Vor wenigen Tagen eröffnete in Lauterbach einen neue Bildungseinrichtung: Unter dem Namen „Campus“ wird Kompass Leben hier berufliche Bildung für Menschen mit Unterstützungsbedarf anbieten. Fotos: Maximilian Fischer

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Kompass Leben eröffnet mit „Campus“ neues Zentrum für berufliche BildungUnterstützung für die, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben

VOGELSBERG (ol). Mit derzeit etwa 50 Menschen in Ausbildung ist Kompass Leben einer der bedeutendsten Mitspieler auf dem regionalen Arbeitsmarkt. Die Menschen, die hier das Fundament für ihre berufliche Zukunft legen, sind in der Regel Menschen mit Unterstützungsbedarf – Menschen mit geistiger Behinderung oder mit einem psychosozialen Krankheitsbild. Für sie bietet der soziale Dienstleister im Vogelsberg nun eine deutlich bessere Ausgangsposition, denn mit „Campus“, dem neuen Zentrum für berufliche Bildung, setzt Kompass Leben seinen Weg hin zu einem klientenzentrierten Angebot fort.


Getreu der Philosophie des Hauses: „Der Mensch steht im Mittelpunkt.“ Mit diesen Worten eröffnete Katja Diehl, Vorstandsvorsitzende von Kompass Leben, am Donnerstagvormittag die neuen Räume von Campus in der Lauterbacher Lindenstraße. Zu der Feier erschienen waren neben Landrat Manfred Görig und Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller auch Stephan Möllig und Stefan Kern vom ausführenden Architekturbüro Neuraum. Ihnen dankte die Rednerin als Ersten für ihre kompetente Arbeit und den Beistand auch in schwierigen Phasen, die jedes Bauprojekt irgendwann ereilen.

Ein weiteres Dankeschön richtete Diehl an die Mitwirkenden der Arbeitsgruppe Campus, allesamt Fachleute von Kompass Leben, die für Konzeption und Durchführung verantwortlich zeichnen. Namentlich sind dies Johannes Bonnard, Michael Dippel, Jan Ludewig, Martin Möller und Anne Wenzl.

Katja Diehl und Frank Haberzettl bei der Eröffnung. Alle Fotos: Maximilian Fischer

Im interessierten Publikum traf man auf zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der hiesigen Schulen, was die Vorstandsvorsitzende hocherfreut zur Kenntnis nahm, denn: „Mit der Kooperation mit Schulen fängt alles an: Den Übergang von Schule zu Beruf sehen wir als eine Brücke, die wir gerne gemeinsam mit Menschen gehen möchten, die Unterstützung benötigen.“ Gerade für Schülerinnen und Schüler mit Schwierigkeiten könne Campus gute Angebote darstellen, die Alternativen zu vielen rein schulischen Maßnahmen sein könnten, so Diehl.

Als langjährige Experten auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt für Menschen mit Unterstützungsbedarf wolle man nun mit dem Angebot von Campus noch bessere Voraussetzungen für das Berufsleben schaffen, skizzierte die Vorstandsvorsitzende den Gedanken hinter dem Konzept, und ein zentrales und werkstattunabhängiges Angebot für berufliche Bildung darstellen, das mehr denn je auf die individuellen Wünsche, Fähigkeiten und Bedürfnisse Rücksicht nehme.

Eine praktische Ausbildung mit arbeitstheoretischen Grundlagen

Wie das Konzept in der Praxis aussieht, erläuterte im Anschluss Diehls Vorstandskollege Frank Haberzettl den interessierten Gästen. Er ging dabei zunächst auf das Procedere des Eingangsverfahrens ein, in dem nach gezielter Diagnostik gemeinsam berufliche Ziele entwickelt werden und ein Eingliederungsplan erstellt wird. In dem anschließenden Berufsbildungsbereich stehen am Anfang Praktika und die Berufswegeplanung, danach wird ein Ausbildungsplatz gesucht – in einer Einrichtung von Kompass Leben oder in einem externen Unternehmen. Im Campus werden begleitend zur praktischen Ausbildung arbeitstheoretische Grundlagen – analog der Berufsschule – sowie aufbauende Qualifizierung und übergreifende Kompetenzbildung angeboten.

