Marketing- und Medienprofi Erik Dachselt sprach über die überraschende Wirkung von Marketing und Digitalisierung auf die Fachkräfteakquise. Foto: Traudi Schlitt

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UnternehmensNetz Vogelsberg lud ein zu einem Vortrag mit Marketing-Profi Erik DachseltWie man mit Digitalisierung Fachkräfte gewinnt

Alsfeld (ol). Die Gewinnung von Fachkräften ist eines der großen Themen in der Wirtschaft – vor allem im ländlichen Raum. Sie ist auch eines der zentralen Anliegen der Vogelsberg Consult, die sich unter anderem mit Matthias Steckenreuter und Katharina Barth als Bildungscoaches im Rahmen der Initiative Pro Abschluss dafür stark macht, bereits vorhandene Mitarbeiter in Unternehmen zu Fachkräften zu qualifzieren. Doch wie gewinnt man Fachkräfte von außerhalb? Welche Wege muss ein Unternehmen dazu im Jahr 2018 gehen und was hat das alles mit Digitalisierung zu tun?


Diese und noch mehr Fragen beantwortete in der vergangenen Woche Dipl.-Ingenieur Erik Dachselt auf Einladung des UnternehmensNetz Vogelsberg, einer Initiative des Projekts ProAbschluss von Vogelsberg Consult, in der Eudorfer Schmiede. Gefördert wurde die Veranstaltung aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung und der Europäischen Union – Europäischer Sozialfonds. In der Pressemitteilung der Vogelsberg Consult heißt es, der Marketing- und Medienprofi hatte einen mulitmedialen Vortrag mitgebracht, der die Verbindung von richtigem Marketing, gelungener Digitalisierung und erfolgreicher Fachkräfterekrutierung so klar wie unterhaltsam darlegte.

Dachselt startete mit einer starken These des Zukunftsforschers Sven Gábor Jánszky, nach dem zuviel Expertise und Wissen den Fortschritt behindert: Wer innovativ sein wolle, müsse vergessen. Für die Unternehmen heiße dies, alte Muster zu hinterfragen, erfolgreiche, aber ausgetretene Pfade zu verlassen und offen zu sein für Neues. Für seinen Vortrag stelle Dachselt folgende Thesen in den Raum: Wer gutes Marketing macht, hat mehr Chancen auf wirtschaftlichen Erfolg. Wer Digitalisierung betreibt, steht für die Zukunft besser da. Wer die beiden Thesen verfolgt, wird leichter Arbeitskräfte bekommen.

Alle drei Thesen unterfütterte der Redner mit Beispielen aus der Praxis, mit Zitaten verschiedener Fachleute und mit Filmen, die er unterhaltsam in seinen Votrag einband. Zum Thema Marketing führte er das Marketing-Turm-Modell ein. Danach unterliegen alle Bereiche eines Unternehmens vom Personal über Produktentwicklung bis hin zum Vertrieb dem Ziel, möglichst erfolgreich zu verkaufen. „Alles ist Marketing“, schlussfolgerte Dachselt daraufhin und forderte die Anwesenden – fast alles Unternehmer, Inhaber oder Personalverantwortliche der Region – auf, ihr Marketing zu überdenken.

Sie hatten jede Menge Informationen für die Gäste dabei: Matthias Steckenreuter und Katharina Barth von Vogelsberg Consult (links und Mitte) sowie der Redner Erik Dachselt. Foto: Traudi Schlitt

Häufig werde das nämlich „so mitgemacht“, ließ der Referent auf viel Einblick in die Strukturen kleinerer Unternehmen schließen. Marketing sei Chefsache und stehe mit einer Definition der Unternehmensziele über allem, müsse aber planvoll und strukturiert und nicht nach dem Gießkannenprinzip stattfinden.

Digitalisierung ist unerlässlich

Digitalisierung sei als zweites Standbein für Erfolg unerlässlich und in einer Reihe mit Marketing zu nennen. Aus seiner Erfahrung als Berater gab Dachselt den Unternehmern, die sich jetzt noch nicht mit der Sicherheit eines Digital Native in den Chancen und Möglichkeiten der vernetzten Welt und der Sozialen Meden bewegen, den Tipp, ein Digitalteam aus dem Unternehmen zusammenzustellen, das kreativen Köpfen und Querdenkern genauso wie Pragmatikern und Realisten Raum lässt. Ziel des Teams könne die Entwicklung eines kleinen Digitalprojekts sein, für das man auch das Personal begeistern kann.

Ziel eines Digitalprojekts sollte sein, Bestehendes zu verbessern oder Neues zu erfinden. Dachselt riet dazu, stets mit jungen Leuten im Gespräch zu bleiben, denn die müsse man verstehen, die wolle man schließlich haben. Diese Haltung unterstrich er mit einem weiteren Zitat Jánskys, der forderte: „Interessieren Sie sich für die Welt!“

Das eigene Unternehmen als Marke etablieren

Nachdem Katharina Barth und Matthias Steckenreuter nochmals kurz und prägnant die Vorzüge des Förderprogrammes ProAbschluss (www.proabschluss.de) bei der Suche nach Fachkräften deutlich gemacht hatten, brachte der Referent Erik Dachselt These eins und zwei wie angekündigt zusammen: die Lösung von Personalsorgen mit Hilfe von Marketing und Digitalisierung. Mit Blick auf den Bereich Marketing schlug er vor, das eigene Unternehmen als Marke zu etablieren, herauszustellen, warum es schön ist, genau in dieser Firma und genau an diesem Ort zu arbeiten. Neben den Basics zu einer Stellenanzeige solle man Inhalte schaffen, eine Kampagne zur Fachkräftegewinnung entwickeln, denn: „Die klassische Stellenanzeige ist out!“.

Marketing- und Medienprofi Erik Dachselt sprach über die überraschende Wirkung von Marketing und Digitalisierung auf die Fachkräfteakquise. Foto: Traudi Schlitt

An diesem Punkt kam die Digitalisierung ins Spiel: Dachselt zeigte zur Anregung drei verschiedene Clips, mit denen ganz unterschiedliche Firmen um Mitarbeitende warben. Ein solcher Film, platziert auf unterschiedlichen Kanälen, könne durchaus Menschen animieren sich zu bewerben, doch Vorsicht: Die Inhalte müssten wahr und authentisch sein. Digitalisierung zum einen also als Plattform für Fachkräftewerbung, zum anderen aber aus als unternehmerische Haltung, die klar in die Zukunft weist. Auch das spreche Bewerber heute an, wie der Medienprofi darlegte.

Am Ende eines langen Abends hatten die knapp 30 Führungskräfte der Region, die tatsächlich aus dem ganzen Vogelsbergkreis angereist waren, jede Menge Input. Ob sie nun alles bisher Dagewesene vergessen und komplett auf neue Medien setzen, ob sie die guten alten Stellenanzeigen favorisierien oder einen Mix aus allem forcieren, müssen sie für sich selbst entscheiden.