kommt davon, wenn immerzu von Brain Drain geredet oder das „VB“ mit „Vorsicht Bauer!“ übersetzt wird. Da keimen in der Vulkanjugend Geltungs- und Rachsucht. Und Thomas Koppe wird seinem Lied vom Vogelsbergkreis (https://www.youtube.com/watch?v=5QnPfNTfcAw) wohl noch eine Strophe anhängen müssen:
    Im Vogelsbergkreis
    Wo das Navi versagt
    Wo es nie richtig tagt
    Im Vogelsbergkreis
    Wo im Mondenschein
    sich der Hacker hackt ein
    Im Vogelsbergkreis
    Wo so ganz im Stillen
    sich die Daten enthüllen
    Im Vogelsbergkreis
    Wo über Homberg der Datenklau kreist
    und die Staatsmacht anreist –
    Homberg im Vogelsbergkreis.

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  8. Wenn Politiker betroffen sind, arbeiten die Sicherheitsbehörden schnell und offensichtlich, wie der aktuelle Fall zeigt, erfolgreich.

    Den Herrschenden pinkelt man nämlich nicht ungestraft ans Bein.

    Aber was soll ich denn jetzt nur denken? Nicht AfD, nicht die Russen, die Chinesen auch nicht.

    Was mache ich denn nun mit den sorgsam gepflegten Feindbildern?

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