Der Vorstand der DGB Vogelsbergkreis. Foto: DGB Vogelsbergkreis

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Forderung des DGB-Vogelsbergkreis - 150.000 Schwestern und Pflegern stehen bereitPflegenotstand im kommenden Jahr beenden

VOGELSBERG (ol). Die DGB Vogelsbergkreis fordert ein Ende des Pflegenotstandes für das kommenden Jahr. Dafür aber müssten sich aber zunächst einige Zustände kurzfristig ändern, fordert Ingo Schwalm, der 1. Vorsitzende vom DGB-Vogelsbergkreis in einer Pressemitteilung. Selbst arbeitet er seit über 35 Jahren in einem Krankenhaus in der Region. Die Pressemitteilung wird im Folgendem im Wortlaut wiedergegeben. 


Weiter heißt es in der Pressemitteilung überall ist die Rede vom Pflegepersonalmangel. Es gebe zu wenige Schwestern und Pfleger in den Krankenhäusern und den Alten- und Pflegeeinrichtungen. Auch in der ambulanten Krankenpflege spitze sich die Situation zu.

Was sollte nun getan werden, um den Pflegenotstand in den Griff zu bekommen? Pflegende möchten personenzentriert und qualitätsorientiert arbeiten, das deutsche Gesundheitssystem sei jedoch seit vielen Jahren auf Kosteneinsparung und Profitmaximierung ausgerichtet. Eine Lösung des Problems kann nur gelingen, wenn sich die Rahmenbedingungen des Berufes deutlich verbessern. Mitarbeiter durch eine gute Unternehmenskultur zu binden, ist besser als neue Mitarbeiter zu finden. Das beinhaltet eine leistungsgerechte Bezahlung, Reduzierung der Arbeitsbelastung und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle.

Der Pflegenotstand sei hausgemacht, also selbst verschuldet. Um eine Kostendämpfung im Krankenhauswesen zu erreichen, wurden einst die Fallpauschalen eingeführt. Die Krankenkassen zahlten für die Patienten nicht mehr pro Krankenhaustag, sondern nach Diagnose. 70.000 Stellen für Pflegekräfte wurden in den Krankenhäusern in den vergangenen zehn Jahren abgebaut, 150.000 Fachkräfte weniger ausgebildet. Die Verweildauer im Krankenhaus habe von 13,3 Tagen im Jahr 1992 auf heute nur 7,3 Tage rapide abgenommen. Die Patientensicherheit sei laut Pressemitteilung zweifelsohne mehr als nur gefährdet.

Ein gewaltiger Kahlschlag für die Krankenhauslandschaft

Ähnlich verhalte es sich im Altenpflegebereich: die heutigen Personalschlüssel stammen aus den 90er Jahren, einer Zeit als in den Heimen überwiegend Bewohner im klassischen Sinne lebten, heute müssen die Pflegenden schwerstkranke und stark pflegebedürftige Menschen versorgen. Fakt sei, dass dies mit höheren personellen Erfordernissen, quantitativ als auch qualitativ, verbunden ist. So wie man diesen Notstand einst erzeugt habe, könne man diese Spirale auch wieder umkehren. Gute Pflege gibt es nicht zum Nulltarif. Doch sollte diese unserer Gesellschaft die Investitionen wert sein. Im Bereich der Altenpflege sind nach Angaben der Bundesregierung zurzeit etwa 15.000 Stellen nicht besetzt. Mangelverwaltung wohin man auch schaut.

Es habe ein gewaltiger Kahlschlag in der Krankenhauslandschaft stattgefunden. Die Hälfte von ehemals knapp 4.000 Krankenhäusern wurde in den letzten 25 Jahren geschlossen. Die Liegezeit, also die durchschnittliche Aufenthaltsdauer aller Patient im Krankenhaus, habe sich von etwa zwei Wochen auf eine Woche halbiert. Gleichzeitig wurde die Anzahl der Planstellen für Pflegekräfte um 50.000 Stellen reduziert. Die Fallzahlen aber stiegen von etwa 16 auf knapp 20 Millionen an.

Mit anderen Worten: Immer weniger Pflegekräfte müssen in der halben Zeit immer mehr Patient versorgen. Arbeitshetze, Überstunden, Fehleranfälligkeit und Burnout seien unvermeidlich. Als Folge dieses dramatischen Teufelskreises seien über 300.000 voll ausgebildete Pflegekräfte aus ihrem Beruf ausgestiegen, oder besser gesagt: geflohen. Nun sollen sofort 13.000 neue Pflegestellen geschaffen werden. Das ist eigentlich auch eine gute Idee. Aber was nutze eine Stelle, wenn sie nicht besetzt werden kann?

Die Vision für das kommende Jahr

In dieser Situation kommen nun aber nicht etwa die Verantwortlichen, sondern es komme der börsennotierte Medizinprodukte-Hersteller Hartmann auf die simple Idee, bei den Aussteigern nachzufragen, ob und wie man sie zu einer Rückkehr in ihren Pflegeberuf bewegen könnte. Und siehe da, von den ehemaligen Pflegekräften würde tatsächlich etwa die Hälfte gerne in ihren angestammten Beruf zurückkehren. Wieso viele andere Berufe im Sozialbereich ist der Pflegeberuf nämlich eine Berufung. Einen solchen Beruf verlässt man nicht ohne Not. Und daher hat die Befragung also ergeben, dass knapp die Hälfte der Aussteiger, das sind etwa 150.000 voll ausgebildete Pflegekräfte, liebend gerne und sofort wieder in ihren alten Beruf zurückkehren würden.

Sie würden zurückkommen, wenn Arbeitszeiten und Erholungsphasen geregelt wären. Wenn durch ausreichende Personaluntergrenzen die chronische Überforderung und Arbeitshetze beendet wäre. Wenn eine angemessene, tarifliche, festgelegte Bezahlung garantiert wäre. Wenn ihrem Beruf die Wertschätzung und der gebührende Respekt entgegengebracht würde.

Man stelle sich vor, es wäre mit einem Schlag Schluss mit dem Gezänke und dem Geschacher um eine Stelle hier und eine halbe Stelle dort. Es wäre Schluss mit der ständigen Mangelverwaltung und dem nervigen Gejammer über fehlende Fachkräfte. Es wäre kein Vorlauf in jahrelangen Ausbildungsgängen nötig. Nein, stattdessen kämen 150.000 hochmotivierte Pflegekräfte voller Freude zurück aus langweiligen Büros und Geschäften wieder in den Beruf, für den sie sich ursprünglich einmal entschieden hatten. Sie kämen zurück in geregelte Arbeitsverhältnisse.

Sie würden respektiert und gut bezahlt. Sie bräuchten keinen Sprachkurs, nur wenig Einarbeitung und brächten ihre ganze Berufserfahrung mit. Eine großartige Vorstellung laut dem Vorstand vom DGB – Vogelsberg und auch im Jahr 2019 durch die verantwortlichen Arbeitgeber und Tarifpartner zu realisieren!

Ein Gedanke zu “Pflegenotstand im kommenden Jahr beenden

  1. Der Autor spricht mir aus der Seele!
    Tragisch nur bei dieser CDU wird es nichts ggeben, Diese Partei ist gegen eine Gute Pflege,die CDU hat ja all das ausgelöst die Privatisierung der Daseinsvorsorge im Alter!
    Gerne sieht man Gewinne die hoch sein müssen, sollen die Alten doch zu Grunde gehen! Hauptsache die Aktien steigen und in der Chefetage kann man Millionen € kassieren.
    So lange die Groko regiert zählt einzig der Gewinn,nicht ein guter Lebensabend

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