Die Gäste bei der Eröffnung.

„Wichtig ist zum einen, dass wir unseren Klienten eine größtmögliche Normalität bieten und dennoch ihre besonderen Bedürfnisse nicht außer Acht lassen“, so Haberzettl. Nach zweijähriger Berufsbildung sollte der Klient eine Ausbildung oder eine oder mehrere Teilqualifizierungen abgeschlossen haben und somit sowohl seine Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt als auch sein Recht auf Teilhabe auf eine stabile Basis stellen können.

„Von besonderer Bedeutung ist dabei, dass unser berufliches Bildungsangebot auch einen Wert außerhalb unserer Einrichtungen hat und verwendbar ist. In der Perspektive ist vorgesehen, dass sowohl IHK als auch die Handwerkskammern unsere Ausbildung oder Module daraus anerkennen können“; unterstrich der Vorstand, der betonte, dass Absolventen von Campus durchaus auch für den allgemeinen Arbeitsmarkt geeignet seien. „Unsere Klienten haben – trotz aller Probleme, die sie zu uns führen – Potenzial, wertvolles Potenzial, das wir mit einer guten Ausbildung zum Vorschein bringen können.“

Görig: „Das Thema Inklusion ist heute überall angekommen“

Katja Diehl ging danach noch genauer auf einzelne Maßnahmen der Kompetenzbildung ein. „Wir sind sicher, unseren Klienten mit unserem Konzept der beruflichen Bildung einen weiteren wichtigen Baustein hin zu Selbstbestimmung und Teilhabe zu ermöglichen. Damit kommen wir auch unserem Selbstverständnis als Wegbegleiter für Menschen mit Unterstützungsbedarf nach. Im Campus möchten wir den Teilnehmenden durchgängige Begleitung gewähren, ihnen im Rahmen ihrer Ausbildung größtmögliche Sicherheit und Unterstützung angedeihen lassen und es ihnen ermöglichen, den zweijährigen Berufsbildungsbereich mit Erfolg abzuschließen.“

Katja Diehl sprach von einem großen Aufbruch – ein Bild, das Landrat Manfred Görig in seinem Grußwort gerne aufgriff. „Das Thema Inklusion ist heute überall angekommen“, befand der Landrat, dennoch stelle es viele Einrichtungen nach wie vor vor große Herausforderungen.

Landrat Manfred Görig bei seiner Eröffnungsrede.

Während Schulen sich bereits intensiv damit befassten, fange die Diskussion auf dem Arbeitsmarkt erst an, so Görig, der den Schritt von Kompass Leben mit der Eröffnung von Campus auch vor dem Hintergrund des neuen Bundesteilhabgesetztes als richtig erachtete – noch dazu als Anbieter in der Region. Wie Frank Haberzettl vor ihm, forderte der Landrat die Unternehmen auf, sich dem Thema Beschäftigung von Menschen mit Einschränkungen zu öffnen.

Eine Orientierung für die Gesellschaft

Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller unterstrich das Gesagte und fand, dass sich die neue Einrichtung in der Lindenstraße ganz hervorragend in die gut ausgebaute Schullandschaft der Kreisstadt einordne. Es sei wichtig, Menschen vom Rand der Gesellschaft in den Mittelpunkt zu holen. Kompass Leben mache seinem Namen alle Ehre und böte Orientierung in und für die Gesellschaft.

Während eines kleinen Rundgangs in den nigelnagelneuen Räumen konnten die Gäste sich erste Eindrücke holen – von der Diagnostik bis hin zu Schulungs- und Kreativräumen. Auch die Cafeteria zeigte sich einsatzbereit. Hier bot sich für die Fachleute aus den verschiedensten Einrichtungen noch die Möglichkeit zu dem einen oder anderen Gespräch. Schon in der kommenden Woche wird der Betrieb am Campus starten – Lauterbach und damit der ganze Vogelsberg sind um eine wichtige Bildungseinrichtung reicher.

Zur Eröffnungsfeier gab es gleich eine Präsentation.